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Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 51

Titel
Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 51
Jahr
2026
Bildart
Kupferstich
Quelle Buch
Regnet - München in guter alter Zeit
Tags
Beschreibung

Erklärung der Kupferbeilage.

Die Kupferbeilage stellt die Häuser 103 und 104 am Färbergraben an derjenigen Seite vor, wo die Häuser an den Kanal angebaut sind. — Es ist bereits in dem Blatte Nro. VII. enthalten, daß die Grenzen der alten Stadt München an den dermal in Mitte der Stadt stehenden Thürmen, nämlich dem schönen, Laufthore, Raths- und Fürstenthurm herumlaufen sind. Der Kanal, welcher noch gegenwärtig existirt, bildete damals den Stadtgraben. — Dieser Canal läuft von dem Angerbache unferne dem Rosenbader im Rosenthale ein, läuft an dem Färbergraben, dem Augustinergäßl, der Schäfflergasse, dem Schrammengaßl und am Hofgraben vorbey, und ergießt sich unferne der Pfister in den dort vorbeifließenden Pfisterbach.

A. Das Schäfflerhaus Nro. 103. gehörte
(a.) ursprünglich dem Krämer Kaspar Christiani 1564, — von diesem kam es 1595 an Wolf Schendelter, Bürger, fürstl. Kapellenverwandten und Tenoristen, — 1612 an Benedict Strittl oder Hofgerichtsdollanten, — 1621 an Oswald Stadler, Gerichts- und Stadtprocurator, — 1627 an Hrn. Bernhard von Perliching, — 1629 an Jakob Juncker, fürstl. Trompeter, — 1637 an Hanns Schwarzlechner, Bürger und Schneider, — 1643 an Christoph Schad deto, — 1656 an Jakob Menzinger, churfürstl. Trabanten, — darauf an Franz Fäkl, Bürger und Kornmesser. — Von diesem kam es 1711 an Seb. Winkler, Bürger und Schäffler, — 1735 an Ulrich Ignaz Zenns deto, — 1765 an Florian Maier deto, — und 1784 an den gegenwärtigen Besitzer den bürgerl. Schäffler Niklas Koch.

(b.) An der Facade des Hauses ist ein Maria-Hilf-Bild gemalt. — Das Haus hat Retiraden, Keller, und eine Stiege, welche unten zu dem Kanale führt, und woselbst der Schäffler sein Reißholz nebenan kann. — Der Pumpbrunnen, welcher vormals im Hause war, ist verschüttet, weil der nahegelegene Canal einen solchen Brunnen immer mit faulen Feuchtigkeiten schwängern würde, und man muß das Trinkwasser auf der Hofstatt holen.

(c.) Im Hause wohnen der Schäffler Koch, Schneidermesiter Staufer, und der bürgerl. Stadtmusicant Alto Baudrexel, welcher nebst Xaver Demmel die Zitherstelle bey den bürgerl. Stadtmusicanten vertritt.

(d.) Diese Stadtmusicanten formieren sechs Compagnien. — Die
1te unter Peter Daubmann, wohnhaft im Althammer-Eck Nro. 157., spielt auf im großen Weingarten. — Die
2te unter Christoph Fröhlich, wohnhaft vor dem Carlsthor Nro. 4., spielt auf bey dem Weinwirth Wagner, und im Stachusgarten. — Die
3te unter obigem Alto Baudrexel, spielt auf in der Ach Noe. — Die 4te unter Thomas Schrott, wohnhaft auf der Hundskugel Nro. 178., spielt auf im schwarzen Adler, — die

5te unter Wolf Daubmann, wohnhaft in der Sendlingergaffe Nro. 306., spielt auf auf der Traunstube, und im Lämmelgarten, — und die
6te unter Xaver Demmel, wohnhaft im Thal Maria Nro. 103., spielt auf im Eberstadel vor dem Sendlingerthore.

Diese 6 Compagnien beschäftigen 42 bürgerl. Stadtmusikanten.

B. Das Schusterhaus Nro. 104. gehörte
(a.) 1530 dem bürgerl. Huterer Marx Leer, — von diesem kam es 1550 an Hanns Khol, — 1561 an Caspar Hechendorfer, bürgerl. Schneider, — 1621 an Veit Ulrich Jäger deto, — 1630 an Georg Ziechenaus deto, — 1659 an Georg Zwerger, bürgerl. Maurermeister, — 1676 an Johann Zwerger, bürgerl. Schuster, — darauf an Simon Reiminger deto, — 1732 an Georg Schellhorn deto, — 1754 an Mathias Hueder deto, — 1779 an Michel Haidbauer deto, — 1794 an Caspar Haidbauer deto, und 1802 an dessen Wittwe Anna Haidbauerin.

(b.) An der Facade des Hauses befindet sich ein hölzernes Altöttinger Bild. — Rechts ist gemalt der berühmte P. Dominicus a Jesu Maria, ein Karmelite, welcher Maximilian I. in die Prager Schlacht begleitete, und dessen Rathschlägen und geistiges Gegenwart man besonders den Sieg verdankt, welchen dieser Maximilian I. den 8ten Nov. 1620 gegen seinen nächsten Vetter, Friedrich V., Churfürsten von der Pfalz, und König in Böhmen bey dem weißen Berge nächst Prag erfochten hat (ein trauriger Zusammenfluß der Umstände, wo Sieg und Niederlage den Gesamthaufen Pfalzbayern gleich tiefe Wunden schlug). Obwohl dieser Sieg von dem bayerisch- und österreichischen Heere durch gemeinschaftliche Mitwirkung errungen worden war, so suchten doch die Generäle dieser beyden Armeen durch lateinische Druckschriften, welche unter der Hand unter das Publikum gebracht worden waren, einer dem andern die Obergenüge wieder an die Stirne zu verdunkeln. (Sieh Hallersteinens Geschichte von Bayern 3ten Theil S. 613.) — Im Hintergrunde des Dominicus Bildes an diesem Hause ist diese Bataille vorgestellt. (Ich habe es für unterrichtend gehalten, unten eine kleine Lebensbeschreibung dieses merkwürdigen Mannes beyzufügen.) — Neben dem Bilde hält eine Hand die Abbildung des Hauses selbst aus den Wolken mit der Unterschrift:

„Betrachts nur recht! es ist nicht dein,
Und mein wird’s in die Länge nicht seyn.“

Links ist das Bild M. Crescentiae Ord. S. Francisci. — Daneben hält eine andere Hand das Haus, wie es eben im Bauen begriffen ist, aus den Wolken heraus, mit der Unterschrift:

„Viel Unkosten und Verdruß
Gottes Segen wenden muß.“

(c.) Das Haus hat Retiraden, Keller, holt sein Trinkwasser auf der Hofstatt, und hat gleichfalls eine Stiege in den Kanal hinunter, durch welche Stiege die Wasserträger bey der Auskehrzeit den Unrath herauftragen müssen. Da es noch schmäler war, hatte es einen Garten.

(d.) Im Hause wohnt zur ebener Erde der Stadtmauerpolier Prechler; in der ersten Etage Mad. Spinucci, und der Graf Perbenfelsche Bediente Eisenberg; in der 2ten Etage der Hofrathssecretär Stammiller, und in einer besondern Abtheilung die Hausfrau; in der 3ten der Dantler Martl; in der 4ten der Stadtbauamtsdiener Halter, und der goldische Gartenmaler Holzhaußer, dessen Ehefrau ihren Keller den Sommer über mit gehacktem Holz anfüllt, um es im Winter an arme Leute zu verkaufen.

(e.) Weiters wohnt in diesem Hause in einem engen Stübchen der 1758 in Reichenhall von Zimmermannsleuten geborne Joseph Stoiffer, welcher sich ursprünglich mit Handlangen bey den Maurern nährte, und nach und nach Liebe zum Zimmer ausmalen bekam. Ohne die mindeste Anweisung zu haben, versuchte er Landschaften zu malen, wozu er von dem vormaligen Salinenadministrator v. Clais besonders aufgemuntert wurde. — Seit 1786 kopirt er in der Gallerie, und brachte es durch unendlichen Fleiß und fast ohne alle Unterstützung so weit, daß seine Portraite und Landschaften von Kunstkennern mit Beyfall und Achtung beurtheilt werden.