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Sagen & Geschichten

Rings in der Altstadt

Die Münchner Sauerbacken

Raff - So lang der alte Peter... (Seite 109)

Die Münchner Sauerbacken

Anno 1322 fand auf der Vehenwiese zwischen Ampfing und Mühldorf die große Schlacht statt, die Kaiser Ludwig der Bayer Friedrich dem Schönen von Österreich abgewann. An diesem Ausgang soll der Sage nach den Münchner Bäckern ein besonderes Verdienst zustehen.

Als der tapfere Kaiser mitten im Getümmel kämpfte, stürzte, von Pfeilen durchbohrt, sein Pferd unter ihm und riß ihn mit zu Boden. Da stand er in großer Gefahr, von den ihn umringenden Österreichern gefangen zu werden. Solches ersahen die Münchner Bäckerknechte — zum Unterschied von den Zuckerbäckern auch Sauerbäcken geheißen — und eilten zum Beistand des Herrschers. Durch sie befreit, konnte der Kaiser an ein anderes Pferd gelangen und zu den Seinigen rückkehren. Zu Lohn und Angedenken solcher wackeren Tat gab Kaiser Ludwig der Bäckerbruderschaft, die „zu der Ehr unserer Lieben Frauen gegründet war", die Erlaubnis, auf ihrer Standarte den Reichsadler anzubringen ............„den sonst kein Handwerk führen darf, ob es gleich künstlich und scharf." Sie erhielten darüber einen eigenen Freibrief, zugleich als kaiserliches Geschenk ein Haus im Tal zu München neben der Hochbrücke. In diesem Bruderschaftshaus versammelten sich fortan die Bäcker. Auch diente das Haus nicht nur als Bäckerherberge, sondern der älteste Bäckerschießer von München, wenn er gebrechlich und arbeitsunfähig geworden war, fand jederzeit darin freie Unterkunft und Verpflegung. An dem Haus war außen ein Freskogemälde angebracht, das darstellte, wie Kaiser Ludwig den Bäckern den Freibrief übergibt. Darunter und zu beiden Seiten stand in Reimen der Ursprung des Hauses und was sich damit zugetragen, beschrieben. „Gott geb' dem Kaiser das ewig Leben, wünschen all Brüder und Schwestern eben" — ist der fromme Schlußwunsch der Beschenkten.

Leider sind die Malerei und die Verse im Laufe der Zeit zugrunde gegangen.

Eines alten Münchner Rechtsbrauches sei hier noch gedacht. Ein Bäcker, der schlechtes oder ungewichtiges Brot lieferte, verfiel der Strafe des „Schnellens" — d. h. er wurde mit Trommeln und Schergengeleite ans Wasier geführt und in einem Korb, der zwischen zwei Balken hing, in das Wasier geschleudert, jedoch gleich wieder herauSgezogen. Das geschah dreimal, wobei natürlich der Bestrafte zum Schaden noch den Hohn der zahlreichen Zuschauer zu tragen hatte. Der Ort der so benannten Bäckerschnelle befand sich bei der Roßschwemme hinter St. Peter an der südwestlichen Ecke des Viktualienmarktes, und der Brauch bestand bis zum Jahre 1810.