Raff - So lang der alte Peter... (Seite 144)
Der heilige Gottesmann Emmeram gedachte gen Pannonien zu ziehen, um die Heiden allda zu bekehren. Auf dieser Reise rastete er am Hofe des Bayernfürften Theodo zu Regensburg; der bat ihn zu bleiben, da auch in seinem Lande die Gemüter noch vielfach heidnisch rauh und christlicher Unterweisung bedürftig seien. Der fromme Bischof blieb allda und lehrte die Heiden und bekehrte ihrer viele. Danach ergriff ihn große Sehnsucht, ins Land Italia zu pilgern und am Grabe der Apostelfürsten zu beten. Derweil aber hatte die Tochter des Herzogs, die schöne Uta, mit einem Ritter gespielt und ihren Kranz verloren; das mochte sie nicht lange verhehlen und war in großen Ängsten vor ihres Vaters Zorn und schwerer Strafe. Als nun Sankt Emmeram seine Wallfahrt angetreten hatte, ging sie zu ihrem Vater und klagte: der Bischof habe ihr die Ehre genommen — vermeinend, sie käme dadurch befferen Kaufes davon, und dem Entfernten vermöchte es nicht zu schaden. Etliche sagen: der fromme Mann selbst hätte, als sie sich weinend ihm anvertraut, ihr erlaubt, ihn zu verklagen, wenn sie damit ein milderes Gericht erlangen könnte.
In jedem Falle tat sie's und erwirkte, daß ihr nichts zu leid geschah. Aber ihr Bruder, Lambert geheißen, ward darob voll Zorns, noch mehr als ihr Vater, und saß eilends mit seinen Reisigen zu Pferde, um dem gleisnerischen Übeltäter nachzujagen. Sie ritten, was die Rosse vermochten; bei Helfendorf, unweit München, erreichten sie Sankt Emmeram, der friedlich seines Weges zog. Da warfen sie ihn zu Boden, richteten ihn mit ihren Schwertern grausam zu und ließen ihn verstümmelt als einen Sterbenden in seinem Blute liegen.
Es waren aber einige Landleute in der Nähe, die kamen herzu, als die Mörder davongebraust waren. Denen gebot Sankt Emmeram, sie sollten ihn auf einen Karren legen, davor zwei Ochsen gespannt wären; denn hier sei die Stätte nicht, da er sterben wollte. Also zogen die Ochsen den Karren bis gen Feldkirchen in der Gemeinde Aschheim; dort gab Sankt Emmeram den Geist auf, und alsbald standen die Ochsen still. Die Kunde davon verbreitete sich rasch; der entseelte Leib des Heiligen ward nach Aschheim gebracht und dort in der St. Peterökirche beigesetzt. Aber darnach regnete es vierzehn Tage lang ununterbrochen: das galt für ein Zeichen, daß dies die rechte Ruhestatt nicht sei. Nochmals wurde der Karren mit den Ochsen bespannt und der heilige Leichnam darauf gelegt, auf daß die Vorsehung ihn geleiten möchte. Da schritten die Ochsen mit ihrer Last bis an die Isar, nach Oberföhring, wo sie nicht mehr weiter konnten. Also ward St. Emmerams Leichnam auf dem Waster nach Regensburg in sein Bistum geführt, wo ihn Theodo, reuig ob der Tat seines Sohnes, mit großen Ehren bestatten ließ.
Zu Oberföhring jedoch, an der Stelle, wo das Ochsengespann zuletzt stehen geblieben, ward dem heil. Emmeram ein Kirchlein errichtet; und noch bis in die neuere Zeit — (jetzt ist es nicht mehr da) — wurde er dort von Alt und Jung verehrt-
*) Dies: »Außerhalb der Tore" bezieht sich natürlich auf Münchens alte Zeit. Die meisten der genannten Orte sind heute kn München eingemeindet.