Malerische Topografie des Königreichs Bayern
Possenhofen
Einer kleinen Seefestung gleich zeigt sich eines der ansehnlichsten Schlösser eine Stunde oberhalb Stahrenberg von der Wasserseite — Possenhofen. Der frühere Besitzer der Hofmark, aus der Münchner Patrizierfamilie der Rosenbusch, i. J. 1692 Erbauer des gegenwärtigen, von einem Graben und einer Mauer versicherten, mit vier Eckthürmchen sehr regelmäßig gebauten Schlosses statt des alten, unbewohnbaren, verfiel auf die sonderbare Idee, den jetzt mit dem üppigsten Graswuchse und duftenden Obstbäumen prangenden Garten von 77 Tagwerken mit einer Mauer und Thürmen, die Schußscharten haben, ringsherum in der Absicht zu umgeben, „um seine Nachkommen dadurch arm zu bauen, da sie aus Unvermögen dieselbe nicht zu erhalten vermöchten.“ Es scheint aber, er selbst sey schon beim Baue in die, Andern bereitete Verlegenheit gerathen, indem die gemauerte Einschließung sich nur auf die sehr lange Seite gegen den Würmsee erstreckt, die andere hingegen mit einem Geländer von Holz versehen ist. Man spricht von einem Thiergarten, der sich $1frac{1}{2}$ Stunden weit erstreckt haben soll. Ein geräumiges Sommerhaus von Backsteinen empfing den Landenden, ist aber jetzt zusammengefallen. Ein herrlicher Blumen= und Gemüsgarten umgibt das Innere des Schloßgebäudes auf das Angenehmste; außer demselben, westwärts, steht jenes zur Oekonomie. In dem untern Gange, wo zwei Treppen in die obern schönen Zimmer führen, erblickt man 11 umliegende Schlösser gemalt, mit, in Knittelversen gegebenen Fischerregeln auf jedes Monat des Jahres, März ausgenommen. Die Zimmerdecken sind noch nach alter Art von guter Schreinerarbeit, die Wände der Erker und Gemächer mit ehrwürdigen Porträts u. a. behangen. Ober einer, mit Schnitzarbeit gezierten Thür befindet sich ein doppeltes Wappen, dabei die Jahreszahl 1583. Die Schloßkapelle, in die man auch vom zweiten Stockwerke herabsehen kann, enthält ein Altarblatt von Andrä Wolf.
Etwas rückwärts vom Schlosse, am waldigen, sanften Abhange, steht nebst andern das reinliche, zur gastlichen Bewirthung einladende Fischmeistershaus, mit einer Feldkapelle. Rechts von demselben gewähret der versinnlichte Kalvarienberg herrliche Aussicht und Echo.
Hofmark und Schloß, in die nahe Pfarrei Pöking gehörig, in deren Kirche auch die Rosenbusch begraben liegen sollen, da sie dort ebenfalls ein Schloß hatten, kam von diesen an die Hörwarth; Churfürst Ferdinand Maria erkaufte das Ganze 1668. Im Jahre 1684 bekam es General Graf Sereni, nach diesem 1692 geh. Rath und Kanzler Freiherr v. Wämpel. Jetzt übt den Besitz Graf v. Larosee.