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Ein Jahrhundert München

Industrie im alten München

ihren Herschel und Tollend besitzt, Teleskope und andere astronomische Instrumente ;u beziehen, welche jetzt nur in München und sonst nirgends in solcher klassischen Voll­ kommenheit gefertigt werden. Die Gläser zu den astronomischen lind mathematischen Instrumenten werden von Benediktbeuren, aus dem dortigen Institut Uhschneider rind Fraunhofer geliefert. Für die Belebung der Industrie von München hat in älterer und neuerer Zeit niemand mit so viel Sinn, Kenntnis, Tätigkeit und Glück gearbeitet wie der verdienstvolle Geheime Rat Utzschneider, dessen eigene Fabriken und Gewerbe zu München und iin Lande sich der höchsten Blüte erfreuen. Sein von

Erfolg begünstigtes Beispiel hat den Münchnern sehr genützt und manches Vorurteil verdrängt.

Die kgl. Porzellanfabrik zu Nymphenburg liefert in diesem Augenblicke ausge­ zeichnete, schöne Arbeiten, die — wenn nicht in Hinsicht des Materials — doch in Form und Malerei den besten dieser Art an die Seite gesetzt werden können. Ihre Niederlage zu München gewährt einen wahren Kunstgenuß. Dülken ist ein rühmlich bekannter Name für die Fabrikation der Fortepiano, die im In- und Ausland ge­ sucht sind und häufig gekauft werden. Sautter verfertigt chirurgische Instrumente, welche den besten englischen gleichkommen. 2n der Sphäre der niederen Industrie finden wir in München weniger Ausgezeichnetes. Es befinden sich da: ein könig­

licher Kupferhammer und zwei königliche Eisenhämmer mit einer königlichen Eisen­ niederlage, eine große königliche Kattun- und Zizfabrik, zwei lyonische Spitzenfabriken, bedeutend, drei Möbelfabriken, unter welchen sich die Hiltl'sche auszcichnet, jedoch den Wiener Arbeiten noch nicht glekchkommt, vier Orgelmachcr, zwei Geigenmacher, ein Fabrikant von musikalischen Blasinstrumenten, ein Waldhornmachcr, zwei Papier­ fabriken, zwei Siegellackfabriken, drei Tabakfabrikcn, wovon zwei bedeutend, sechs Lederfabriken, unter welchen sich besonders die Uhschnciderische sehr durch ihren Um­ fang, durch Behandlung und Güte ihrer Fabrikate auszeichnet, zwei Wagenfabriken, zwei Pulvermühlen, eine bedeutende Gold- und Silberdrahtfabrik, vier Spielkarten­ fabriken, wovon eine vorzüglich ist, eine Farbenfabrik, eine Maschinenfabrik, eine pknselfabrik, eine Barometer- und Thermometerfabrik und eine Steingutfabrik.

Ferner sind noch vorhanden: Sechs Büchsenmacher und Büchsenschäster, eine Baum­ wollmanufaktur, eine Handschuhfabrik, drei Hutfabriken, zwei Pottaschefabriken, drei Puder- und Stärkefabriken, eineperlfabrik, eine Rosogliobrennereh zwek Seidenstrumpf- fabrkken, zwei Brillenschleifereien, ein Edelsteinschneider, ein Fabrikant elastischer Ar­ beiten, zwei Spkegelfabriken, zwei Schokoladcfabrkken und eine Galanteriefabrik.

Alles Übrige gehört zu den bürgerlichen Handwerken, unter denen nach Maßgabe des vorzüglichsten Erwerbszwekges — der Bierbrauerei — 60 Brauer mit 153 Bier­ wirten obenanstehen. Diesen schließen sich an: 64 Bäcker, 66 Metzger, 71 Leinweber, 107 Schneider, 69 Schuhmacher usw. 2n dem noch nicht hinlänglich erregten Sinne für die Industrie bei den Münchnern, im Mangel an rohen fabriktauglichen Produkten und in dem Mangel an Wasser­ fracht suche ich die Haupthindernisse des Aufkommens und Allgemeinwerdens der Industrie. Indes hat sich in der neueren Zeit auch in dieser Hinsicht vieles gehoben. Nicht alle Gewerbe treiben ihre Arbeiten mehr handwerksmäßig, manches Gewerbe ist zur kleinen Fabrik geworden, manches ist noch höher gestiegen.

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