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Wilhelm Karl, Herzog von Urach

Haus: Urach

* 27.09.1897 (Stuttgart) – † 08.08.1957 (München) · Waldfriedhof

Wilhelm Karl

Kinder

Keine Kinder erfasst
Herzog Wilhelm Karl von Urach (amtlich Wilhelm Fürst von Urach, Graf von Württemberg) war eine politisch hochrelevante Figur an der Schnittstelle zwischen dem deutschen Kaiserreich und den nationalen Unabhängigkeitsbestrebungen Osteuropas. Als Oberhaupt der katholischen Nebenlinie des Hauses Württemberg und Sohn von Herzog Wilhelm von Urach sowie der bayerischen Prinzessin Florestine von Monaco war er dynastisch weitreichend vernetzt.

Seine historische Bedeutung für den bayerischen Stammbaum ist zweifach: Einerseits durch seine Mutter und andererseits durch seine erste Ehe mit Herzogin Amalie Marie in Bayern, einer Tochter von Herzog Karl Theodor. Diese Verbindung festigte die Allianz zwischen den Häusern Urach und Wittelsbach.

Politische und militärische Laufbahn
Wilhelm schlug eine klassische württembergische Militärkarriere ein und kommandierte im Ersten Weltkrieg die 26. Division. Seine außergewöhnlichste historische Rolle spielte er jedoch im Jahr 1918:

König von Litauen: Im Zuge der deutschen Ostpolitik wurde er vom litauischen Landesrat zum König von Litauen gewählt. Er sollte als Mindaugas II. regieren.

Scheitern des Projekts: Aufgrund des Widerstands der deutschen Reichsleitung (die eine Angliederung an Preußen oder Sachsen bevorzugte) und der baldigen Kriegsniederlage Deutschlands trat er das Amt nie praktisch an. Die Wahl wurde im November 1918 widerrufen.

Privatleben und Erbe
Nach dem Tod seiner ersten Frau Amalie Marie (1912) heiratete er 1924 Prinzessin Wiltrud von Bayern, eine Tochter von König Ludwig III., was seine Bindung zum bayerischen Königshaus weiter vertiefte. Wilhelm galt als hochgebildeter Mann mit großem Interesse an Geschichte und Kunst. Er lebte vorwiegend auf Schloss Lichtenstein in Württemberg.

Sein Lebensweg illustriert die Versuche des deutschen Adels, im Schatten des Ersten Weltkriegs neue europäische Thronfolgen zu begründen, sowie die engen, konfessionell geprägten Bande zwischen den katholischen Linien der Württemberger und Wittelsbacher.