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Podcast

Die Kindsmarter. 1345

Reihe: Münchner Stadtbuch

Staffel 1· Folge 20 · 01:02

Im Jahr 1345 wurde in München ein totes Knäblein gefunden, dessen Körper zahlreiche Verletzungen aufwies. Die Umstände seines Todes konnten nicht aufgeklärt werden. Dennoch verbreitete sich unter der Bevölkerung schnell das Gerücht, das Kind sei von Juden getötet worden – eine Anschuldigung, die typisch für die sogenannten „Ritualmordlegenden“ des Mittelalters war.

Diese unbegründeten Vorwürfe führten zu großer öffentlicher Erregung. Das Kind wurde in einer Prozession bestattet, und an der Fundstelle errichtete man eine Kapelle, die bald zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort wurde. Händler und Schaulustige strömten herbei, und es entwickelte sich eine Art religiös geprägter Massenandrang.

Kaiser Ludwig griff schließlich ein, da er den entstehenden Kult und die damit verbundenen Auswüchse als problematisch ansah. Er ließ die Kapelle wieder beseitigen und beendete so die Verehrung an diesem Ort.

Aus heutiger Sicht wird deutlich, dass es sich bei den damaligen Anschuldigungen um haltlose und diskriminierende Vorurteile handelte, wie sie im Mittelalter leider häufig gegenüber jüdischen Gemeinden verbreitet waren.