Malerische Topografie des Königreichs Bayern
Das Portal des botanischen Gartens
Der Botanische Garten gehört zu den vielen großartigen Schöpfungen des verewigten Königs Maximilian I. Er ist vor dem Neuhauser = (Karls) Thore entlegen, und sein ganzer Umfang be=trägt $13 frac{1}{2}$ Bayerische Tagwerke 8762 Fuß. Obschon, neben mehreren andern Hindernissen, der unebene, steinige, magere, unfruchtbare Boden ganz umgeschaffen, zur Herleitung des’ noth=wendigen Wassers vom allgemeinen Krankenhause her, ein langer Kanal hergestellt werden mußte, und ungeachtet des höchstunvortheilhaft einwirkenden Klima, wurde er doch in wenigen, und zwar meistens kriegerischen Jahren, auf eine Weise vollendet, welche ihn berechtiget, mit den meisten ähn=lichen Anstalten Europa’s rühmlichst zu wetteifern, besonders seit er, ohne die Königliche Schan=kungen und die zahlreichen Beyträge in= und ausländischer Naturfreunde anzurühmen, mit den kostbaren Naturschätzen Brasiliens so vorzüglich bereichert worden ist. An das Portal, wovon das vorliegende Blatt eine treue Abbildung liefert, und welches mit der Inschrift: „Florum Daedalae Telluris gentes dissitae Maximiliani Jos. R. Numine consociatae 1812“ bezeichnet ist, schließt sich eine 3 Fuß hohe Mauer mit eisernen Staketen. Die herrlich gediehenen Baumpflan=zungen gewähren den freundlichsten Anblick. Das Gewächshaus, welches 462 Fuß lang und in der Mitte 36 Fuß hoch ist, mit 17 Fuß hohen Fenstern, hat, neben der höchst zweckmäßigen in=nern Einrichtung, das Verdienst einer äußern gefälligen architektonischen Form. In sechs Abtheil=ungen, welche nur durch Glaswände geschieden sind, leben die Pflanzen in ihren, künstlich hervor=gebrachten, eigenthümlichen Klimaten, und überall bildet die Decke eine Ellipse, durch welche Licht auf die Gewächse reflektirt wird. Zwey andere Abtheilungen werden, die gegen West zur Aufbewahrung der Sämereyen, die gegen Ost als Hörsaal für Botanische Vorlesungen, benützt. Beyde sind mit passenden Inschriften, jene: Hic ver continuum atque alienis mensibus aestas, diese: Hic intra. Hic Florae soboles et lecta propago, geziert. Aus sehr triftigen Gründen wird das Gewächshaus nicht durch Kanäle, sondern von eisernen Oefen geheizt. Der hintere Theil wird gegen die Nordwinde durch einen Korridor geschützt, der zugleich dazu dient, das Holz und verschiedene Geräthschaften aufzubewahren. Im Arboretum sind alle bekannte sowohl einheimische als ausländische Bäume und Gesträuche, nach ihren verschiedenen Geschlechtern, in ma=lerischen Gruppen gepflanzt. Unter den Attributen dieser Anstalt gebührt dem Herbarium, einem der reichsten in Europa, die vorzüglichste Stelle. Ausgezeichnete Verdienste um den Botanischen Garten haben sich erworben, aus den Verstorbenen: der Akademiker Dr. Güthe, der Intendant der Königlichen Gärten Ritter von Sckell und dessen Sohn der Botanische Gärtner Wilhelm Sckell; aus den noch lebenden: der Nestor der deutschen Botaniker Ritter von Schrank, Hofrath Ritter von Martius, und in der neuesten Zeit, Professor Zuccarini und der dermalige Botanische Gärtner Seitz. Wer wissenschaftliche Belehrung sucht, wird sie in den Denkschriften der Königlichen Aka=demie der Wissenschaften für das Jahr 1813, in des R. v. Schrank Plantis rarioribus Horti Monacensis, und besonders in den Programma des R. v. Martius: Hortus botanicus R. Academiae Monacensis, seu horti botanici, qui Monachii floret, historia breviter enarrata, et praesens conditio descripta 1825. reichlich finden.
Den Botanischen Garten Südlich gegenüber, und nur durch die Elisen’=Straße getrennt, liegt das, aus mehreren Pavillons bestehende, Herzog=Klementinische Palais, mit seinen großen Garten welches zuletzt die um Bayerns erhaltene Integrität hochverdiente verwittibte Herzogin Maria Anna bis zu ihren am 25. April 1790 erfolgten Tod bewohnt hat, und nunmehr für das Königliche Kadettenkorps benützt wird. Dieses Institut, von den Kurfürsten Maximilian Joseph III. im Jahre 1747 gegründet, ist unter der Königlichen Regierung sehr erweitert, und vielfach zweckmäßig ver=bessert worden. Mehr als 150 Jünglinge werden hier zu tüchtigen Offizieren von allen Waffen=gattungen gebildet, und erhalten in Wissenschaften, Sprachen und Künsten von ausgezeichneten Professoren und Lehrern vortrefflichen Unterricht. Der, das ganze mit Kenntniß und Würde thätigst leitende Vorstand, ist gegenwärtig der verdienstvolle General=Major von Tausch. Diesem Institute verdanket, mit vielen andern Zierden des Bayerischen Kriegsheeres, auch der Oberst von Heidegger, welcher seinen Ruhm als Mensch, Militär und Künstler über die Europäischen Gränzen hinaus verbreitet hat, seine erste Bildung.