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Seite 34
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Harlaching

Abbildung zum Eintrag

Harlaching wird als Hadalichingen schon in einer Urkunde von 1193 mit einer Kirche angeführt.

Dieser zwischen Giesing und der Menther=Schwaige an dem rechten Isarufer, theils auf der Anhöhe (Kirche und Wirthshaus), theils in der Ebene (Mühle und übrige Häuser) liegende Ort, bietet aus seinem höheren Standpunkte dem entzückten Auge ein herrliches Panorama der Königlichen Residenzstadt mit ihren Thürmen, großen architektonischen Massen, den zahlreichen vorstädtischen Gebäuden und ihrer nahen und fernen Umgebung dar, welches südlich durch die schneeigen Spitzen und hohen Gebirgswände des Bayerischen Hochlandes und des benachbarten Tyrols großartig geschlossen wird.

In artistischer Hinsicht ist Harlaching dadurch merkwürdig, daß Claude Gelée, auch Lorrain genannt, welcher, von Keinem übertroffen, von Wenigen erreicht, mit genialem Pinsel Himmel, Erde und Meer auf die Leinwand hinzauberte, in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts an diesem Orte einige Jahre verlebt hat. Hier erbaute der unsterbliche Landschaftsmaler für den, damals viel vermögenden geheimen Rath von Meyer ein, den italienischen Villen nachgeahmtes Schlößchen, das er bewohnte, und wo er mehrere seiner Meisterstücke für den Kurfürstlichen Hof und seinen eben genannten Gönner entwarf und vollendete. Aber dem durch Italiens milderen Himmel verwöhnten Künstler blieb das rauhe Klima dieser Gegend unerträglich; er verließ dieselbe, begab sich nach Nanci, zog dann wieder nach Italien, und wählte Rom zu seinem Aufenthaltsorte, wo er, 82 Jahre alt, 1682 am Podagra starb. Im Kriege wurde das von Meyersche Schlößchen, welches nicht auf der Anhöhe, sondern in der Ebene senkrecht unter der Kirche stand, in Trümmer geschossen; doch ist der untere Theil der aus Quadern von Tuft aufgeführten hinteren Wand, in der Länge von mehr als 150 Schuhen, noch sichtbar. Es ist, wie schon Christian Müller bemerkt hat, Schade, daß nicht wenigstens die Inschrift eines einfachen Steines den Wanderer belehrt: „Hier lebte und malte Claude!“