Malerische Topografie des Königreichs Bayern
Am Anger
Hier war bis zu unserer Zeit vorzüglich das Kloster merkwürdig. Die St. Jakobskapelle stand schon um das Jahr 1221. Damals wurde sie nebst einen baranstoßenden Nebengebäude den Mindern Brüdern des heil. Franciscus eingeräumt. Bald wurde durch frommes Almosen die Kapelle zur Kirche und das Haus zum Kloster vergrößert. Als Herzog Ludwig der Strenge im Jahre 1282 die Minoriten in die Nähe seiner Burg (des alten Hofes) versetzt hatte, wurden Kirche und Kloster auf den Anger den aus den Kloster zu Seßlingen bey Ulm berufenen Schwestern des Ordens der heil. Klara (Klarissinnen) übergeben. Nach den Bayerischen Herzogen war das Patriziergeschlecht der Sendlinger ihr vorzüglichster Wohlthäter. Ungeachtet ihres großen Reichthums und hohen Ansehens (die Äbtissin gehörte zu den Landständen) lebten die Nonnen in strengster Armuth und Entbehrung, ganz von ihren auf das reichlichste ernährten, Franciscanern = Beichtvätern abhängig, unter der Botmäßigkeit dieser Mönche, wie sich der Geschichtschreiber des Klosters, Pater Barnabas Kirchhuber ausdrückt. Und doch haben drey Prinzessinnen des Bayerischen Hauses dieses Kloster zu ihrer Bestimmung erwählt. Agnes, Tochter Kaisers Ludwig des Bayern, starb 18 Jahre alt 1352, Barbara Tochter Herzogs Albert III. starb 17 Jahre alt 1472, und Emanuela The=resia (Maria Anna Carolina) Tochter des Kurfürsten Maximilian Emanuel, starb 54 jährig 1750. Nach der allgemeinen Klosteraufhebung im Jahre 1803 wurden ihre Körper in die alte Fürsten=Gruft der Metropolitan = Kirche überbracht. Ein Theil der übrig gebliebenen Gebäude ist zu einer Elementar = Schule verwendet worden.
Gelegentlich der von Unrechs in die St. Jakobs Kirche zur zeitlichen Verwahrung übersezten Reliquien, und des den frommen Besuchern derselben verliehenen Päbstlichen Indults (Ablaßes) entstand im Jahre 1388 die damals auf dem Anger abgehaltene, Münchner Jakobi = Dult.
Die in einem großartig einfachen Style vollendete neue Frohnfeste, welche zu den zweckmäßigsten und bedeutendsten Gebäuden dieser Art in ganz Europa gehört, und von In- und Ausländern bewundert wird, wird den Namen ihres Architekten des Königlichen Ober-Bau-Raths Perstsch auf die späteste Nachwelt bringen. Die Versuchsäle imponiren durch Richterliche Würde, und die Behältnisse für die Gefangenen sind fest, geräumig, hell, trocken und gesund.