Wolf - Ein Jahrhundert München (Seite 51)
Lorenz von Westenrieder berichtet über die Ausrufung des Königreichs Bayern:
1806. Den 1. Jänner (Mittwoch) um zehn Ahr wurde durch den Landesherold der Kurfürst Maximilian zum König von Bayern auf den Lauptplähen der Stadt ausgerufen. Der Äerold wurde von der bürgerlichen Kavallerie und ihren Trompetern, dann von Loftrompetern begleitet.
Nachmittags wurde von 3—4 Ahr in den Pfarrkirchen geläutet, und während dieser Stunde wurde auch mit Kanonen geschossen. Auf die Nacht wurde eine Beleuchtung augesagt, welche aber etwas ärmlich ausfiel, teils weil sie zu spät angesagt, teils weil mit der Ankündigung von der Ankunft französischer Truppen und sohin mit Einquartierung gedroht wurde.
Leute hing der Kaiser unserm Kronprinzen einen Degen um, mit den Worten: „Mein Sohn! Dieser Degen enthält feilte Kostbarkeit; allein mit diesem Degen habe ich in der Schlacht bei Austerlitz kommandiert. Erinnern Sie sich dessen und bedienen Sie sich desselben zur Verteidigung Ihrer Gerechtsanren und Ihres Vaterlandes".
Der Kronprinz Ludwig, späterer König Ludwig I., war geboren 1786, König seit 1825, dankte am 20. März 1848 ab, starb am 29. Februar 1868 zu Nizza. Aus seiner antisranzösischen Gesinnung und seiner Hoffnung auf eine Wiedergeburt Deutschlands hatte er nie ein Hehl gemacht. Daß der bayerische Kurfürst aus der Hand Napoleons die Königskrone erhielt, empfand er schmerzlich. Napoleon kannte die Gesinnung des Kronprinzen; desto beziehungöreicher sind die von Westenrieder überlieferten Worte.