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Seite 26
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Das k. Hof- und Nationaltheater

Abbildung zum Eintrag

Nachdem durch Aufhebung und Niederreißung der, an den linken Flügel der landesherrlichen Re=sidenz anstoßenden Ridler Nonnen= und Franziskaner Mönch=Klöster ein großer freier Raum (Max Joseph=Platz) gewonnen worden war, ließ König Maximilian I. in dessen Hintergrund neben dem alten Opernhause durch den Architekten Karl von Fischer und Hofbaumeister Franz von Paula Thurn auf Kosten des Münchner Magistrats ein neues prächtiges Hof= und National=Theater aufführen. Den Grundstein legte hiezu den 12ten Oktober 1811 der damalige Kronprinz Karl Ludwig von Bayern. Am 12ten Oktober 1818 geschah die glänzende Eröffnung dieser herrlichen Kunsthallen. Allein schon den 12ten Jänner 1823 wurden sie leider ein Raub der Flammen.

Bey der schleunigst beschlossenen Wiedererbauung mit aller innern Einrichtung hat man die ar=chitektonischen Formen des, von Fischer entworfenen ursprünglichen Planes mit wenigen Ausnahmen beibehalten, jedoch die beiden Seitenflügel zu Konzerten, Redouten u. d. gl. bestimmt, abermal ganz weggelassen. Schon am 2ten Jänner 1825 ward die zweite Eröffnung der Schaubühne bewerk=stelligt.

Das Prachtgebäude ist im schönsten, erhabensten Style mit großer Dauerhaftigkeit aufgeführt, mißt 333 Schuhe in der Länge, 185 Schuhe in der Breite, und bis zum Giebel 149 Schuhe. Nach der Länge des äußern Front=Einganges sind steinerne Stufen, welche zu den 3 Hauptthüren führen, nachdem man den, von 8 hohen und dicken korintischen Steinsäulen unterstützten Vorsprung pas=sirt hat, unter welchem auch auf beiden Seiten, wie bey den 2 Nebenthüren, an= und abgefahren werden kann. Das Ganze wird äußerlich durch 4 große Candelaber von Eisenguß zur Nacht=Zeit beleuchtet. In der Vorhalle mit ihren 4 Säulen erblickt man rechts und links große Hauptstiegen von Marmor zu den königl. Logen und Appartements, in welch letztern während der Carnaval soupirt, und Hofball gegeben werden kann. Von der Vorhalle tritt man in die Fojiers, und über 2 Vorplätze durch 5 Thüren in das Logenhaus, einen Zirkel=Raum von 80 Schuhen im Durchmesser haltend, wo man auf beider Seits doppelten Wendeltreppen in die 4 Range und auf die Gallerie kommt. Hinter den herumlaufenden Mittelgängen sind die Garderobe= und andere Zimmer angebracht. In das 66 Schuhe lange und breite Parterre gelangt, begegnet dem Auge zunächst dem schönem Por=talvorhange das Proszenium mit kandelirten Säulen geziert, an welchem sich übereinander 3 schmuck=volle Logen für die königliche Familie erheben. An das Proszenium reihen sich ebenfalls übereinander beyder Seits Logen=Brüstungen mit Arabesken=Malereyen versehen. Ober ihnen ist die Volks=Gal=lerie, oder der sogenannte Juhe, unter ihnen die Parterre=Gallerie. Die Zahl der Logen beträgt 90, jede zu 7 Personen. Das Parterre faßt 900, die oberste Gallerie 350, das Ganze 2060 Personen, auch noch darüber. Im Hintergrunde, in gerader Richtung auf die Schaubühne, erhebt sich im prachtvollsten Glanze die königliche Hauptloge, welche Alles vereinigt, was Kunstsinn, Zierlichkeit, Fleiß in der kurz bedungenen Zeit zu liefern im Stande war. Das ganze Innere des Theaters wird ausser dem Spiele durch einen herablassenden Luster erhellt; bey feyerlichen Gelegenheiten kann durch mehrfache Wandleuchter, an den Logen=Wänden von Aussen angebracht, der blendendste Lichtschimmer mit jenem vereinigt werden. Die Bühne selbst ist 100 Schuhe breit, 90 Schuhe lang, mit 16 Coulissen=Reihen versehen, gewinnt im Falle Bedürfniss bedeutend an Raum durch den ebenfalls 100 Schuhe breiten, 43 Schuhe langen Maler=Saal. Bei Bällen zur Karnavals=Zeit wird das Parterre der Bühne gleich aufgehoben, und in einen ungeheuren Tanz=Saal umgeschaffen. Die Holztheile des Theaters sind mit Feuer sicherndem Anstriche versehen. Meisterlich in ihrer Construirung ist die Maschinerie, und diese einzig in ihrem Detail zu nennen. Die künstliche unterirdische, weit sich ausdehnende Beheizung in dem Gebäude geschieht durch Röhren. Die Dachung ist mit Kupfer eingedeckt, und kann von Aus=sen beschritten werden. Die Feuerlösch=Vorrichtungen bestehen aus 21 großen und kleinen gefüllten kupfernen Wasser=Reserven, über 1000 Eimer haltend, aus 4 Hauptdruckwerken, aus welchem das Wasser unausgesetzt von den untersten Räumen bis unter und über das Dach getrieben wird.