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Seite 22
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Die Allerheiligen-Hofkirche

Abbildung zum Eintrag

Nach dem Muster sogenannter byzantinischer Kirchen des 11ten Jahrhunderts, jedoch ohne äußere Kuppelform, ward im Jahre 1826 dieses religiöse Bau=Denkmal Königs Ludwig I. nach geheimen Rath von Klenze’s Plane begonnen. Am Festtage Allerhei=igen 1837 wohnte der König dem ersten feierlichen Gottesdienste bei. Die Kirche hat 165 Schuh Länge, 100 Schuh Breite, 80 Schuh Höhe, ein vorgothisches Portal, zu welchem Stufen führen, ober demselben in der Lünnette eine Sculptur, der segnende Welterlöser, zu beiden Seiten knieen Maria und Johannes der Täufer in Relief, dann zwei Statuen des heiligen Petrus und Paulus von Eberhard aus Sandstein.

Die Façade ist auf dem Giebel und rückwärts mit dem steinern Zeichen des Kreuzes, am Rande mit Akanthus=Blättern, auf den Seitengesimsen vorn und rückwärts mit 16 Nischenthürmchen, die Mitte derselben endlich mit künstlicher Fenster=Rosette geziert. Das ganze zählt im Haupt= und Nebenbau 42 gothische Fensteröffnungen.

Dieser Prachttempel Gottes im Innern steht, östlich mit der alten und neuen Residenz in Verbindung, gegen den Marstall=Platz, der königlichen Reitbahn gegenüber. Rückwärts des Chores ober der Sakristey laden zwei, auf freistehendem eisernen Glockenstuhle mit Kupferdach befindliche Glöckchen die Gläubigen zum Gebet ein. Beim Eintritt überrascht vor Allem die wohlthätige Wirkung, daß nirgends der Lichtschein der Fenster das Auge trifft. Gemüthergreifend ist der Eindruck der ganzen bei uns einzigen Kunst=Schöpfung dieser Art.

Acht Marmorsäulen mit vergoldeten Capitälern und vier Pfeiler tragen die zwei königlichen Logen, wie die Emporen zur Aufnahme des Hofes, und scheiden die Schiffe; auf zwei Säulen ruht der Orgelchor. Die Wände sind von Stückmarmor=Mosaïk, die Böden mit Pflastersteinen künstlich belegt. Im Winter wird das Ganze durch Röhren=Beheizung erwärmt.

Der reiche Bilderschmuck beider Kuppelrotunden, Wölbungen und Nischen auf Goldgrund in Fresken ist das Werk von Professor Heinrich Heß und seinen Gehülfen, enthält kirchliche Beziehungen des alten und neuen Testaments durch Darstellung der Hauptepochen und der darin Handelnden, als: Jehovah, Gott der Vater, Christus, Gott der Sohn, Gabe, Wirkung und Segnung unserer Kirche, Gott der Christ mit allen Heiligen, u. s. f. Die Choraltar=Nische zeigt unter andern Gestalten Gottes=Mutter Maria, zur Seite Petrus und Paulus, Moses und Elias, über diesen Christus in der Gloria, Gott der Vater und Gott der Geist, die heilige Dreieinigkeit versinnlichend. Die zwei Seitenaltäre enthalten Christus in der Höhe, anbetend vor ihm die Beschirmer der Königlichen Hausorden, St. Georg und St. Hubertus; dann die heilige Maria mit dem göttlichen Kinde Jesus, vor ihr die Schutzheiligen des erlauchten Gründers dieser Kirche und Seiner Gemahlin, Ludwig und Theresia.