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Sagen & Geschichten

Blatt 7

„Gegenwärtiger Kupferstich stellt die Häuser Nr. 86, 87 und 88 auf dem Platz Petri" (nun Marienplatz) „vor." Heute sind selbe mit den Haus-Nummern 25—27 bezeichnet. Selbe schließen sich unmittelbar an die auf Blatt 3 abgebildeten an.

Unter den Eigenthümern des Hauses Nr. 86 (nun 25) finden wir 1500 den Pfleger Hans Keuerl; 1639 den kurfürstlichen Kämmerer, Kriegsrath, dann Oberst und Pfleger zu Natternberg, Hans Christoph Freiherrn von Ruepp; 1647 den kurfürstlichen Truchseß Hans Georg von Kuehtorf; 1659—1720 Handelsleute Namens Hoeger, darunter der Letzte Anton Benno Hoeger von Kenzing, kurfürstlicher Rath; 1730 den Reichsgrafen Jos. Ig. Sal. von Törring auf Jettenbach; 1778 hielt Johann Pechtheller dort eine Weinwirthschaft. Das Haus gehört jetzt dem Nadlermeister Herrn Franz Xav. Riederer.

Das Haus Nr. 87 ist noch heute als das sogenannte Ibel-Haus bekannt und befand sich seit 1801 im Besitze der v. Klaeber'schen Familie. Jetzt hat es die Haus-Nummer 23 und gehört dem Bankier Herrn Franz Ruederer. Zu Anfang des XVI. Jahrhunderts gehörte es der oben genannten Familie Ruepp; 1589 dem herzogl. Ferdinand'schen Rath, Hof- und Stallmeister Wilhelm Lew, der bei den Franziskanern begraben wurde; 1600 kam es an Hans Wilhelm Freiherrn von Rechberg von Hohenrechberg; darauf an Hans Georg von Tullier, Freiherrn von Frohberg; 1626 an den kurfürstlichen Hofrath und Mundschenk Michael Ferdinand Blarer von Martensee und Kopfsburg; 1628 an die Frau Nothhaftin Freifrau von Weißenstein, geb. von Kammerlohr; hierauf an die Berchem; 1756 an Baptist Ibel, einen wegen seiner Geschäftstüchtigkeit und Jovialität gleich geachteten Handelsmann und 1801 an dessen Geschäftsnachfolger Alexander von Klaeber. Das Tabakgeschäft in diesem Hause war schon 1805 ein stark gesuchtes.

Das Haus Nr. 88 — nun Nr. 26 und Eigenthum des Gastwirthes Herrn Ludwig Pimsner — gehörte i. J. 1531 dem Rathherrn Georg Ruepp, 1629 einer Frau von Hohenburg, geb. Altershammerin; 1737 erwarb es der kurfürstliche Hofkammer- und Landschafts-Sekretär Thaddäus Anton Reisinger, „der die schöne in Eisen hängende Stiege, die ebenso schöne Galerie und die hohe Kuppel erbaute, welche die ganze Stiege genügend erhellt." Von ihm kam es an einen freiresignirten Posthalter Math. Reisinger aus Engieth in Siebenbürgen.

„In der unteren Hälfte des Kupferstiches ist der Verkauf der Tölzer Waare vorgestellt, wie solcher alle Quatember auf dem Platze allhier geschieht. Diese aus Fichtenholz verfertigten und mit Oelfarbe, Blumen und geistlichen Gegenständen angemalten Möbel werden in Tölz von 7 Kistlermeistern verfertigt, und alle Quatember, so wie zu jeder Dultzeit auf Flößen auf der Isar bis hieher gebracht, sofort von der Lende auf der Achse in die Stadt geführt. Sie sind meistens die Möbel der Bauern in hiesiger Gegend, der Domestiken und geringeren Bewohner in der Stadt. — Eine solche 2-schläfrige Bettstatt kostet zum Beispiel 5 fl., ein Stuhl 20 kr., eine Truhe 2 fl., ein Schemel 8 kr. — 12 kr., ein Tisch 12 kr., dann eine Kommod und Kleiderkasten 2 — 3 — 5 fl."

Nachmals wurde der Verkauf dieser Tölzer Waare auf den Max-Joseph- und später auf die linke Seite des Karlsplatzes verlegt, wo er noch in den Fünfziger Jahren stattfand. Damals hatte wohl noch Niemand auch die leiseste Ahnung davon, dass es sich hier um lebendig erhaltene Traditionen aus der romanischen Kunstperiode handle, welche den Hausrath bunt mit Blumen und anderen Motiven zu bemalen pflegte. Das kundige Auge aber erkundet noch heute in den mit den grellsten Farben durchgeführten Dekorationen auf vorwiegend blauem Grunde unzweifelhaft romanische Gestaltung, wie in ähnlicher Weise auf den phantastischen Verzierungen unsers Kleinzeuges.