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Seite 12
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Die Königliche Residenz von der Nord-Ost Seite

Abbildung zum Eintrag

Diese Seite der Königlichen Residenz enthält die Zimmer, welche durch das allgemein entzückende Familien=Leben des verewigten Königs Maximilian I., seiner erlauchten Gemahlin Karoline und der Königlichen Prinzen und Prinzessinnen geheiliget worden sind. Da die Königliche Residenz noch von einer andern Seite abgebildet erscheinen wird, bleibt dasjenige, was hierüber der Raum zu sagen gestattet, bis dahin vorbehalten.

Den hier dargestellten Theile gegenüber zeigt sich der Königliche Hofgarten. Derselbe wurde schon unter dem Kurfürsten Maximilian I. im Jahre 1614 angelegt, unter Maximilian Joseph III. vielfach verändert, und nun ist er durchaus mit Schattenpendenden Bäumen bepflanzt. Als Ue=berrest vormaliger Pracht wird ein herrliches Standbild Bavaria aus Bronze, nach Canova’s Zeich=nung, auf der Kuppel der Rotunda bewundert. König Ludwig alleumfassenden Verschönerungs=Sinne ist die Wiederherstellung von vier Fontainen und die Errichtung eines marmornen Brunnens mit aufgestellter bronzenen Statue Neptuns zu verdanken.

Der Hofgarten hängt mit der Residenz durch Arkaden zusammen, welche ein kolossales, mit Armaturen reich verziertes Portal unterbricht. Den Theil dieser Arkaden, der von der Residenz bis zum Bazar reicht, hat König Ludwigs hoher Sinn für Vaterland, Geschichte und Kunst durch größtentheils meisterhafte Darstellungen einiger der glänzendsten Ereignisse in der Geschichte der hoch=herzigen Wittelsbacher, und der ihnen immer treuen Bayerischen Nation, in Fresko, unter Leitung von Herrn Ritter von Cornelius, durch seinen treuen Freund Professor Zimmerman und ihre würdigen Schüler verzieren lassen. Die Gegenstände dieser Fresken sind: Befreiung des deutschen Heeres im Engpässe von Chiusa durch Otto den Großen von Wittelsbach, 1155. — Deselben Belehnung mit dem Herzogthum Bayern durch Kaiser Friedrich I., 1180. — Vermählung Otto des Erlauch=ten mit Agnes Pfalzgräfin bey Rhein, 1225. — Einsturz der Innbrücke bey Mühldorf mit den darüber fliehenden Böhmen, 1258. — Sieg Kaisers Ludwig des Bayern bey Ampfing, 1322. — Seine Kaiser=Krönung zu Rom, 1328. — Herzog Albert III. schlägt Böhmens Krone aus, 1440. — Herzog Ludwig des Reichen Sieg bey Giengen, 1462. — Herzog Albert IV. gründet das Recht der Erstgeburt zu der Regenten=Folge Bayerns, 1506. — Der Kölnischen Burg Go=desberg Erstürmung durch die Bayern, 1583. — Maximilians I. Belehnung mit der Kurwürde, 1623. — Kurfürst Maximilian Emanuel erstürmt Belgrad, 1688. — Bayern, an ihrer Spitze der Kurprinz Karl Albert erstürmen die ersten, die türkische Hauptverschanzung, 1717. — Maxi=milian Joseph III. stiftet die Akademie der Wissenschaften, 1759. — Bayern schlagen die Ent=scheidungsschlacht bey Arcis-sur-Aube mit, 1814. — König Maximilian I. giebt seinem Volke die Verfassungs=Urkunde, 1818. Die fraglichen Abbildungen haben einen ausgezeichnet=vortrefflichen historischen Kommentar des Freyherrn von Hormayr veranlasst, welcher das tägliche Handbuch jedes biedern und gebildeten Bayers zu seyn verdient. Neben den geschichtlichen Fresken sieht man noch allegorische Vorstellungen der Bavaria, der Flüsse Rhein und Donau, Main und Isar, und verschiedene Sinnbilder, Arabesken, Wappen und Denksprüche.

Die Fortsetzung dieser Arkaden mit Tambosis italienischen Kaffeehause beginnend, reicht vor=erst bis zum Lokale des, für Beförderung und Unterstützung der Kunst im Vaterlande höchstwohl=thätigen Kunst=Vereines, und dann, gegen Nord gewandt, weiters bis zur Kaserne des Königli=chen Leibregiments. So lang die Arkaden mit dem Bazar, welcher, neben dem literarischen Ver=eine, einer gut organisirten Lesegesellschaft, mehrere kostbare und geschmackvolle Waaren=Niederla=gen enthält, vereiniget sind, werden sie, woran bereits angefangen ist, durch Ansichten aus Ita=liens paradiesischen Gegenden von Rottmann’s kunstreichen Pinsel ausgeführt, verziert. Ueber dem untern, nördlichen Theile der Arkaden ließ Kurfürst Karl Theodor die Gemälde=Gallerie errichten, worin, in acht mehr und minder großen Sälen, der Hauptschatz von Gemälden bis zur Vollendung der Pinakothek verwahret wird.

Noch sind auf dem vorliegenden Blatte die Kuppel und die Thürme der Theatiner=Hofkirche, und die Hotels des Feldmarschalls Fürsten von Wrede und des Grafen von Arco zu sehen.