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Seite 58
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Miesbach

Am Abhange des rechten Ufers der Schlierach, welche aus dem Schliersee kommend, in die Mangfall sich ergießt, ist Miesbach, der Markt, angenehm gelagert, der Brechen=Boden=Spitz im Hintergrunde, mit dem Sitze eines Landgerichts und Rentamts, zählt über 100 Häuser, 1150 Einwohner, die sich mit Viehzucht und Feldbau ernähren, hat eine Neben= und Pfarrkirche, mit der Gruft von den Grafen von Maximilian als Herrn dieser Gegend, wie der nahen Schlösser Waldenberg und Waldeck, ein königl. Schloß, (in welchem das Landgericht) ein Bräuhaus am Marktplatze, (ehemals landesherrlich und unten eines an der Schlierach), dann mehrere Gasthäuser, (nebst der Post) eine Salzniederlage und verschiedene Gewerbe. Am linken Ufer erblickt man unfern der Straße nach Tegernsee auf luftiger Höhe das Spital und den neuen Begräbnißplatz des Ortes. Letzteres durchzieht zugleich ein Giesbach, dessen Gewässer bei Feuersgefahr künstlich geschwellt und geleitet werden kann. Der jetzige Marktflecken sammt seinen, mit Legschindeln eingedeckten, mit Steinen beschwerten Hausdächern, erhob sich im Jahre 1784 zum zweiten=male aus der Asche, in die er auch 1527 durch Brand verwandelt worden ist. Nach alter Volkssage und aufgefundenen Spuren soll derselbe in der Vorzeit auf der östlichen Seite sich weithin ausgedehnt haben. — Von jeher hat sich in dieser herrlichen gesunden Gegend am Fuße der bayerischen Gebirge, und an der Grenze Tyrols, ein schöner, kräftiger, besonders munterer Menschenschlag beiderlei Geschlechts in eigenthümlicher, überall bekannter Gebirgstracht erhalten. Es ist zwar im 16 Jahrhunderte zur Zeit der lutherischen Reformation nach dem Beispiele der obengenannten Grafen eine Anzahl Familien von dem katholischen Glauben abgefallen und ausgewandert; der größere Theil aber der damaligen Pfarrey Parsberg nach ernsten Maaßregeln von Seite der regierenden Herzoge in Bayern im Jahre 1584 in den Schoos der Kirche wieder reuig zurückgekehrt. Den Namen schöpfte Miesbach von einer im 14. Jahrhunderte dagestandenen Burg, dem Hochstifte Freysing, welcher der Waldecker soviel Schaden gethan hat, daß sie in Ruinen geblieben ist. Von München und Rosenheim zieht die Straße hierdurch nach Schliersee auch nach Gmund, nach Tegernsee, Tölz und es werden 12 Stunden=Säulen von München bis Miesbach gezählt.