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Seite 50
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Die Ruinen einer Kapelle

auf der Insel Wörth im Würmsee

Die Insel, zum Unterschiede von dem äußern Wörth der innere genannt, ohngefähr 500 Schritte vom Lande entfernt, mit dem sie vor ein paar tausend Jahren zusammengehängt haben mag, da ihr die nämlichen Bestandtheile eigen sind, bildet beinahe ein gleiches Viereck, 8 bis 900 Schritte im Umfange. Sie erzeugt alles Nothdürftige zur Lebsucht für den genügsamen Bewohner; Getreid, Gemüß, Obst, Gras, in voller Ueppigkeit zwar, aber, versteht sich, spärlich, daher derselbe auch durch Fischfang für sich und seine Familie sorgen muß. Das Bauerngütchen, ursprünglich ein Rittersitz, gehört zur Herrschaft Possenhofen und zur Pfarrei Feldafing, ist von ersterm, beinahe gegenüberliegenden Schlosse $frac{1}{4}$, und von dem aufwärts folgenden Garzhausen $frac{1}{2}$ Stunde entfernt. Schon bei der Wasserfahrt von Possenhofen nach dem innern Wörth bemerkt man doppelte Reihen von Pfählen, bräunlich, hart, jedoch lange nicht versteinert, die Zeichen von Zerstörung an sich tragend. Es sind die deutlichen Spuren einer Brücke, deren einst sogar zwei vom festen Lande dahin geführt haben sollen. Nebst dem gemauerten reinlichen Hause befindet sich auch in einiger Entfernung von diesem ein uraltes, bis auf die Hauptmauern zerstörtes Kirchlein, welches dem Ganzen ein mystisches Wesen ausdrückt. Dasselbe hat einen engen gothischen Eingang, ist in die Gemeinkirche, und durch einen Bogen in den Chor für das Allerheiligste getheilt, durch eine einzige Fensteröffnung oben nordwärts mit ehrwürdiger, das fromme Gemüth zur Andacht stimmenden Dämmerung begabt, kaum 100 Menschen fassend. Volkssagen bezeichnen es als einstigen heidnischen Tempel, später als berühmte christliche Wahlfahrt. Obwohl von dicken Quader= und Duftsteinen erbaut, ward durch das feindliche Schwedenvolk Brücke und Kirchlein zertrümmert. Letzteres liegt noch unversehrt in seinen ursprünglichen Ruinen, während wildes Gesträuch, und über dieselben strebende Bäume eine dichte, schauerliche Umgebung bilden. Den ausgegrabenen Menschen=Gebeinen nach zu schließen, ist auch ein Begräbnißplatz da gewesen. Urkunden hierüber mangeln gänzlich.

Die größte Schönheit dieser Insel, sagt der hievon bezauberte seel. von Westenrieder, besteht darin, daß die Kunst noch nichts gethan hat, sie zu verschönern. Man fühlt sich hier, abgeschieden von dem schnöden Treiben der Menschen, in Mitte der reizendsten Naturschönheiten aller Art, in überirdischen Empfindungen aufgelöst, erblickt das, was sonst die regste Phantasie des Dichters mit so vielem Entzücken und den gewähltesten Farben zu besingen pflegt, mit eigenen Augen. Groß genug wäre dieses einsame Eiland, um darin irgend einen Kummer zu begraben, bei dem es nicht erlaubt ist, sich um Hülfe oder Mitleiden an die ohnedieß hiefür gefühlose Welt zu wenden; groß genug, zwei Glückliche aufzunehmen, und vor den Verfolgung des Neides zu verbergen, die in der Schwärmerei ihrer Seele nichts bedürfen, als sich selbst, nichts wünschen, als eine ein=same, moosbedeckte Hütte, Feld und Gärtchen, und — eheliche Zufriedenheit!