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Sagen & Geschichten

Zehntes Kapitel

Die Stadt in Waffen

Die alten deutschen Städte treten uns überall als meist in der Ebene gelagerte große Burgen vor Augen. So sagt Sebastian Münster, der Geograph der Reformationszeit, in seiner herausgegebenen, nachmals vierundzwanzig Mal aufgelegten und 1567 in’s Deutsche übersetzten Cosmographia Universalis: „Die stett im Teütschen land seind gemeinlichen wol bewert von Natur oder Kunst, dann sie seind fast zu den tieffen wassern gesetzt, oder an die berg gegrundfestet, vnnd die auf der freyen ebene liegen, seind mit starken mauren, mit graben, bollwercken, thürnen, schütten vnd anderen Gewehr umbfaßt, das man jnen nit bald kan zu kommen.“

Die wenigen Häuser der Burg wurden hier zu mehreren und schoben sich massenweise aneinander; der Pallas ward zum Rathhaus, die Burgkapelle zur hochemporstrebenden Kirche. Auch die Befestigungen waren im Wesentlichen dieselben, wenn sie auf ihrem weiteren Umkreis auch von mehreren Thürmen und Thoren unterbrochen wurden.

In demselben Maße, in welchem Kaiserthum und Ritterthum mehr und mehr sanken, in dem stiegen Fürsten- und Bürgerthum mehr und mehr. Namentlich aber waren es die Städte, welche Stützen einer neuen Ordnung wurden, und die Städter wußten das recht wohl. Sie erkannten es als für sich und Andere förderlich und bauten auf ihrem Boden ebenso fleißig, als sie des Erwerbes froh und sicher waren. Und so drängte sich denn Alles in die Städte, wo es ihres mächtigen Schutzes sicher war; auch die Ritter blieben nicht draußen und brachten von ihren Sitten und Gebräuchen Manches mit in die Stadt, was den Bürgern so wohlgefiel, daß sie es sich aneigneten. So war diesen bald der Fechtboden und das Ringen und Schirmen, das Baden und Jagen und Tanzen und Bolzenschießen nicht mehr fremd.

Und weil die Fürsten sich meist wenig aufs Sparen verstanden, so ward es ihnen oft sauer genug, Knechte zu bezahlen, mit deren Hilfe sie sich ihrer Feinde erwehren konnten, und sie sahen den kriegerischen Sinn der wohlhabenden Bürger nicht ungerne, der ihnen in ihren endlosen Fehden zu Hilfe kam und sich durch mancherlei Freiheiten und Gerechtsame bezahlt machte, die er sich zum Dank dafür verleihen ließ. Freilich kam es bisweilen auch vor, daß die Bürger mit ihren eigenen Landesfürsten in offener Fehde lagen und dann das Kriegsglück launisch zwischen Beiden hin und her schwankte.

So auch in München.

Schon im XIV. Jahrhundert finden wir die Bürger der Stadt militärisch organisirt. Was Waffen tragen konnte, war verpflichtet, sie zum Schutze der Stadt zu tragen. Und wie das Gewerbe die eigentliche Grundlage des Bürgerthums, so bildeten die Zünfte wieder den Kern der bewaffneten Macht der Stadt. In München aber waren die Bürger, sagt man, ihre Söhne und Gesellen nicht wie das anderwärts oft der Fall war, nach den verschiedenen Zünften, sondern der uralten politischen Eintheilung der Stadt entsprechend, nach den vier Vierteln der Stadt eingetheilt und bildeten ebenso viele Fähnlein unter je einem Hauptmanne. Diese Eintheilung, welche auch die Genossen desselben Gewerbes in vier verschiedene Fähnlein vertheilte, macht es freilich schwer begreiflich, wie sich bei verschiedenen Gelegenheiten die Zünfte der Bäcker, Schlachtgewandter, Schuhmacher rc. hervorthun konnten. Uebrigens bestanden die bewaffneten Bürger theils aus Fußvolk, theils aus Reitern. In Folge Alters oder Bresthaftigkeit waffenunfähige Bürger aber hatten gewisse Beträge an die Stadtkammer zu entrichten, welche zur Anschaffung von Waffen verwendet wurden.

Wir haben bereits früher gehört, daß im Muggenthalerthurm die Armbrusten der Stadt aufbewahrt wurden und daß dieselbe schon im XIV. Jahrhundert am Frauenfreithof ein Zeughaus besaß und im folgenden ein neues auf dem Anger erbaute, in welchem sie die Büchsen hinterlegte. Da lagen in langen Reihen Kanonen von größtem Kaliber und mit mancherlei Namen: Karthaunen, Falkaunen, Falkonette, Nothschlangen, Feldschlangen rc. Darunter eine Kanone, die war ein Werk Hans des Orgelmeisters von 1445 und wog 15 Zentner und 55 Pfund; dann die „Stachlerin“, die vierthalb Zentner schwere Kugeln schoß; ferner der „Böcker“, der solche im Gewicht von 2 Zentnern schoß; der Schirmbüchse nicht zu vergessen, die über 7 Zentner wog. Außerdem gab’s im Zeughaus am Anger an 100 verschiedene Büchsen samt dazu gehöriger Munition, dann große Steinschleudern, viele hundert Fußeisen, die in den Stadtgräben gelegt wurden, wenn der Feind anrückte, und Anderes mehr.

Die wackeren Münchener hatten ja oft genug für die Freiheit und die Interessen ihrer Stadt zu kämpfen, wie in zahllosen Fehden mit dem auswärtigen Adel, z. B. dem Rindsmaul, dem Schenk von Geyern, den Mandorfern, dem von Oetting und von Seckendorf, dem Auer, dem Nothaft, dem Pappenheimer, dem Eygker und Anderen, die der Stadt abgesagt, weil sie mit einzelnen Bewohnern derselben, mit dem Rath oder mit den in München wohnenden Herzögen in Streit und Hader gerathen waren. Letzteres geschah namentlich öfter deshalb, weil die Herzöge bei diesem oder jenem Ritter Schulden gemacht und sie nun nicht zahlen wollten oder konnten, wofür dann die Stadt büßen musste. Die hatte dann ihre liebe Noth damit, ihre in Geschäften verreisten Bürger vor den Adeligen zu schützen, die ihnen auslauerten und sie ausplünderten oder gar in die Verließe ihrer Burgen warfen. Bald schickte sie selben bis in ferne Länder, ja selbst nach Venedig Boten nach, sie zu warnen, oder sie gab ihnen bewaffnetes Geleite mit auf den Weg oder erbat sich solches von Dritten.

Manchesmal gewannen diese Fehden einen großen Umfang, so z. B. die mit dem Ritter Gebhart von Hohenkammer bei Schrobenhausen, der die Schulden nicht zahlen wollte, welche sein Vater bei einigen Münchener Bürgern gemacht. Dem brachen die Münchener seine Veste Schaumburg bei Murnau, nachdem sie fast ein Vierteljahr davor gelegen. Der Gebhart von Kammer aber ließ vier Jahre später durch Mordbrenner in München Feuer legen, das einen großen Theil der Stadt verzehrte.

Mit dem Ulrich Muracher zu Flügelsberg kamen die Münchener 1405 wegen einer Geldschuld ihrer Herzöge Ernst und Wilhelm in Fehde, in der die Münchener mit ihren Schützen und Kanonen vor des Murachers Burg Eggersberg zogen und sie zerstörten.

Großen Schaden aber nahm die Stadt in ihrer Fehde mit dem Ritter Hartl Ranninger zu Ranning bei Straubing, der ihr in Folge eines Streites mit dem Wilbrecht von München im Jahre 1455 abgesagt und Mordbrenner gegen sie ausgeschickt hatte. Die legten am 5. Mai in der Prandazz- (Pranners-) Gasse Feuer und dasselbe verzehrte die Promenadestraße, den Promenadeplatz und das Augustinerkloster sammt Kirche und viele Häuser an der Neuhauser- und Röhrenspecker- (nun Herzogspital-) Gasse dazu. Die Stadt kam erst zur Ruhe, als im Jahre 1458 Wilhelm von Rechberg den Ranninger im Schwäbischen gefangen nahm und in’s Gefängniß warf, wofür ihm die Münchener aus Dankbarkeit einen Jagdhund verehrten.

Die Münchener standen von jeher treu und fest zu ihren Fürsten. Deß enthält die Landesgeschichte manch’ glänzendes Beispiel. Ihre Theilnahme an den Schlachten bei Gammelsdorf am 9. November 1313 und bei Mühldorf am 28. September 1322 ist in Aller Mund. Aber auch sonst haben sich die Münchener auf dem Schlachtfelde mit Ruhm bedeckt.

Wenn die Schuhmacher der Stadt noch heut in ihrer Zunft-Standarte neben ihren Patronen Crispinus und Crispinianus auch das Münchener Kindl führen, so hat das seinen guten Grund. Herzog Rudolf, Ludwigs des Strengen Sohn, lag mit den Augsburgern in Streit und brach ihnen im Jahre 1295 mit Hilfe seiner braven Münchener die Burg Mergenthau an der Paar. Darob entbrannte ein blutiger Krieg und in einem der Gefechte — wo das war, davon hat man keine Kunde mehr — standen nur noch die Schuhmacher von München dem übermächtig andrängenden Feind gegenüber und entschieden so den Kampf zu Gunsten des Herzogs, der ihnen zum Dank dafür das Münchener Kindl in ihr Banner setzte. Daraus dürfte auch zu ersehen sein, daß die nachmaligen Zunft-Standarten ein Gedächtniß der früheren Streitbanner der Zünfte sind und die Bürgerwehr wohl nicht nach Stadtvierteln, sondern nach Zünften eingetheilt war, wie schon oben angedeutet worden.

Die Sage setzte später an die Stelle Herzogs Rudolf seinen Bruder, den nachmaligen Kaiser Ludwig, wie das alte Zunftbuch der Schuhmacher vom Jahre 1740 zeigt, worin Nachstehendes zu lesen:

„Folgt zu einer gedächtnuß des Handtwercks Freyhait des Paniers verzaichnet. Item ist es zu wißen, warum das Handtwerch der schuechmacher den münch fürent, wie die Stat an dem panir. Das ist wol wißentlich, daß bey ainem kayser dem got genadig sey, ain streitt gevochten ist worden. Da ging sein panir untter und alle panir, dann das der schuechmacher, das beleyb. Da ward der streitt unter gewannen und gehabt. Darumb begabt der kayser die schuechmacher von München mit dem Münch, das sye in fürpaß ewigklichen füren solen mit der stat. So stet in dem rotten puech geschrieben, das mein Herrn von ainem rat haben. Item meine Herrn vom ganzen Ratt haben geordnet zu dem umbgang vnsers Herrn fronleichnamstag, das die schuster und ir knecht soln gehn vor den kupferschmieden.“

Und eine andere Urkunde zeigt folgende alte Verse:

„Als sich zu Kaiser Ludwigszeit Erheben thet ein harter streit, Dermassen das in khürtzer stündt Alle Paner giengen zu gründt, Ausgenommen der Schuohmacher werth, Blieb aufrecht und gantz unuersert, Der seindt kain mie und vleis nit spart, Disem Fehndlein zuersetzet hart, Mit aller macht zu vntertreiben, standthafft thet es vor ihm beleiben, Mit hertzhafft manlicher handt — —— nach grossen widerstandt, — ritterlich sagen ob — Sig erhielten mit Preis und lob. von wegen dieser ritterlichen that Begabt Keiserliche Majestatt Die Schuechmacher Insonderhait mit einer ewigen Freyhait, Das sie dörfen on meniglicks Iren Den Münch in ihrem Paner furen, vnd den Schuechknechten weils so ihren Irn Maistern sein gestanden bei, Und dargestreckht Ir Leib und Leben hat Kaiserliche Majestät In geben Auch ain ewige Freyheit zwar, Das sy zu Alten Hof all Iar In der fürstlichen Kürch herrlich Iren Gottesdienst verrichten ehrlich, Ain ewiges liecht Prennen daneben. Solch Freyheit hat Kaiser Ludwig geben. Das ist geschehen offenbar, Als man nach Christi geburtt klar Zelt ain tausend zwaihundert jar, vnd Fünf vnd Neuntzig Iar und war.“

In der That hielten die Schuhmachergesellen ihren Jahrtag in der St. Lorenzkirche im Alten Hof, bis selbe im Jahre 1816 abgebrochen wurde.

Ueber das Handwerk der Schlachtgewandter oder Tuchmacher berichtet Baumgartner, selbes führe bei der Frohnleichnamsprozession keine Standarte, sondern eine lange fliegende Fahne, roth mit Gold, mit dem bayerischen Wappen, der Jahreszahl 1751 und auf beiden Seiten Engeln, die das Sanctissimum tragen. Sie werde von einem in grünen Atlas gekleideten Fähnrich getragen und von zwei Trabanten begleitet, die in rothen Atlas gekleidet sind. Der Fähnrich sei mit einem langen Schlachtdegen und einem Stilette, die Trabanten aber seien mit Hellebarten bewaffnet. „Die Tuchmacher behaupten diese Waffen, so wie dieß Recht von jener Zeit her führen zu dürfen, wo die Tuchmachergesellen, welche im Tuchmacher-Zwinger am Angerthörl arbeiteten, einen Herzog, der den Herzog von Baiern München überfallen wollte, gefangen nahmen. Sie besitzen auch von dieser Zeit her noch ein Flammenschwerdt nebst einem großen krummen Säbel an einer blausammtnen Scheide. — Das Faktum selbst konnte ich in der Geschichte nicht auffinden; doch ist gewiß, daß die Fahne und Atlaskleidung dieser Zunft aus der fürstlichen Hauskammerey angeschafft worden ist, welches doch ein Verdienst zum Grunde haben muß, welches sich dieselben um das regierende Haus erworben hat.“

Und es ist denn auch wirklich so, und die Sache verhielt sich folgendermaßen:

Wir haben an einer anderen Stelle gesehen, wie Herzog Ludwig der Gebartete von Ingolstadt sich an dem unseligen Aufruhr der Münchener Bürger von 1397 bis 1403 betheiligte. Nun begann er neue Streitigkeiten und in Folge derselben erklärten ihm die Münchener Herzöge Ernst und Wilhelm im Jahre 1421 den Krieg, in welchem die Münchener Ludwigs Schlösser Baierbrunn, Nannhofen, Lichtenberg und Schwaben eroberten und niederbrannten. Drauf zogen sie unter ihren Hauptleuten Hans Barth, Lorenz Schrenk, Franz Dichtl und Franz Püttrich vor Friedberg und erstürmten es, wobei ein Knecht Martin am Anger den langen Schwänkel des Teufelszagels — eine Kriegsmaschine — von der Mauer warf; dann schossen sie 300 steinerne Kugeln in die Stadt Wasserburg. Sie zu retten, beschloß Herzog Ludwig seine Vettern mittelst eines Handstreiches auf München gefangen zu nehmen und zog von Ingolstadt her. Gleichzeitig kam sein Hauptmann Hans Wessenacker mit einer auserlesenen Schaar von Starnberg herab und gedachte das Angerthor zu überrumpeln. Aber das bekam ihm übel genug, denn die Bürger empfingen ihn auf den Mauern mit einem Hagel von Bolzen und warfen ihn — die Schlachtgewandter an der Spitze — bei einem kräftigen Ausfall auf’s Hauptheer zurück.

Und als ein paar Tage später, am 22. September 1422 die Haupt-Heerhaufen zwischen Menzing und Pasing auf einander stießen, da waren es wieder die Münchener Schlachtgewandter, die durch ihre stürmische Tapferkeit die Schlacht entschieden, die nach Alling genannt wird. Die Tuchmacher aber eröffnen seitdem mit den dort eroberten Waffen die Frohnleichnamsprozession.

Zwölf Jahre vorher waren die Münchener mit den Herzögen Ernst und Wilhelm nach Tirol gezogen, um es ihnen wieder erobern zu helfen und hatten zwei Kanonen und auf zahlreichen festlich geschmückten Wägen nicht bloß mancherlei Proviant, sondern auch Kochgeräthe, Tisch- und Handtücher mitgenommen und sich vor die Schlösser Matzen, Freundsberg und Tratzberg gelegt, aber nach abgeschlossenem Waffenstillstand unverrichteter Dinge wieder heim ziehen müssen.

Nach dem blieben der Stadt wohl Fehden und Kriegszüge erspart, dafür aber traf sie ein noch weit größeres Unheil.

Kaum hatte der Krieg begonnen, der unser deutsches Vaterland dreißig Jahre verwüsten sollte, so ging Herzog Maximilian auch schon daran, die Stadt durch seinen Hofbaumeister Heinrich Schön nach den Grundsätzen der neuen Kriegskunst befestigen zu lassen und das Werk wurde mit Hilfe der Bürger rasch gefördert. Und als nun gar der Schwedenkönig auf deutschem Boden erschien, da schafften nicht bloß dreitausend städtische Arbeiter, sondern auch Frauen und Kinder der Bürger sechs Wochen lang Tag und Nacht an den Festungswerken, während alle waffenfähigen Bürger sich in den Waffen übten. Der Rath ließ die wichtigsten Briefe und Urkunden in zwei Fässer verpacken und diese von Ferdinand Ligsalz nach Salzburg bringen. Dagegen suchten zahlreiche Umwohner Zuflucht in der Stadt, darunter viele junge Bursche. Man gab ihnen Waffen und übte sie darin ein, verstärkte die Zahl der Vertheidiger auch noch durch die Landfahnen (die ausgedienten Soldaten) von Dachau und Wolfratshausen, verrammelte die Thore und machte alle Anstalten, dem Feind die Stirne zu bieten.

Das dauerte bis zum Abend des 8. Mai des Jahres 1632. Als zu dieser Zeit die Nachricht kam, daß Gustav Adolf vor Landshut stehe und gedroht habe, es niederzubrennen, sank den Münchenern der Muth und sie legten sich auf’s Bitten. Am 10. Mai trafen die beiden Bürgermeister Friedrich Ligsalz und Ferdinand Barth mit dem kurfürstlichen Rathe Johann Küttner von Künitz beim König in Freising ein und erhielten nach langem fußfälligen Bitten das Versprechen, die Stadt solle gegen 300,000 Thaler (900,000 fl.) Brandschatzung vor Brand und Plünderung verschont, die katholische Religion und die städtische Verfassung erhalten und aller Einwohner Leben und Privateigenthum unangetastet bleiben.

Zwei Tage später zogen die Schweden in die Stadt ein und entwaffneten die Bürger, wobei der Goldschmied und Fähnrich Ferdinand Tzaky seine Fahne mit Gefahr seines Lebens vor den Schweden rettete.

Ueber die Befestigungswerke der Stadt urtheilt übrigens der seiner Zeit berühmte französische Reisende de Moncony in seinem 1697 in deutscher Uebersetzung erschienenen großen Reisewerke nicht sonderlich günstig. „Diese hatt etwas niedrige Bastionen nur von Erde, so sind auch auff den Kurtinen keine Wälle, aber ringsherumb pallisaden von starcken pfählen gesetzt. Der Graben ist schmal und trocken, hinter den Kurtinen aber vor der Ringmauer ist noch ein Graben voll Wasser.“

Neues Unheil brachte über München der spanische Erbfolgekrieg.

Es war am 16. Mai 1705, als der österreichische Feldmarschall Graf von Gronsfeld an der Spitze einiger tausend Mann plötzlich vor der Stadt erschien und Geschütze gegen dieselbe aufführte. Die Münchener Bürger aber gedachten sich des Marschalls zu erwehren, verschlossen die Thore und erschienen auf den Wällen. Als indeß der Marschall die Stadt aufgefordert, eine Besatzung aufzunehmen, wogegen weder den Bürgern, noch den in der Stadt zurückgebliebenen kurfürstlichen Prinzen ein Leid geschehen solle, unterwarf sich die Stadt, die nun der Sitz der österreichischen Landesadministration ward und volle zehn Jahre blieb.

Und noch einmal öffnete München dem Feinde seine Thore; es waren die Oesterreicher, die im Verlaufe des für Bayern so unglücklichen österreichischen Erbfolgekrieges am 13. Februar 1742 einrückten.

In demselben Maße, in welchem das stehende Heer sich entwickelte, nahm die Bedeutung der Bürgerwehr oder Bürgermilitz, wie man sie damals nannte, ab und sank endlich zu einer bloßen Paradetruppe herab, welche für gewöhnlich keinen Wachdienst zu versehen hatten. Gleichwohl waren die Münchener auf ihre Bürgermiliz nicht wenig stolz. Sie bestand aus Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Das Infanterie-Regiment, etwa 1000 Mann stark, trug um 1782 blaue Röcke mit schwarzen Aufschlägen, gelbe Westen, schwarze Beinkleider und weiße Gamaschen mit gelben Knöpfen und als Waffen Degen und Flinte. Das 150 bis 200 Mann starke Artilleriekorps hatte goldbortirte Hüte, blaugraue Röcke und rothe Westen.

Den Glanzpunkt der Bürgermiliz aber bildete unbestritten die über 200 Mann starke Reiterkompagnie. Ein silberbortirter Hut, ein gelblederner Rock mit silbernen Borten und blausammtenen Aufschlägen, eine blaue Tuchweste und gelbe Beinkleider, ferner ein blausammtenes, ebenfalls mit Silberborten besetztes Bandelier, welches das Gewehr festhielt, und ein langer breiter Degen gaben dem Reiter ein gar stattliches Ansehen.

Weiter gab es bürgerliche Trabanten, welche bei besonderen Feierlichkeiten Dienst thaten, und eine Kompagnie Schaarwache in alter Rüstung, bestehend aus eisernem Brustharnisch, einer Pickelhaube, einem langen Schwert und einem noch längeren Spieß. Sie verrichtete gemeine Civil- dienste als Nachtwächter rc. (Jeder neu aufgenommene Bürger bekam sein Gewehr in’s Haus gebracht und während des Sommers wurden sämmtliche Mitglieder der Bürgermilizen abwechselnd an den Sonntagen in den Waffen geübt.)

Im oben genannten Jahre lagen in München drei Regimenter Infanterie sammt einer Eskadron Reiterei. Außerdem beherbergte die Stadt 13 Generale und Generallieutenants der Kavallerie, Generalmajors, 2 General-Leibadjutanten, die 281 Mann starke kurfürstliche Leibgarde der Hartschiere, die Schweizer- oder Trabanten-Leibgarde mit 299 Köpfen, den Hofkriegsrath, die Kommandantschaft, das Ingenieur- und Artilleriekorps sammt der kurfürstlichen Invaliden-Mannschaft, die damals 84 Mann zählte.

In jener Zeit geschah es auch, daß der Kriegsminister Graf Rumford in der bayerischen Armee eine neue Uniform einführte, und namentlich an die Stelle des bis dahin üblich gewesenen dreispitzigen Hutes das englische Casquet mit der Raupe von schwarzer Wolle und bei den Offizieren von Bärenfell setzte, eine Neuerung, die damals keineswegs allseitigen Beifall fand. Der „nationale“ bayerische Raupenhelm ist also englischen Ursprungs und noch nicht hundert Jahre alt.

Im Jahre 1803 gab es in München zwei Kommandantschaften, eine für die militärischen und eine andere für die bürgerlichen Gegenstände des Militärs und des Platzes, soweit sie sich auf hiesige Vorfälle bezogen. An beide mussten täglich alle Thoranzeigen und Rapporte Morgens und Abends, soweit sie dem Kurfürsten und der Polizeidirektion mitgetheilt wurden, eingeschickt werden. Das Leibregiment bezog die Wachen am Schwabingerthor und im Innern der Residenz, das Regiment Kurprinz die Hauptwache auf dem Schrannenplatz, die Kavallerie das Feuerpiket auf dem Anger und die Artillerie die Wachen des Zeughaus und des Zeughausthores.

Außerdem durchzog die Kavallerie patrouillenweise Tag und Nacht die Stadt und den englischen Garten im Interesse der öffentlichen Sicherheit und versah mit der übrigen Garnison nebenher die Kordonsdienste um München, wie sie damals im ganzen Lande eingeführt waren. Abends, früher oder später, je nach der Jahreszeit, wirbelte der Zapfenstreich und schmetterten die Trompeten zum Abzuge der Soldaten durch die Straßen der Stadt.

Jede Wachparade wurde von der „Musikbande“ des betreffenden Korps begleitet, welche auch an der Wache selber zwei oder drei Stücke spielte. An den Hoffesten aber oder bei anderen festlichen Anlässen, so wie in den Sommermonaten wurden von den Musikbanden der Infanterie-Regimenter auf dem Schrannenplatz und im Hofgarten unter großem Andrange des Publikums Musikstücke vorgetragen. Auch die Kirchenparaden fanden feierlich und in größter Gala statt.