Zerbrochene Figur
| Name | Zerbrochene Figur |
|---|---|
| Stadtbezirk | 1. Altstadt-Lehel |
| Stadtbezirksteil | Graggenau |
| Straße | Hofgraben |
| Standort | Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege |
| Übergabe | 1996 |
| Suchbegriffe | Gussmodell Max-Joseph-Denkmal |
| Personen | Max I. Joseph König von Bayern |
| Künstler:innen | Lindenberg Erich, Rauch Christian Daniel |
Bei der „Zerbrochenen Figur“ von Erich Lindenberg (1996) handelt es sich um eine eindrucksvolle Rauminstallation im Treppenhaus des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in München. Das Kunstwerk thematisiert die Zerstörung und das Fragmentarische von Geschichte, indem es die erhaltenen, monumentalen Original-Gipsreste des Gussmodells für das Max-Joseph-Denkmal von Christian Daniel Rauch inszeniert.
Anstatt die beschädigten Teile historisierend zu rekonstruieren, machte Lindenberg das Fragmentarische selbst zum zentralen Gegenstand. Die gewaltigen Gipsstücke der einstigen königlichen Sitzstatue – die nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang im Depot lagerten – wurden in ihrer Unvollständigkeit im architektonischen Kontext der Alten Münze ausgestellt. Kopflose Torsi, hohle Faltenwürfe des Krönungsmantels und zerbrochene Gliedmaßen sind so platziert, dass sie wie archäologische Fundstücke einer untergegangenen Epoche wirken.
Lindenbergs Intervention bricht mit der klassischen Herrscherpanegyrik. Das Kunstwerk verbildlicht die Verwundbarkeit von Monumenten und transformiert das einstige Symbol königlicher Macht in ein tiefgründiges Memento mori der bayerischen Kunst- und Zeitgeschichte. Es fordert den Betrachter dazu auf, die Leerstellen der Geschichte gedanklich selbst auszufüllen, und verbindet das klassizistische Erbe des 19. Jahrhunderts meisterhaft mit der konzeptuellen Kunst der Moderne.
