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Seite 21
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Die dermalige griechische Kirche

Abbildung zum Eintrag

An der Prannersstraße ließ Bayerns Herzog Albert IV. die Salvator = Kirche erbauen, deren Umgebung den Leichenacker für die unser lieben Frauen=Pfarr in der Art bildete, wie jene der Al=lerheiligen=Kirche an der Kreuzgasse für die St. Peters=Pfarr. Die Kirche, im gothischen Style, hat 3 Portale, einen ansehnlichen, unten in 3 Absätzen viereckigen, oben in gerundeter Kuppel endenden Glockenthurm, 11 hohe Fenster mit herrlichen, später zum Theile leider vernichteten Glasmalereyen, schöne Wölbungen, und eine Emporkirche mit Malerwerk, dann der Jahreszahl 1494, renovirt 1774. Drei Altäre schmückten sie, so wie mehrere alte Gemälde von Ulrich Führer, Hanns Mielich und Mächselkircher. Das Choraltarblatt, Mariens Himmelfahrt, von Georg Fischer, befindet sich gegen=wärtig in der neuen Domsakristey. Schon ein Jahr vor der Erbauung vergabte hiezu des regieren=den Herzogs Bruder, Sigmund, ein ihm gehöriges, gegenüber gelegenes Haus mit Scheune und Hofstatt. Eine einfache steinerne Säule, in Mitte des Leichenackers gestellt, mit breitem Aufsatze, re=ligiöser Verzierung und gothischer Umschrift:

„Albert Pfalzgraf bey Rhein, Herzog in ober und nieder Bayern hat das Werk machen lassen anno 1494.“

sollte das Andenken an den Stifter verewigen. Allein bey Anlegung des allgemeinen Begräbniß=Platzes vor dem Sendlinger Thore, und Einebnung des Kirchhofes, ward die Säule, statt in die Kirche, auf jenen versetzt, wo sie in unhistorischer Bedeutsamkeit noch, aber sehr verwittert, zu sehen ist.

Bey der allgemein nothwendig erachteten Verminderung der Bethäuser am Eingange des 19ten Jahrhunderts hat man auch diese Nebenkirche abgewürdigt, nachher den freien Platz zu einem 2ten Victualien = Markte verwenden wollen. Indessen, bey längerem Aufenthalte mehrerer Griechen in Bayerns Hauptstadt, befahl König Ludwig zu ihrem Gottesdienste die zweckmäßige Restaurirung im Jahre 1829, dessen Ausübung einem Archimandriten mit dem nöthigen Sängerchor übertragen ist, welch letzteres abwechslungsweis mit ersterm Hymnen und Psalmen singt. Es wurde zu diesem Ende ein einfacher, in der Mitte freystehender Altar mit Seitenflügeln und Hintergrund zur hei=ligen Handlung errichtet, auf welchem plattgemalte Heiligen=Bilder sich befinden, da alle geschnitzten oder gegossenen, gleich der Instrumental = Musik, verbannt sind. Die griechische Kirche unterscheidet sich übrigens von der katholischen bloß durch einige Verschiedenheit der Lehre, durch jährlich vierma=lige Fasten=Zeit, durch eigenthümliche Spende einiger der 7 heil. Sakramente, u. s. w. Das Cere=monielle ist hiebey von großem Umfange.

Später wurde die griechische Pfarr=Gemeinde in München außer den in dem königl. Kade=ten=Corps gebildeten Jünglingen mit einem Knabenlehr=Institut, dann einer Gesandtschaft vermehrt.