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Seite 56
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Seeshaupt

Hier an diesem, seit dem letzten Brande wohlgebauten Kirchdorfe erreicht der Würmsee sein oberstes Ende, und die höchste Länge von mehr als 5 Stunden, wo sich ein Mühlbach in denselben ergießt. Dasselbe wird meistens von Fischerfamilien bewohnt, deren es sonst 99 berechtigte an diesem See gab, und die unter zwei kgl. Hoffischmeistern in Possenhofen und Ambach stehen. Für die von ihnen zu leistenden verschiedenen Seefahrten ist von dem königl. Land= und See=Gerichte Stahrenberg ein eigenes Taxregulativ gegeben. Dem, am untern Ende des Sees, beim Ausflusse der Würm aus demselben, einen so malerischen Hintergrund bildenden Gebirgen ist man da ziemlich nahe. Allein, nicht minder anziehend erscheint der Anblick von oben hinab, wo Leutstettens romantische Höhen den Schlußpunkt bilden, wie bereits bemerkt worden.

Schließlich verdient hier Erwähnung, daß in dem Würmsee nie etwas von jenen unterirdischen Bewegungen sichtbar war, deren man bei andern Seen zur Zeit eines heftigen Sturmes auf dem Meere gewahr wurde. Dieses beweiset, in welcher tiefen Ruhe sich seine Grundelemente befinden, indem sie nicht den mindesten Antheil nehmen an demjenigen, was auf der Oberfläche vorgeht. Darüber hat sich dort folgende Volkssage erhalten. Bayerns Churfürst Karl Albert ward einst von einem eben so plötzlichen, als gewaltigen Sturme überfallen. In dem Lärmen und der Unordnung, welche, bis man Anker geworfen hatte, auf dem Leibschiffe entstand, geschah es, daß eine silberne, mit Wein gefüllte Flasche in das Wasser fiel. Viele Jahre nachher, als der Monarch sich wieder auf dem See ergötzte, warf man zufällig an der nämlichen Stelle Anker, und als man diesen lich=tete, kam die Flasche, welche sich an einen Hacken des Ankers angehängt hatte, zu Aller Staunen wieder in Vorschein. Man fand den Wein ungemein gut erhalten, und wer auf dem Schiffe war, bekam einen Trunk hievon zum ewigen Andenken.