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Seite 57
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Schliersee

Wer könnte das schöne Hochland im Süden Oberbayerns bereisen, ohne einen der anmuthigsten kleinen Seen zu besuchen? Und wirklich findet man in Schliersee den ganzen Sommer hindurch auf längere oder kürzere Dauer Gäste aller Art, zu derer Beherbergung zweckmäßige Vorsorge getroffen ist. — Von dem Hügel, welcher vor mehr als tausend Jahren ein Benediktiner=Mönchskloster getragen, durch die Waldecker gestiftet, von den Hunnen nach 200 jährigem Bestande zum Theil zerstört, erblickt der Wanderer neben Westerhofen rechts das fruchtbare, bevölkerte Thal, nähert sich den weithin zwischen lachenden Fluren und Gärten zerstreuten reinlichen Häusern des Pfarrdorfes Schliersee dessen ehrwürdiger Münster der Ueberrest eines zweiten Chorherrnstiftes, der von Waldeck aus dem 12ten Jahrhundert ist. Im Osten des Ortes erhebt sich ein gerundeter grüner Hügel, welchen ein Kirchlein, von Linden beschattet, krönt, in welchem männliche Ritter der Vorzeit ihre siegreichen Waffen am Altar des heiligen Georg aufgehängt haben. Hier an erhabener, einsamer Stelle, wo einst eine kleine Burg gestanden sein soll, labe man sich an dem genußreichen Ueberblicke des niedlichen Rundgemäldes, wie des sanften, blälichten Wasserbeckens. Letzteres hält 5/4 Stunden in der Länge, 5/8 in der Breite 718 bayerische Tagwerke Fläche, auf der sich eine kleine Insel zeigt. Die größte Tiefe beträgt 28 Klafter. Salmlinge sind die vorzüglichsten Fische in diesem See. Links thront hoch auf steilen Felsen die Ruine der einst unbezwingbaren Ritterburg der Waldecker, als Herrn der Umgegend, Hohenwaldeck genannt. Das obere Ende des See’s, am Fuße des Jägerkamms und Brecherspitzes, belebt das Dörfchen Fischhausen mit seinem Spitz=thurme. Rechts ladet das durch einen kleinen Zwischenraum des Schliersee’s und seines Abzugwassers, der Schlierach getrennte, ehemalige Jägerhäuschen zu weiterm begeisterndem Genusse ein, da es abgeschieden romantisch auf grünender Anhöhe mit Flur und Wald wie auf einer Erdzunge hervortritt. Nur rückwärts kann man von Westerhofen her in diese Einsiedeley zu Land kommen, wo sich so gut wohnen, und die Seele stiller Ruhe allein im Schooße der üppigen Natur genießen läßt.