Malerische Topografie des Königreichs Bayern
Starhenberg
Hier war einst der Sitz hoher Lust, gepaart mit fürstlicher Pracht, von Seite Bayerns Landes=Regenten, unter kaiserlichen und königlichen Gästen, und mit ihren lebensfrohen, von jeher häufig sich da einfindenden Münchnern aus allen Ständen. Der 100 Schuh lange, 25 breite und 17 Schuh in 3 Geschossen hohe Buccentaur, durch Italiener im Jahre 1662 erbaut, mit zwei Segeln, vielfarbigen Wimpeln und Fahnen, Strickleitern und Tauwerk, 16 Feldstücken, 110 Matrosen, im Ganzen oft mit 500 Personen bemannt, und eine unzählige Menge Galeeren, Renn= und Jagdschiffe, dann italienische Gondeln, gegen 2000 Gäste aufnehmend, belebten bei See=Hirsch=jagden, Lustfahrten und Spielen jährlich 3= bis 4mal die reizend schimmernde Spiegelfläche. Das große Leibschiff soll 30,000 Gulden gekostet haben. Als im Jahre 1759 ein neuer Schiffsboden nöthig geworden, zerlegte man das schöne Werk, um den Aufwand hiefür zu vermeiden. Unter Churfürst Karl Theodor brachte der landesherrliche Schiffmeister Zimmermann, welcher mit Cook die Reise um die Welt gemacht hat, die ersten englischen Boote auf den Würmsee, wovon er selbst zwei erbaute, mit Segel, Tauwerk, Steuerruder 2c. und 4 Kanonen versehen.
Von dem altadelichen Geschlechte der Stahrenberger kam deren Besitzung gleichen Namens an Bayern. Das jetzige Schloß, von Herzog Wilhelm III. 1544 erbaut, litt bei einem Einfalle der Schweden 1646 sehr viel, war mit Mauern und Gräben umgeben, mit mehreren Thoren und einer gemauerten Bogenbrücke versehen, innenher schön ausgestattet. Das sogenannte, außer dem Schlosse gestandene, gemauerte Sommerhaus verwendete Churfürst Maximilian III. 1765 zur Pfarrkirche unfern derselben Stelle. Noch stehen die Umfangsmauern und Zwischenthürme, welche den großen Baumgarten mit dem Sommerhause und Lustschlosse verbanden.
Das Pfarrkirchdorf unten am Schloßberge hieß ehemals Aham, jetzt Niederstahrenberg. In dem lieblichen Thale hinter dem Schlosse entspringt der St. Georgenbach, vereinigt sich mit dem Meisingerbache, und ergießt sich außerhalb Stahrenberg in die Würm oder Ach, welche über Nymphenburg abfließt, und außer Dachau bei Deutenhofen von der Amper aufgenommen wird.