Friedrich I. Kurfürst von der Pfalz

Friedrich I. der Siegreiche, Kurfürst von der Pfalz

Haus: Wittelsbach Linie: Pfalz-Heidelberg

* 01.08.1425 (Heidelberg) – † 12.12.1476 (Heidelberg) Heidelberg /Jesuitenkirche

Ehen:
1. 18.08.1459 · mit Clara Tott
Friedrich I.
Friedrich der Siegreiche
Friedrich der Siegreiche
Schwanthaler Ludwig von · 1837
Residenz
Herrscher 1451–1476
1451–1476 Pfalzgraf und Kurfürst von der Pfalz
Eltern

Kinder

Friedrich I., der aufgrund seiner kriegerischen Erfolge und seines entschlossenen Auftretens den Beinamen „der Siegreiche“ erhielt, ist eine der markantesten und zugleich umstrittensten Gestalten des Hauses Wittelsbach im 15. Jahrhundert. Als Mitglied der pfälzischen Linie der Dynastie prägte er die Politik des Heiligen Römischen Reiches maßgeblich durch militärisches Geschick und eine kluge, wenn auch oft rücksichtslose Machtpolitik.

Besondere Bedeutung für die Familiengeschichte erlangte er durch einen ungewöhnlichen dynastischen Schritt: Um die Handlungsfähigkeit der Kurpfalz zu sichern, übernahm er die Herrschaft anstelle seines minderjährigen Neffen, wobei er auf eine standesgemäße Ehe verzichtete, um keine legitimen Erben zu zeugen, die den Thronanspruch des Neffen hätten gefährden können. Diese Entscheidung unterstrich sein tiefes Verantwortungsbewusstsein für den Erhalt des pfälzischen Territoriums. Dennoch führte er eine Lebensgemeinschaft mit der Augsburgerin Clara Tott, die er in einer morganatischen Ehe verband. Die daraus hervorgegangene Linie der Grafen von Löwenstein-Wertheim zeugt bis heute von dieser Verbindung, die am strengen Hofe seinerzeit für erhebliches Aufsehen sorgte.

Friedrich wird oft als Prototyp des Renaissancefürsten wahrgenommen, der die Bildung und das Universitätswesen förderte, gleichzeitig aber als gefürchteter Heerführer seine Gegner in die Schranken wies. Er festigte die Vormachtstellung der Wittelsbacher im süddeutschen Raum und schuf durch seine Siege eine Phase relativer Stabilität für seine Lande. Seine Biografie verdeutlicht die Spannungsfelder zwischen dynastischer Pflicht, persönlichem Glück und dem unbedingten Willen zur Macht, die das spätmittelalterliche Herrscherhaus kennzeichneten. Als Förderer der Wissenschaft und Kunst hinterließ er ein Erbe, das die kulturelle Identität der pfälzischen Gebiete und deren Ausstrahlung auf Bayern nachhaltig prägte.
Häutle – Genealogie der Wittelsbacher (1870)

Friedrich I. Regiert vom 13. Aug. 1449 als Vormund seines Neffen Philipp und vom 6. Septbr. 1451 an als wirklicher Kurfürst1) bis zu seinem Tode (12. Dez. 1476). Beinamen: Bellator Victor Victoriosus; der Herzhafte der Kriegerische der Siegreiche; der böse und tolle Fritz; der Trutzkaiser; der deutsche Hektor etc.;

geb. in Heidelberg am 1. Aug. 1425;

verl. in Landshut am 10. Febr. 1427 mit Elisabethe, Tochter Herz. Heinrich des Reichen;

gest. in Heidelberg am 12. Dez. 1476;

begr. daselbst im Franziskaner-(Baarfüsser-) Kloster in der von ihm dort gestifteten neuen Kapelle. (Ehern. Denkmal mit Inschrift.) — Nach Zerstörung seines prächtigen Grabmals durch die Franzosen 1689 wurden Friedrich’s Gebeine am 19. Aug. 1696 in die Kapuziner-Kirche zu St. Maria Magd, transf. (Inschrift daselbst.)

Kurfürst Friedrich I hatte sich am 18. Aug. 1459 morganatisch mit dem herzogl. bayer. Hof-Fräulein Klara Tettin (Dettin), Tochter Christoph’s Tettin von Augsburg vermählt, welche nach 1490 starb. — Durch Klara wurde er der Ahnherr des gräfl. u. fürstl. Hauses Löwenstein-Wertheim.

NB. Schl. Gall. Bild Friedrich's I von B. Beham N. 378. Ein Portr. des Kurfüsten von Albr. Altdorfer, einem Schüler Albr. Dürer’s hängt im Aufgange zur Renaissance des b. Nat. Mus. und ein zweites von unbek. Hand im Saale I der Ren. Dazu kommt die vergoldete Kolossal-Statue im Münchener Thronsaale.