Malerische Topografie des Königreichs Bayern
Der Prater
Unter den zahlreichen Erfrischungs=Orten in der nächsten Umgebung Münchens, wo Tausende Erheiterung suchen und finden, gebührt auch der anmuthigen Isar=Insel am Abrecher, welche den vorstehenden Namen führt, eine vorzügliche Stelle.
Wer solche mit Madrid’s Prado oder dem Wiener Prater vergleichen wollte, würde sich freylich sehr lächerlich machen.
Hingegen zeichnet sie sich durch die wasserreiche erfrischende Begränzung, durch die hohen Bäume und niedliche Lauben, unter deren Schatten man ruhet, die Musik anhört, und dem Tanze zusieht, und durch artige Gebäude vortheilhaft aus.
Niemand wird es reuen, dieses Inselchen, wohin von der Isarbrücke her über den Gasteigberg ein angenehmer Weg leitet, ein Mal, besonders an einem Sonn= oder Feyertage besucht zu haben. Der Besuchende wird eine große, zwar sehr vermischte, aber durch gutmüthig lärmende Fröhlichkeit anziehende Gesellschaft finden, und ein treues Bild der Münchner niedern Volksthümlichkeit sich erwerben.
In der vorliegenden Abbildung zeigen sich rechts des Steinmetz=Meisters Herrn Ripfel kleines doch sehr schönes Haus nebst Werkstätte bey Haidhausen; links die Kirche des ehemaligen Leprosen=Hauses, nunmehrigen Spitals der Unheilbaren am Gasteig, womit auch eine ähnliche, vorhin in dem Dorfe Schwabing bestandene, Anstalt vereinigt ist. Das demselben gegenüberstehende, auf dem Blatte durch die Kirche verdeckte Gebäude wurde in dem Jahre 1763 von der damaligen Akademie der Wissenschaften, unter von Osterwalds Leitung zum Gebrauche astronomischer Beobachtungen errichtet, im Jahre 1796 in eine Art Krankenhaus umgewandelt, und hat gegenwärtig die schöne Bestimmung, allen dürftigen Leuten, welche der Obsorge der Stadtgemeinde zufallen, zur Wohnung und Verpflegung zu dienen.
Gasteig, vielleicht von gäher Steig abgeleitet, in den schöneren Jahreszeiten durch die vielen angebauten Märzen=Keller der städtischen Bierbrauer sehr belebt, hängt mit dem Dorfe Haidhausen zusammen, wo das Landhaus des Herrn Direktors Robert von Langer wegen seinen schönen Fresko=Gemälden, und den von dessen verewigten Vater hinterlassenen Kunstschätzen gesehen zu werden verdient.