Malerische Topografie des Königreichs Bayern
Die evangelische Kirche
Bekannt ist, mit welchem Eifer gleich beym Anfange der großen Kirchen=Trennung die bayerischen Herzoge Wilhelm IV. und Ludwig, besonders jener, sich derselben widersetzte, und wie kräftig seine beyden Ecke, der thätige, staatskluge, aber auch ränkevolle Kanzler Leonhard von Ecke, und der ultraorthodoxe Dispudator zu Ingolstadt Johann Eccius, gegen welche die Bischöfe nicht mit der erforderlichen Strenge einzuschreiten schienen, hiebey mitgewirkt haben. Seit Georg der Wagner am 8. Hornung 1527 der erste zu München den Scheiterhaufen bestiegen hatte, kam es an die Tagesordnung, die Bekenner der neuen Lehre mit Feuer und Schwerdt auszurotten. Selbst der Vater der bayerischen Geschichte, der gelehrte und biedere Hanns Thurmayr (Aventinus) entging, als verdächtig, der Verfolgung nicht. Er wurde zu Abensberg in dem Hause seiner Schwester verhaftet, zwar bald wieder in Freyheit gesetzt; aber der gute alte Mann hatte seine Heiterkeit verloren, und diese Behandlung trug zur Beschleunigung seines Todes bey. Inzwischen war doch Luthers Lehre ingeheim in den Städten und auf dem Lande verbreitet worden, und unter Herzog Albert V. wurde auf den Landtagen zu Landshut und München in den Jahren 1553 und 1556 in Religionssachen von der Ritterschaft und den Städten und Märkten eine sehr laute und nachdrückliche Sprache geführt. Sie warfen der Geistlichkeit ihre tiefe Unwissenheit, ihre rohen Sitten in derben Ausdrücken vor, und bestanden auf der Forderung des Kelchs, des Abendmahls unter beyden Gestalten unabweichlich. Auch fand sich der Herzog bewogen, den Gebrauch des Kelches und den Genuß der Fleischspeisen an den verbotenen Tagen, unter bestimmten Bedingungen, bis zu erfolgender Entscheibung der Kirche zu gestatten. Später ordnete derselbe seinem Rath Augustin Paumgartner und den Jesuiten Johann Courvillon an den zu Trient versammelten Kirchenrath ab, um die Reformation der Geistlichkeit, die Aufhebung des Cölibats und die Bewilligung des Abendmahls unter beyden Gestalten auszuwirken. Schauderhaft ist die Schilderung, welche Paumgartner in seiner am 27. Brachmonats 1562 vor den versammelten Vätern gehaltenen Rede von der damaligen Lage Bayerns in religiöser Hinsicht dargestellt hat. Ungeachtet derselben, und obschon auch zu gleicher Zeit Kaiser Ferdinand I. für seine Erblande das Nämliche dringend gefordert hatte, löste die Tridentiner Kirchen=Versammlung sich auf, ohne hierauf die geeignete Rücksicht zu nehmen, und auch der Papst willfahrte dem nachher an ihn gestellten Gesuche keineswegs, wodurch die Kirchentrennung unheilbar wurde. Nun nahm der, der alten Kirche immer treue Herzog die einstweiligen Bewilligungen zurück, und in dem Zeitraum weniger Jahre waren, mit Ausnahme der Ausgewanderten, alle getrennt durch Belehrung, wenigstens von den Jesuiten und durch Zwang den römisch=katholisch Glauben zurückgegeben. Dieser herrschte von solcher Zeit an wiederum im ganzen Bayern mit theodorer Strenge, und besonders wurde die Haupt= und Residenzstadt München allgemein als d deutsche Rom gepriesen. Unbemerkt darf nicht gelassen werden, daß dem vereinigten Wirken d Landesherrn und der Bischöfe die so nothwendige als wohlthätige Reformation der Geistlichkeit län stens gelungen war.
Der glorreichen Regierung Königs Maximilian I. blieb es vorbehalten, die vollste Fre heit der evangelischen Religion nicht nur in den neuacquirirten Provinzen, sondern auch in Altbaye für immer zu begründen. Bereits im Jahre 1806. wurde in der königlichen Residenz ein geräum ger Saal, einfach und prunklos, zur evangelischen Hofkirche umgestaltet. Die Konstitution vom 2 May 1818. Tit. IV. §. 9. ertheilet den katholischen, evangelischen und reformirten Kircheng sellschaften ganz gleiche bürgerliche und politische Rechte. Der Abschied der Reichsstände vom 1 September 1825. verordnete, daß zu München eine evangelische Pfarrkirche aus Staatsmitteln e baut werden soll. Hiezu wurde die Mitte der Sonnenstraße am Karlsplatze bestimmt, und der Ba dem ausgezeichneten Architekten, dem königlichen Oberbaurathe Johann Nepomuk Pertsch übertrage
Die Grundsteinlegung geschah den 5. August 1827., und gegenwärtig, zu Ende des Jahre 1830, steht das Äußere mit dem Thurme, großartig, doch bescheiden, beynahe ganz vollendet da Das Innere wird durch einen Plafond von Cornelius Erfindung verherrlichet werden. Die Anzah der Münchner Pfarrgemeinde übersteigt 8000, die protestantische Bevölkerung des Königreichs beläuf sich auf eine Million hundert und fünfzigtausend Seelen.