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Seite 11
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Sendlingerthor

Abbildung zum Eintrag

In Münchens frühester Zeit war die Stadt südwärts gegen Sendling mit dem, erst in unsern Tagen abgebrochenen, Ruffini-Thurme geschlossen. Unter Rudolphs I., Stifters der Kurpfälzischen Li=nie, und seines jüngern Bruders, des nachmaligen Kaisers Ludwigs IV. Regierung erfolgte die Er=weiterung, und der Bau der äußern Thore. Das gegenwärtige Sendlingerthor ist durch feste alt=deutsche Architektur vor den übrigen ausgezeichnet. Und doch hätte der, allem Alten unbedingt ab=holde, Zeitgeist dessen Zerstörung durchgesetzt, wäre nicht Königs Ludwig, des damaligen Kronprinzen, rettendes Wortwort dazwischen getreten. Diesem allein hat dasselbe seine Fortdauer, und die, im Vergleiche mit Augsburg, Nürnberg und Regensburg, an Denkmälern des Mittelalters keineswegs reichlich merkwürdige, St. Lorenzkapelle im Altenhofe, nur dieses, ach! dieses, an die ruhmreiche Epoche Ludwigs des Bayers und seiner treuen Münchner großartig erinnernden Denkmahles entbehren muß. Durch den über die Thorbrücke sich langsam bewegenden Leichenzug wird die Nähe an der Thal=kircher Straße liegenden, mit unzähligen, zum Theil sehr schönen Monumenten gezierten, allgemei=nen Leichenackers für die drey christlichen Konfessionen des Königreichs und die Glieder der griechis=schen Kirche angedeutet. In der nämlichen Straße bey Untersendling haben die Gebrüder ihren Be=gräbnißplatz.

Der Thurm, welcher neben dem Thore rechts gesehen wird, gehört zur Allerheiligen=Kirche auf dem Kreuze. Diese wurde in den Jahren 1480 bis 1485 auf dem ehemaligen Haberfelde, das von hier bis zu dem Augustinerkloster reichte, anstatt der seit dem Ende des 13ten Jahrhun=derts in der Mitte des Marktplatzes von dem Münchner Patrizier Unwirth dem Sollier gestifteten Gotteskappelle erbaut. In der Folge diente sie dem uralten, reichen und mächtigen Geschlechte der Cluber, Abkömmlinge der Sachsenhauser und Sollier, zum Erbbegräbniß.

Ob dieses Thor und die zu demselben führende Sendlingergasse ihre Benennung von dem schon in der ältesten Zeit bekannten Pfarrdorfe Sendling (Sentilinga) welches nun in Ober=, Mitter=, wozu auch die Wallfahrtskirche Thalkirchen gehört, und Untersendling abgetheilet ist, (eigent=lich drey Dörfer), von dem Patriziergeschlechte der Sendlinger, aus dem Konrad III. Bischof zu Freisingen (erwählt 3. Oktobers 1314 gestorben 12. im April 1322) entsprossen war, ableite, bleibt eine immer unentschiedene Frage.

Die Gegend um Sendling ist durch die Metzeley, welche am heiligen Christtage 1705 fremde Uebermacht an den bayerischen Vaterlandsvertheidigern ausgeübt hat, historisch=merkwürdig geworden. „Weit umher lagen die Felder mit Todten und Verwundeten bedeckt. Derselben sollen über zweytausend gewesen seyn. Sechshundert Verstümmelte wurden von den Siegern sogleich in die Stadt gebracht, nicht zum Beweis des Erbarmens (dreymal war Pardon versprochen, und eben so oft höhnisch gebrochen worden), sondern den Bürgern von München zum schreckenden Schauspiel. In winterlicher Kälte und Nässe, hingeworfen in Koth, ächzten die Blutenden elend auf den Gassen ohne Verband und Erquickung. Wer die Grausamkeit überlebte, ward mit beginnender Nacht zu den Krankenhäusern geschleppt. „Das diesen im heiligen Kampfe für Bayern und Wittelsbach gefallenen Patrioten gewidmete Monument wird nächstens errichtet werden.