Sagen & Geschichten
 

Münchner Sagen & Geschichten

Konrad Oettlinger. 1303

Mayer - Münchner Stadtbuch (1868)


Durch die Beseitigung des Otto Krondorfer war aber Friede und Eintracht zwischen dem pfalzgrafen Rudolph und seiner Mutter Mechtilde keineswegs hergestellt.

Rudolph hatte nämlich unglücklichen Krieg gegen Albrecht von Oesterreich, dem deutschen Könige, geführt und war in Folge dessen gezwungen, nicht nur dem Könige große Summen Geldes zu bezahlen, sondern auch seinen Bruder Ludwig, der nunmehr im neunzehnten Lebensjahre stand, Theil an der Mitherrschaft Bayerns zu geben. Ludwig wohnte nunmehr bei seiner Mutter Mechtilde, und diese, eine Frau männlich wissen Geistes, frommen Sinnes, dabei von strenger Rechtlichkeit und großer Sparsamkeit, übte fortwährend Einfluß auf ihren Sohn Ludwig, welcher nur wohlthätig auf das zerrüttete Bayern wirken konnte.

Darüber war in der Brust Rudoph´s große Erbitterung und Haß, und zwar um so mehr, als der Stolz 

seiner Mutter, welche sich in Öffentlichen Schriften stets nannte „des weiland großmächtigsten Kaisers und Königes Rudloph Tochter, und Schwester Albrechts, römischen Königes, Pfalzgräfin am Rhein und Herzogin in Bayern“, ihn beleidigte, er ihre ihm überlegene Klugheit fühlte, und sie außerdem für die Hauptursache seiner Unfälle hielt, da sie und sein Bruder Ludwig sich in dem unglücklichen Kriege mit König Albrecht auf des Letzteren Seite gestellt hatten. Er beschloß daher, durch einen Gewaltstreich sich des Zwanges seiner Mutter zu entledigen, und sie ausser Thätigkeit zu setzen. Dazu fand sich bald ein Vorwand und eine Veranlassung.

Die Frau Herzogin Mechtilde wohnte im Sommer des Jahres 1303 mit ihrem Sohne, dem jungen Herzog Ludwig auf dem Schloße Schiltberg bei Aichach. Bei ihr befand sich ihr Hofmeister und vertrauter Rath, der Ritter Konrad von Oettlingen, Burghauptmann zu Mühlhausen, dessen Burg an der Donau bei Pföring stand. Eines Tages erschien vor dem Schloße Schiltberg Kurt Schluder von München, Rentmeister und Rath der Pfalzgrafen mit bewaffneter Mannschaft. Herzogin Mechtilde und ihr Sohn Ludwig wurden aufgehoben und gefangen nach München gebracht, Konrad von Oettlingen aber in Ketten und Banden dahin geschleppt und in den Kerker geworfen. Das Schloß Schiltberg wurde von den Kriegsschaaren des Schluder rein ausgeplündert.

Um diese rohe Gewaltthat zu beschönigen, wurden der Herzogin Mechtilde nicht nur ihr Einfluß auf die Regierung des Landes und auf den jungen Herzog Ludwig, und strafbare Anschläge gegen den Pfalzgrafen Rudolph 

vorgeworfen, sondern der Letztere war untern Anleitung seines Rathes Kurt Schluder so gewissenlos, seine betagte Mutter zu beschuldigen, sie habe unerlaubte Vertraulichkeit mit ihrem Hofmeister Konrad von Oettlingen gepflogen.

Nach längerer Untersuchung der Sache, wozu auch der Herzog Otto von Niederbayern und der Bischof Enicho von Freising beigezogen waren, wurde ein Vergleich dahin geschlossen, daß die Herzogin Mechtilde allen Regierungsgeschäften ganz zu entsagen, alle Schlößer und Gebiete, deren Nutzung sie bisher genossen, zurückzugeben, und sich dagegen mit einem Jahresgehalte von tausend Pfund Münchener Pfenningen und mehreren Naturalbezügen von Wein und Käse zu begnügen habe, Die schlaue Fürstin, wohl einsehend, daß sie als Gefangene dem Drange der Umstände nachgeben müßte, und sich daher verzagt und ergeben stellend, willigte ein. Hierauf wurde sie aus dem Gefängnisse entlassen.

Allein ihre Freiheit fühlend, begab sie sich alsbald nach Nördlingen, wo ihr Bruder König Albrecht eben Hof hielt, und klagte demselben die von ihrem Sohne erlittene Mißhandlung. Der König mißbilligte das Verfahren, erklärte den Vertrag als einen erzwungenen für ungiltig, und zwang den Pfalzgrafen, ihr das Entrissene wieder zurückzubeben.

Pfalzgraf Rudolph aber, ergrimmt darüber, daß er durch seine Mütter überlistet worden war, und des Verdachtes, daß ihr hiezu von dem noch immer gefangen sitzenden Konrad Oettlinger Rath und Anleitung gegeben worden sei, ließ denselben ohne richterlichen Spruch im Juli 1303 im Kerker zu München enthaupten.

Ram Die Herzogin Mechtilde überlebte diese Schmach nicht lange. Sie starb, von Gram gebeugt, im Sommer 1304, und wurde neben der Asche ihres Gemahles, der Herzog Ludwig des Strengen zu Fürstenfeld begragen.

Kurt Schluder, darüber angeklagt, daß durch seine Verwaltung das Land in große Schuldenlast gerathen sei, ritt von München nach Nördlingen, um sich vor dem Könige Albrecht zu rechtfertigen. Auf dem Weg dahin wurde er von Kriegsleuten der Herzogin Mechtilde und ihres Sohnes, der Herzoges Ludwig, überfallen und todt gestochen.


 Oettlinger Konrad