Zum Inhalt springen
Menü

Sagen & Geschichten

Vom alten zum neuen München

Von Georg Jacob Wolf

Schwere Erschütterungen haben in Kriegs- und Nachkriegszeit die bayerische Landeshauptstadt München heimgesucht und den kulturellen Pulsschlag der früher allzeit heiteren und behäbigen Stadt verändert. Das Loch, das Aniversitätsprofessor Knapp im Jahre 1901 auf das gemütliche München ausbrachte, könnre heute nicht ohne Widerspruch bleiben, so sehr es damals zu Recht bestand und mit Stolz und Dank ausgenommen werden durfte. Vielleicht war diese einschneidende Veränderung, die sich nicht aus den politischen Verhältnissen allein ableiten läßt, eine biologische Notwendigkeit. Wie jedes Individuum ist eine Stadt in ihrem kulturellen Aufbau ein Wesen, das sich wechselvoll entwickelt und in dessen Werdegang die Zäsuren nicht nur verständlich, sondern sogar notwendig sind.

So entstand dieses Buch in der Absicht, einen Rechenschaftsbericht zu geben der Münchner Entwicklung im 19. Jahrhundert, vom Regierungsantritt des volkstümlichen Max Joseph, der Bayerns erster König wurde, bis in die Zeit des Prinzregenten Luitpold, da Münchens ältere Kultursprache verstummte, seine bürgerliche und künstlerische Lokalfarbe verblaßte und seine Eigenart einer gewissen Typisierung, wie sie dem ganzen Deutschland eigen war, erlag. Material für dieses Unternehmen war reichlich vorhanden. So reichlich, daß auf vieles verzichtet werden mußte, vieles nur angedeutet werden konnte.

Münchens düsterste Zeit, der Amsturz und die Räteregierung von 1919, hatten, wie von selbst, den Blick zurückgelenkt. Wir wollten wissen, wie das alles kommen konnte und kam, ob etwa ungeschriebene, dennoch aber erkennbare Gesetze dieser Entwicklung, die zunächst mehr als zwei Jahrzehnte hindurch nach abwärts wies, vorlagen.

Wenn bei diesem Unternehmen aus Raumnot auch manches wertvolle oder doch amüsante Dokument wegbleiben mußte, wird das Wesentliche trotzdem erreicht sein: aus dem bunten, mit Vergnügen an dem reichen, schönen Stoff zusammengesetzten Mosaik heben sich die Linien der Entwicklung heraus, die das geistige und gesellschaftliche Leben der Stadt im neunzehnten Jahrhundert nahm und nehmen mußte.

Karl Stieler hat einmal in Form eines Vortrages zu diesem Thema das Wort ergriffen und vorausgeschickt, es sei schon schwierig genug, ein bedeutsames Einzelleben in seiner schöpferischen Gestaltung darzulegen; die Schwierigkeit wüchse aber ins Angemessene, wenn es sich um eine Gesamtheit handle, um eine große historische Stadt, wo die Macht des Talentes, wo die Kraft der Widersprüche, wo die Fülle des Werdens einem vertausendfacht entgegentrete. Das trifft zu. Aber die Schwierigkeit wäre vollends unüberwindlich, wenn nicht von jeher ein ruhender (von anderem Gesichtspunkt aus betrachtet: allzusehr ruhender) Pol im Gesamtleben der Stadt dagewesen wäre: nämlich ihre bürgerliche Mittelschicht. Die blieb von kaum zu verstehender Entwicklungsarmut ein ganzes Jahrhundert hindurch. Nicht als ob es diesem sozialen Gefüge an Talent und Begabung gebrächeI Es fehlt ihm nicht an Einfällen, nicht an Lumor und prächtigen Charaktereigenschaften, aber es mangelt ihm die Initiative und Aktivität, die Lebhaftigkeit im Denken und in den Entschlüssen. Der Münchner Bürger, der als Landwerksmeister oder Kleinkaufmann, als kleiner Beamter oder Angestellter schlecht und recht sein täglich Brot erwirbt, ist, in den gleichen Jnteressenkreis gestellt und mit der gleichen Stimmung, im Jahre 1810 auf das erste Oktoberfest hinausgezogen, wie er im Jahre 1888 zur Zentenarfeier ging; er hat mit den gleichen Argumenten beim Ableben des Kurfürsten Karl Theodor partikulare Politik getrieben wie im Jahre 1866; das Bier hat ihm zur Biedermeierzeit im weiland „Grünen Baum" oder „Ketterl" genau so gut geschmeckt wie im Jahre 1900 auf dem Münchner Kindl-Keller, — und viel weiter als an Feste, Trinken und Partikularpolitik hat er, über seine persönlichen und familiären Angelegenheiten hinaus, in seiner Allgemeinheit kaum gedacht.

Die Mittelschicht der Stadt, das Kleinbürgertum, tritt aus diesen Gründen in unserem Alt-Münchner Kulturbild nicht auffallend hervor: sie bildet den Lintergrund, auf dem sich das Kulturleben der Stadt abspielt, doch wurde hier stets versucht, ihr Charakterbild so bunt als möglich aufzuzeigen. Die Lauptakteure dieses Spiels sind indes nur in Ausnahmefällen Einheimische gewesen, selten einmal tritt ein echter Münchner oder Altbayer in den Vordergrund: gelingt es aber einem, so ist er ein ganzer Mann, wie an dem Beispiel Lorenz Westenrieders, Karl Spihwegs, Franz von Kobells, Franz von Poccis, Lenbachs, Schleichs oder des ganz zum Münchner gewordenen Südbayern Max von Pettenkofer erkannt werden mag. Daß manche echte einheimische Begabung, die anderswo vielleicht überaus geschäht worden wäre, in München im Schatten stehen blieb, verkannt wurde und verkümmerte, ist gewiß; daran trägt eben der echt münchnerische Mangel an Initiative die Schuld. So kam es denn, daß die von den Fürsten berufenen Nichtbayern, von denen die meisten aus dem deutschen Norden kamen und schon um dieser Tatsache willen als die „Nordlichter" oder „Rein-g'schmeckten" bei der alteingesessenen Bevölkerung als die Lechte im Karpfenteich sehr unbeliebt waren, die Lauptrolle übernahmen in dem kulturgeschichtlichen Entwicklungsdrama der Stadt, das sich in fünf Akte einteilen läßt.

Diese Akte sind getragen von den Namen der vier ersten Könige Bayerns und des Prinzregenten. Anter Max dem Ersten, dem gutmütigen, schlauen und glücklichen Monarchen, dem in Montgelas ein schärferer Geist und tatenfreudigerer Mentor zur Seite steht, erwacht München aus der Erstarrung der verschlafenen Nokokoresidenz, um die sich die biedermeierliche Stadt der Bürger wie ein großes, nicht eben tatenfrohes altbayerisches Dorf ausbreitet, zur Wirksamkeit der Lauptstadt eines ansehnlichen Landes mit kulturellen Pflichten. Durch die Verbindung mit Napoleon gewinnt Bayer,: höhere politische Bedeutung, als es sie seit dem spanischen Erbfolgekrieg besessen. Die Säkularisation der Klöster und Stifter, die besonders die Physiognomie Münchens, einst ob seiner Kirchlichkeit das deutsche Rom genannt, gründlich ändert, bricht die Macht der reaktionären Kräfte. Die Berufungen an die Akademie geben geistige Anregungen. Land in Land damit geht die Protestantenbewegung. Die Tatsache, daß eine protestantische Königin den Thron mit Max dem Ersten teilt, bewirkt Toleranz, sie bringt Auffrischung des dumpfen Blutes. Aber noch ist das Ziel nicht klar zu erkennen; erst sind die Grundlagen geschaffen; der Lumus ist erst gelockert und die Saat geworfen: sie muß erst aufgehen.

Da tritt Ludwig der Erste auf den Plan. Er hatte schon als Kronprinz der Pflege der bildenden Kunst sich gewidmet und während seiner häufigen und langen Aufenthalte in Rom mit den Nazarenern Verbindung gesucht und gefunden. Nun ruft er ein goldenes Zeitalter der Künste herauf. In dem genialen Klenze, in Ziebland, Ohlmüller, Voit, in dem tüchtigen Gärtner sichert er sich die fähigsten Baukünstler seiner Zeit. Cornelius übernimmt die Leitung der Akademie und erzieht ein neues Geschlecht von Malern. Die Stadt aber dehnt sich und reckt sich. Allerwärts wird gebaut; die monumentale Ludwigstraße entsteht; Galerien und Sammlungen werden gegründet und in vorbildlichen Gehäusen vereinigt. Angewöhnliche Summen für damalige Verhältnisse werden in die Bauwerke gesteckt. Das meiste Geld fließt aus Ludwigs Privatschatulle, aber trotzdem murrt der Ar-Münchner. Seine Loffnung, daß der neue König, den die hochkatholische Partei für sich in Anspruch nimmt, mit den „Reing'schmeckten" reinen Tisch machen werde, sieht er nicht erfüllt. Im Gegenteil. Im Jahre 1826 verlegt der König die Aniversität von Landshut nach München und beruft hauptsächlich norddeutsche Lehrer, darunter die Besten ihres Faches, und fragt nicht lange, ob „Freigeister" unter ihnen sind. Münchens Anziehungskraft beginnt. Die marmorne Stadt, die in der rauhen, aber gesunden Luft der oberbayerischen Lochebene ein wenig fremd emporsteigt, zieht Neugierige an. Manche schäumen über vor Enthusiasmus, wenn sie die Stadt erleben. Andere spotten: Leinrich Leine an ihrer Spitze, der München nie begreifen konnte, und der es nicht liebte, weil es ihm nicht entgegenbrachte, was er sich erwartet hatte. Lebbel und Keller sind hier als Studenten; dem Dramatiker Lebbel schenkt die Stadt die Motive zu seinem bürgerlichen Trauerspiel, Keller verdankt ihr die schönsten Kapitel seines Jugendromans. Lebbel segnet die Stadt, als er von ihr wehen Lerzens gehen muß; Keller wirst ihr ein paar böse Worte hin, aber er ist eben ein Polterer, und so ernst ist's nicht gemeint.

Da tanzt eines Tages ein anderer Gast durch das Neuhauser Tor herein. Es ist eine bildschöne Abenteurerin, eine lockende Frau von buntester Vergangenheit: die Tänzerin Lola Montez. Der „Ar-Münchner" murrt schon wieder; er wird seiner Tradition untreu und wird ungemütlich, erhebt sich von der Bierbank und fegt brüsk den bunten Schmetterling weg, der seinem König die alten Tage verschönt. Joseph Ruederer, einer der wenigen aus dem bodenständigen Münchnertum hervorge-gangenen Poeten, hat in seiner Komödie „Morgenröte" den Gegensatz wirkungsvoll gestaltet: Lie Lola, die Lockende, Schillernde, Beschwingte — hie der „Ar-Münchner", schwer, derb, brav und reaktionär; zwischen beiden der König, das Opfer eines späten Liebestraumes, ein großer Mann, aber Spiel des Spottes, der mit seinem Schicksal leise an das Tragische streift.

Ludwig der Erste legt die Krone nieder. Er will nicht bloß Anterschreiber sein. Die spießige Münchner Revolution hat gesiegt. Der in seinen Charakterfarben bläßliche Maximilian der Zweite kommt ans Ruder. Er will Frieden haben mit seinem Volk. Er meint das nicht ganz so, wie es verstanden wurde. Denn er will den Frieden allererst für sich, um seine gelehrten Pläne, die durchaus enzyklopädisch oder, wie man auch sagen könnte, etwas amateurhaft-unfachmännisch sind, zu verwirklichen. Der Vater hatte über die Künstler seine Land gehalten, indem er ihre Wirksamkeit geschickt in die Kanäle der Öffentlichkeit leitete; er hatte durch sie München zur ersten Kunststadt Deutschlands erhoben. Der Sohn wünscht dem geistig-wissenschaftlichen Leben aufzuhelfen. Es ist die dritte Station auf dem Entwicklungsgang des Münchner Kulturlebens. Geibel, Leyse, Bodenstedt, Lingg und zahlreiche dii minorum gentium der Poesie zieht er an seinen Los. Die Aniversität und die mit neuen Attributen versehene Akademie der Wissenschaften werden in ihren Kräften gründlich aufgeftischt. In Liebig wird ein Gelehrter von Weltruf gewonnen. Auch das gesellige Leben der bis dahin wenig gastlichen Stadt erhält neue Impulse. Das Theater blüht auf; Dingelstedt veranstaltet das berühmte Gesamtgastspiel. Die Industrieausstellung wird eröffnet. And das alles im kurzen Zeitraum von sechs Jahren!

Da bricht die Cholera aus. Wie eine böse Vorbedeutung ist es. Der „Ar-Münchner" ist geneigt, darin den Finger Gottes zu erkennen. Die „Reing'schmeckten" sind ihm zu mächtig geworden. Sie haben den armen König, den Willensschwächen Mann, umgarnt. And der „Ar-Münchner" setzt dem König so lange zu, bis er den in Angnaden entläßt, der in gewissem Sinne der Schöpfer dieser neuen Fremdenkolonie war: Wilhelm von Dönniges. Die Schar zerstiebt. Einige freilich bleiben und werden Wahlmünchner im besten Sinne: Liebig und Leyse voran, auch Schack, der sich allerdings ein wenig im Hintergrund hält, aber in der von ihm gegründeten, allgemein zugänglichen Galerie den Münchner:: — unfreiwillig — ein kostbares Geschenk macht. Die verfeinerte, auf geistige Werte gestellte Gastlichkeit erfährt durch diese Wahlmünchner die höchstmögliche Steigerung.

Maximilian stirbt plötzlich, in besten Mannesjahren von seinen wissenschaftlichen Plänen, wie von seinen allzu nüchternen Symposien abberufen. Ein phantastischer, seinen Schwärmereien und dem Glauben an sein Gottesgnadentum hingegebener Jüngling nimmt das Zepter auf, das dem Vater entglitten. Der erste Ludwig hatte als erste königliche Regierungshandlung dem in der Glyptothek malenden Cornelius das Ritterkreuz seines Verdienstordens angehestet; der zweite Ludwig streckt, kaum König geworden, dem in der Brandung des Lebens versinkenden Richard Wagner die rettende Land hin und zieht ihn an seine Seite zum Thron hinauf. Da murrt der „Ar-Münchner" erneut und ruht nicht, bis er die „männliche Lola" vertrieben hat; wobei fteilich nicht zu verkennen ist, daß Wagner selbst und sein Klüngel an dem Sturz nicht unschuldig sind.

Richard Wagner mußte gehen, wenn Ludwig der Zweite wie sein Vater Frieden haben wollte mit seinem Volke. Aber diesmal grollt auch der König, und es wird Feindschaft gesetzt zwischen ihm und dem „Ar-Münchner". Der König verschwindet in den Einsamkeiten seiner Berge. Seine Melancholie steigt ins Angemessene. Wahnsinn packt ihn. Eine Verschwendungssucht sondergleichen nimmt von ihm Besitz. Er baut in pittoreske Wildnisse Märchenschlösser von unerhörtem Prunk, aber ohne Kunstwert: Amerikanerobjekte.

Inzwischen treibt das politische Leben Entscheidungen zu. Der Bruderkrieg von 1866 bringt Bayern tiefe Demütigungen; die siegreichen Bayernkämpfe im Jahre 1870 wetzen die Scharte aus. Eine Steigerung nationalen Empfindens greift Platz. Widerwillig, trotzdem nicht ohne Genugtuung, weil er seinen Vorteil darin erkennt, macht der „Ar-Münchner", der sich allmählich einer Mauserung unterzog, mit. Der König indessen bleibt seiner Lauptstadt fern. Man darf darin nicht nur ein persönliches Motiv erkennen, sondern muß es als Zeichen der Zeit hinnehmen: von: Monarchen gleitet die kulturelle Führung der Stadt in die Lände einer Vielheit. Die Kultur verbürgerlicht. And die Entwicklung geht noch einen Schritt weiter. Ganz anders als früher tritt der Mann des „vierten Standes", der in den Münchner Dokumenten bis zum Schluß des zweiten Drittels des Jahrhunderts nur als Staffage öffentlicher Aufzüge und höfischer Feste erschienen war, hervor als werdende Macht.

Am Pfingstmontag des Jahres 1886 beschließt der romantische König in den Fluten des Starnberger Sees sein unglückliches Leben. Eine ungeheure Bewegung braust durch die Stadt. Viele ahnen es: nun geht es mit Alt-München zu Ende.

Ein kurzer Schlußakt hebt an. Anter der Regentschaft des feinsinnigen Prinzen Luitpold erlebt das München des 19. Jahrhunderts eine Art Nachblüte des ludo-vizianischen Zeitalters. Der künstlerische Impressionismus findet hier eine Leimstätte; die erste „Sezession" geschieht in München. Am Michael Georg Conrad schart sich ein aufrechtes Fähnlein der Modernen in der Literatur. Die „Gesellschaft für modernes Leben" wird gegründet. Das Lofschauspiel tritt für Ibsens dramatische Tendenzkunst ein. Die neuzeitliche Musik findet gute Pflege. Am die Jahrhundertwende steigt auf der Bogenhausener Löhe das Prinzregententheater empor, in erster Linie der Kunst Wagners gewidmet. Da kann noch einmal jene Stimmung aufkommen, die damals die zahlreich entstehenden Münchner Romane und Novellen beherrscht: München leuchtete noch einmal, leuchtete wie ein Licht, das sich zur Neige senkt.

Schweres hob an. Daran ist nicht allein die Amsturzperiode des Vorfrühlings 1919, sind nicht nur die wirtschaftlichen Mißerfolge schuld. Mögen darüber dem Außenstehenden die Augen aufgegangen sein, daß das München, dem 1901 G. F. Knapp sein Loch widmete, nicht mehr ist; uns anderen, die wir Tag um Tag den kulturellen Pulsschlag der Münchnerstadt fühlen konnten, kam der Abstieg nicht überraschend. Wir wußten, daß das echte Münchnertum, zu dem die Mischung des von Ruederer so köstlich ironisierten „Ar-Münchners" und des „Reing'schmeckten" gehört, im Sterben lag seit langem. Das Kulturmünchnertum vertrug die Großstadtallüren nicht. Es konnte weder den Berlinismus in seiner Geselligkeit, noch die Industrie in seinem wirtschaftlichen Leben schlucken und verdauen. München ist seinem Wesen nach eine der Städte, die nicht Weltstädte werden dürfen, wenn sie sich auch noch so darnach sehnen. Es vertrug das Großstadttempo schlecht. Sobald man ihm seine Beschaulichkeit nahm, sobald die Lerrschaft in Kulturdingen einigen überlegenen Führern entglitt undSache einer unpersönlichen beamteten Allgemeinheit wurde, schlug für Alt-München die Scheidestunde.

Indessen steige in einem neuen, glücklicheren Deutschland ein neues München auf aus dem Trümmerfall des nationalen Anglücks, ein München, das die Zeichen der Zeit erkennt und unverzagt einer neuen Entwicklung, einem neuen Aufstieg entgegengeht. Auf diesem verheißungsvollen Weg, der wohl auch manchen Rückblick ermöglicht, wollen wir in alter Liebe und Treue sein Begleiter sein, wir, von denen jeder fühlt, wie es in Laushofers Gedicht „Der letzte Münchner" heißt:

Die beste Stadt! Seid glücklich hier! Doch wißt. Sie hat was in sich, das ganz eigen ist: Wer sie verläßt, der muß an Leimweh sterben!