Malerische Topografie des Königreichs Bayern
Bogenhausen
Daß die meisten Ortschaften, welche Münchens nächste Umgebung bilden, um Jahrhunderte älter als die Hauptstadt sind, ist bekannt. Zu diesen gehört auch das, jenseits der Isar auf grüner Anhöhe liegende, mit dem englischen Garten durch eine eigene Brücke zusammenhängende freundliche Pfarrdorf Bogenhausen. Dürfte man Bubenhusen als mit Bogenhausen identisch annehmen, so wäre sein Daseyn schon zur Zeit Herzogs Thassilo II. urkundlich erwiesen.
Natur und Kunst haben sich vereiniget, den Weg, welcher von dem Königlichen Hofgarten her durch den Englischen Garten, Tivoli vorbei, nach Bogenhausen führt, mit den größten Reizen auszustatten. Nicht mindere Schönheiten anderer Art bieten sich auf einem Spaziergange dar, welcher über den Gasteig auf dem hohen Ufer der Isar dahin unternommen wird. Während hier unter des Wanderers Füßen die Isar den glänzenden Schaum ihrer grünen Wellen brausend fortwälzt, breitet sich gegenüber die herrliche Königsstadt, mit ihren schönen und weitgedehnten Vorstädten, vor dem entzückten Auge aus; rechts und rückwärts aber zeigen sich in magischer Beleuchtung mit ihren Scheiteln und Spitzen die bläulichten Alpen des vaterländischen Hochlandes.
Die Pfarrkirche ist weder durch Alterthum noch durch Kunst ausgezeichnet, aber geräumig und reinlich.
Etwas besitzt Bogenhausen, das noch unsern spätesten Enkeln verehrungswürdig bleiben wird, das höchst einfache Landhaus des großen Staatsmannes Grafen von Montgelas. Bayerns Annalen werden dankbar aufbewahren, daß unter König Maximilian I. glorreicher Regierung, in den für des Vaterlandes Existenz und Integrität gefährlichsten Zeiten, desselben Rettung, Vergrößerung und Flor in diesen kleinen unscheinbaren Zimmern entworfen, berathen und ausgeführt wurden. Die gleichmäßigen hohen Verdienste des Bayerischen Heeres werden auf einem anderen Blatte rühmende Anerkennung finden.
Für Erfrischung und Unterhaltung der lebensfrohen Münchner des höheren Standes und aus dem des Volkes ist hier mehrfach gesorgt. Neben dem alten Bogenhauser Wirthshause besteht auch am Fuße des Hügels, im Brunnenthale, von welchem bereits in Urkunden zwischen den Jahren 1140 und 1153 und vom Jahre 1183 Erwähnung geschieht, und dessen Quellen zu einer städtischen Wasserleitung benützt werden, eine reinliche und bequeme Badeanstalt mit einem Gasthause. Ueberdieß ist in der neuesten Zeit das vormalige Landhaus des Finanzministers Freiherrn von Hompesch in einen allgemeinen Belustigungsort unter dem Namen „Neuburghausen“ umgeschaffen worden. Ueberall laden Küchen, Keller, Tanzsäle 2c. zum mannigfaltigen Genusse ein.