Erklärung der Kupferbeilage
Der gegenwärtige Kupferstich stellt den Archnoc-Wirthsgarten auf dem Rampart zwischen der Kosttor-Kaserne und den kurfürstlichen Hofställen Nr. 35 vor.
A.
Dieses nach der alten Beschreibung zwischen der Schanze am Hirschwinkel liegende Haus nebst Garten war ursprünglich die Remise der schönen Hofwägen, diente hierauf für die Hofwäsch, und kam:
Dieser bewirkte, daß den 31. Mai 1786 eine Real-Bierschenks-Gerechtigkeit auf das Haus verliehen wurde, womit es in demselben Jahre der Bierwirth J. G. Maier kaufte, und von diesem kam es 1793 an den gegenwärtigen Besitzer Franz Jos. Doll.
b.
Am Hause ist das Bild der Arche Noe angemalt.
Das Haus hat einen Hof, Garten, fließendes Wasser, Keller, Holzlege, Stall und Retiraden.
Man kommt vom Rampart her durch eine Stiege in das Haus und den Garten hinab und kann von der Kosttorstraße auf einer Brücke den Kaimmüllerbach hineinfahren.
c.
Im Hause wohnt der Hausbesitzer, der kurfürstl. Kupferstecher Huber, Neuschmied Schwab, Hofstaller Strech, Edelknabbediener Seher, Schulmeister Mang, dann der kurfürstl. Postillion Winterheimer.
d.
Das Wirthszimmer hat eine musterhafte Reinlichkeit und ist mit geistlichen Bildern, Portraits der verstorbenen höchsten Herrschaften, Uhr, Barometer, Krug- und Gläserrahmen, dann einer schwarzen Tafel möbliert, worauf 154 Ziffer stehen, welche zu ebenso vielen Krügen gehören, die die sämtlichen Gäste auf dem Tische eingeschrieben haben.
Durch dieses Mittel kann man mit Kreide auf der Tafel bemerken, was jeder Gast (der, solange er abends im Gasthofe bleibt, immer denselben Nummer behält) verzehrt hat.
Weiters befinden sich darin eine Armenuhr, Schiefertafel zum Aufschreiben, Kegel- und Damenbrett-Spiel, kupferner Schwängkessel, Hausglocke, Spiegel und Ventilatoren.
Abends kann man Würste, Kalbsbraten u. dgl., wie die Zeit im Jahre ist, um verschiedene Preise zum Abendessen haben.
e.
Im Hause ist ein sehr geräumiger Tanzsaal mit 16 Lichtern und ein Galett mit 8 Lichtern, wozu man durch eine helle geräumige Stiege kommt; diese Säle sind mit Spiegeln und Leuchtern geziert.
Sonn- und Feiertags wird von morgens 6–8 Uhr und nach dem Gottesdienste von 10 Uhr bis mittags von dem Schuhmachergesellen Math. Gerstnegger Tanzschule gehalten, welche von Bäckern, Müllern, Bräu- und Hausknechten, dann Dienstmägden und Näherinnen besucht wird; und sowohl die Person, die Mannert und Deutsch ausgelernt hat, als bezahlt.
f.
Der Garten ist mit Kastanien- und Fichtenbäumen bewachsen, mit 34 Tischen versehen, nachts mit gläsernen Laternen beleuchtet, wegen dem vorbeifließenden Bache sehr kühl und sehr reinlich und geräumig.
Zugleich befindet sich eine gedeckte, mit illuminierten Bataillen-Kupferstücken gezierte Kegelbahn, welche sich von der Langlaufkegelbahn mit dem Ausdrucke „Dudel“ unterscheidet, in diesem Garten.
B. Das Kegelspiel
Das Kegelspiel ist eines der ältesten Spiele. Es ist möglich, daß dabei eben so gut, wie bey anderen Spielen Schlägereien vorgehen, oder daß hier und da mehr Geld verwettet als vorsichtig verspielt wird; allein das Spiel an und für sich bleibt immer ein der Gesundheit zuträgliches Spiel, indem es den Körper in freye Luft immer in Bewegung erhält, die Beinsicherheit und Geschicklichkeit befördert, und das Augenmaß, so wie die Beurtheilungskraft selbst in Beurtheilung des Bodens, der Entfernung der Kegel und der Schwere der Kugel schärft.
Beim Dudel-Kegelspiel stehen 9 Kegel in regelmäßigen Distanzen in einem Viereck beysammen, dessen einer Winkel gerade auf ein Brett aufsieht, welches in Mitte der Bahn befestigt ist, und von dem Spieler, wenn er die Kugel hinauswirft, getroffen werden muß.
Man kann auf dieser Kegelbahn entweder Lavens oder in die Kehre spielen.
Das Lavensspiel besteht darin, wenn von einer Gesellschaft jeder eine gewisse Anzahl Pfennige, Kreuzer oder Groschen hinlegt, und dann so viele Stücke davon wieder herausbekommt, als er in der Ordnung, die ihn trifft, Kegel geworfen hat. Wer die Kegel alle nach der Seite fällt, ohne daß die Kugel mitten durchläuft, bezahlt 1 fl. oder 1 fr. Strafe.
Wer 7 oder mehr sichert, gibt dem Buben, der die Kegel aufstellt, 1 Kreuzer hinaus.
Das Scheiben in die Kehre geschieht, wenn die Gesellschaft, und zwar jeder eine gewisse kleine Summe Geldes aufnimmt, spielt und schreibt. Wer dann die meisten Kegel geworfen hat, zieht das ganze Geld. Haben 2 Spieler die gleichhöchste Kegelzahl, so können alle Spieler sich nochmal kaufen; der Kegelbube bekommt 1 fl., und das Spiel fängt für den doppelten Satz, der stehen bleibt, von neuem an.
Da es nicht unwichtig ist, dergleichen Volksspiele und die Art, wie sich die Menschen abends nach ihren Geschäften zu erlustigen pflegen, der Aufmerksamkeit zu würdigen, darüber ist zu lesen in der Beschreibung von München § 282 und 290.
Angenehm ist es nicht selten, diesem Kegelspiel zuzusehen, und zu beobachten, wie jeder Spieler nach hinlänglicher Übung noch besondere Krümmungen des Körpers macht, um gleichsam der Kugel, wo sie nach seinem Sinne zutreffen soll, im Geiste nachzuhelfen.
Schlussnotiz:
Es wird hiemit bekannt gemacht, daß die dem XXV. und XXVI. Stücke dieser Polizei-Übersicht wegen deren Fortsetzung angefügte Nachricht keinen anderen Sinn hatte, als daß lediglich die Polizei-Übersicht für das Monat April 1805 gänzlich nachgetragen wird…