Georg Ritter von Orterer
| Geboren | 30.10.1849 [Wörth bei Erding] |
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| Gestorben | 5.10.1916 |
Georg Orterer, seit 1901 Ritter von Orterer (* 30. Oktober 1849 in Wörth bei Erding; † 5. Oktober 1916 in München) war ein bayerischer Gymnasialdirektor und Politiker der Zentrumspartei (MdR und MdL). Er war Präsident der Kammer der Abgeordneten im Bayerischen Landtag.
Orterer, der heute weithin vergessen ist, war zu Lebzeiten eine bedeutende und umstrittene Persönlichkeit. Als profilierter Zentrumsparlamentarier genoss er in den eigenen Reihen höchste Anerkennung, was sich in der zentrumsnahen Presse (z. B. Augsburger Postzeitung, Bayerischer Kurier, Ingolstädter Zeitung) widerspiegelte. Bekannt sind auch die rühmenden Bemerkungen Karl Bachems, der Orterer den „geistigen Führer der Fraktion“ [5] nannte, und Georg von Hertlings, für den er „nicht nur der einzige politische Kopf aus der ganzen Gesellschaft, sondern auch der beste Redner und Debatteur“ war. Von der gegnerischen Presse wurde Orterer massiv und oftmals sehr persönlich angegriffen (v. a. Münchner Neueste Nachrichten). Der im eigenen Lager gerühmte Redner wurde mit den Spottnamen „Dr. Worterer“ oder auch „Seine Eloquenz“ bedacht. Als katholisch-konservatives Feindbild und Symbol für den zunehmenden Einfluss der Zentrumspartei in Bayern tritt Orterer insbesondere in den Texten und Karikaturen der Zeitschriften Jugend und Simplicissimus hervor. In letzterer erschienen auch jene Texte, die Orterer bis heute eine gewisse Bekanntheit sichern: die Filser-Briefe Ludwig Thomas. Hier erscheint „inser gelibder und hochwierninger Bresadent Orderer“ als arroganter, bigotter und schulmeisterlicher Mensch. Diese Diffamierungen Orterers, in denen reale Charaktereigenschaften überzeichnet werden, ändern jedoch nichts an der hohen Anerkennung, die er für seine unparteiische Amtsführung als Kammerpräsident parteiübergreifend erhielt. Dass er 1889 in einer Randbemerkung Wilhelms II. als „Schaafskopf“ mit „dümmlichen Ansichten“, der „Blödsinn“ rede, bezeichnet wird, sollte man heute eher als Auszeichnung verstehen.