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Der links im Bilde stehende Angerthorthurm gehört der Zeit der Stadterweiterung durch Kaiser Ludwig an, wird bereits 1319 urkundlich genannt und bald nach Aufnahme unsers Bildes abgebrochen. Die beiden äußeren Rundthürme wurden 1398 erbaut und verschwanden erst vor ein paar Jahren. Der hier überbrückte Stadtgraben wurde 1830 beim Bau der Schrannenhalle eingefüllt, während ein Theil der zum alten Schifferthor führenden Stadtmauer noch heute steht. — Von dem Anlass zum Abschließen dieses meist „Angerthörl“ genannten Stadtthores ist schon an einem anderen Orte die Rede gewesen. Alle Erleichterung des Verkehrs für diese Partie der Stadt blieb bis zur Wiedereröffnung im Jahre 1808 sichtbar abgeschnitten. Eine harte Strafe für die Nachkommen der Bewohner jenes Stadttheils, die in ihrer Mehrzahl Gewerbtreibende, wohl der demokratischen Partei angehört haben mögen, die mit den Ingolstädter Herzogen gemeinsame Sache gemacht hatten, denen es durch ihren freundlichen Verkehr mit den Bürgern Münchens gelungen war, sich bei diesen ganz besonders beliebt zu machen. Noch im Jahre 1805 war es „eine verlaßene Gegend der Stadt, an welcher Enten und Hühner auf dem an die Stadtmauer hingeworfenen Miste ihr Wesen treiben. Vielleicht wird diese Stadtmauer einst verkürzt um dieser Gegend mehr Luft zu verschaffen.“ Nun ist das geschehen, aber immer zeigt sich in jenem Stadttheil der Verkehr schwächer als anderwärts. Rechts im Bilde sieht man die Stadtmauer gegen das Sendlingerthor entlang den hölzernen Wehrgang ziehen, von dem aus die Vertheidiger der Stadt die angreifenden Feinde bekämpften.
Das Innere des Thores wurde um 1805 zum Auslassen des Unschlittes benützt und waren zu diesem Zwecke darin drei Kessel angebracht, deren zwei auf der unteren Abtheilung des Blattes zu sehen sind.

Das ausgelassene Unschlitt ward in hölzerne Brenteln gegossen, deren jedes 80 bis 90 Pfund Unschlitt enthielt. Der Unschlittauslasser ward mit seinen Gehilfen während der Arbeit von den Metzgern in Kost und Trunk unterhalten und hatte noch für jedes Brentel 5 kr. (9 Pf.) Lohn.