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Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 37

Bild-Details
Titel
Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 37
Datierung
Unbekannt
Bildart
Kupferstich
Quelle Buch
Regnet - München in guter alter Zeit
Verschlagwortung
Beschreibung

Erklärung der Kupferbeilage

Diese stellt die Häuser Nro. 18, 19 und 20 in der Kaufingergasse Kreuzviertels vor.

A. Das Schlosserhaus Nro. 18 reiht sich an das im Blatte Nro. VII vorkommende Silberarbeiterhaus an, und gehörte:

(a) 1454 an Friedrich Döchl und Niklas Runding; — von da kam es 1480 an den Wollenmacher Hanns Gerold; — und 1485 an den Bürger und Schlosser Vitel Erlacher; — darauf an den Schlosser Niklas Noldinger; — 1492 an Hanns und Wilhelm Löchler; — 1514 an den Schlosser Thomas Würzburger; — 1526 an Hanns Hörmann; — 1559 an Balthasar Schleich; — 1572 an Sabina Schleichin; — 1576 an Kaspar Schleich, Schlosser; — darauf an Georg Kleiner, Fuhrknecht; — 1598 an Georg Moosmüller, Küchelbacker; — 1636 an die Bürgerin Maria Schleyhuberin; — darauf an die Jungfer Margaretha Grellin; — und von dieser an den Küchelbacker Balthasar Aichler; — 1638 an das Augustinerkloster allhier; — 1645 an den Bürger und Küchelbacker Georg Dietl; — 1680 an den Bürger und Schlosser Mart. Wolf; — 1696 an H. Georg Wilhelm; — 1705 an Mart. Wolf; — 1729 an Casp. Model; — 1755 an Carl Durlacher; — darauf an Georg Wolf; — 1771 an Lorenz Jehle; — endlich 1794 an den gegenwärtigen Besitzer Franz Scherg, Bürger und Schlossermeister.

(b) Das Haus hat einen sehr tiefen, aus langen Quaderstücken gemauerten Pumpbrunnen, der vorzüglich gutes Wasser gibt; geht mit 8 Fenstern in das Gäßchen hinein, welches mit dem Silberarbeiter Joseph Hurner und Weingastgeb Carl Albert kommun ist, und hat Keller und Retiraden. — Ursprünglich hatte es am Ecke einen thurmgeformten Erker, und wie man aus den im Keller befindlich gewesenen Rechen schließen kann, so mag selbes in ältesten Zeiten eine Frohnfeste gewesen seyn.

(c) Zu ebener Erde befinden sich die Werkstätte des Schlossers, so wie die Verkaufsläden des Schuhmachers Mündl und Glasers Böhm. Im ersten Stocke wohnt der Schlossermeister selbst, dessen Zimmer-Verzierungen aus lauter schönen Handzeichnungen seines Meisters bestehen. In der 2. Etage wohnt der Churfürstl. Mundkoch Seybauer, in der 3ten Etage der geheime Sekretär von Havenhansen, und in der 4ten der herzogliche Kammerportier Meiler.

(d) Der Schlossermeister Scherg hat 5 Gesellen und 2 Lehrjungen in Arbeit, und verlegt sich besonders auf Verfertigung schöner Tabernakel, dann der Öfen, Bratrohre und selbst für die Zimmerverwahrung sehr nützlich gebogene Rauchröhren von Eisenblech.

B. Das Gasthaus zum schwarzen Adler Nro. 19

gehörte

(a) im Jahre 1557 an Mathes Nendorfer,
— von diesem kam es 1597 an M. D. Albini,
— 1581 an den Bürger und Gastgeb Simon Schumb,
— von da kam es an den Weinhändler Conrad Schmalholz,
— 1593 an den Bürger und Gastgeb Anton Weinhard,
— 1612 an Christoph Kratzer,
— 1637 an den Doctor der Medizin Mathias Geiger,
— von diesem an den Bürger und Gastgeb Joh. Freyhämmer,
— 1646 an den Bürger und Bierbrau Michael Kreitmayr,
— 1659 an den Bürger und Gastgeb Friedrich Freyhämmer und dessen Familie,
— 1746 an Johann Josef Freyhämmer Gastgeb,
— von diesem an Joseph Anton Oberhuber Gastgeb,
— von diesem 1755 an Franz Joseph Albert (einen Mann, der wegen dessen Polizei-, Bau- und hauswirtschaftlichen Kenntnissen, dann wegen mehrerer nützlichen Anstalten, die München seinem Fleiße und seiner Mitwirkung verdankt, eine besondere Biographie verdiente),
— endlich 1790 an den gegenwärtigen Besitzer Carl Albert (vormals äußeren Stadtrath), bürgerl. Gastgeb, dann Oberlieutenant und Adjutant der bürgerlichen Cavalerie.

(b) Das Haus hat einen Hof (von dem zum Hause hinauf führenden der Schießhütte gelegenen eigenthümlichen Garten, und der daselbst auf 40 Wägen hergerichteten Remise bey einer anderen Gelegenheit), einen Stadel, der zugleich für die Küche benützt wird, einen Pferdestall, zwei Laternen, acht Retiraden, Stallung auf 24 Pferde, und mehrere gewölbte Keller. Der Schild des Hauses, einen schwarzen Adler vorstellend, der einige Trauben hält, ist aus einem einzigen Stücke Eisen von dem verstorbenen geschickten Hofschlosser Näbel gearbeitet.

(c) Der kurfürstl. Salzamtsbote von Donauwörth hat im Hause seine Einkehr, und kommt alle Monate einmal an einem unbestimmten Tage.

(d) Im Hause befinden sich ein sehr geräumiger, geschmackvoll ausgemalter, und mit Spiegeln versehener Tanzsaal (in welchem bey einem Tanze das Entree für jede Person 24 kr. ist), dann 38 Gastzimmer mit den erforderlichen Betten. Der Preis eines Zimmers ist nach Beschaffenheit der Lage, und der von einem Gaste geforderten Möbel-Bedürfniß von 2 fl. 24 kr. bis 24 kr. täglich. Ein lebensbedienter, der im Hause 4 mehrerer Sprachen kundig sind, kostet des Tages 1 fl. — Man speist an der Table d’hôte um 1 Uhr zu Mittag, und bezahlt für den trocknen Tisch 1 fl., abends nach dem Theater zu Nacht, und bezahlt 40 kr. Man kann aber auch portionenweise nach einem Speisezettel zu Nacht speisen, den man jeden Abend auf dem Tische findet. Die Preise der Weine sind im Gastzimmer angemerkt. Wer auf seinem Zimmer speist, bezahlt nach Verhältniß dessen, was er verlangt.

(e) Im Gastzimmer hängt eine Liste aller in München befindlichen bürgerl. Kaufleute, eine gedruckte Polizei-Erinnerung, was man jedem Fremden in einem Gasthause zu leisten verbunden ist, ein Ersuchen, sich in diesem Zimmer des Tobakrauchens zu enthalten, und eine Büchse für freiwillige Armenbeiträge. In Mitte des Zimmers hängt eine in ein Kupferstich von dem Schuhmachersohn André Maier mit den Insignien des Handelsstandes als Mercurius, Leuchtturm, Schiff, Anker und verschiedenen Ladungen eingeätzte, und illuminirte Tafel mit folgender Zuschrift:

Der Handelsstand
ist der zweite Schöpfer der Menschheit,
ihr erster Wohlthäter,

Da er sich mit den veredelten Naturproducten beschäftiget,
Erweckt er die Thätigkeit,
Belohnt und ermuntert er den Kunstfleiß,
Und veredelt so zugleich die rohen Naturmenschen;
Dadurch, daß er den Ueberfluß der Nationen bald ein- bald ausführt,
Verbindet er die entferntesten Nationen unter sich,
Die sich ohne ihn ewig fremd geblieben wären.
Der Reiche dankt ihm die Erfüllung seiner kühnen Wünsche,
Der Arme seinen Erwerb.
Wo der Handel einen Wirkungskreis findet,
Schafft er Wüsten zum Paradiese um:
Er ist die Basis, auf der die Pyramide (Staat) ruhet.
Deswegen Heil, und Ehre! der Dank durch ihn
Glücklicher Nationen — ihm!

Diesem edlen Stande als Dank für seinen so zahlreichen beehren­den Besuch gewidmet von Carl Albert, des Raths, und Weingastgeb zum schwarzen Adler in München.

C. Das vormalige Melberhaus Nro. 20

war ursprünglich die Kalkgrube beim Baue der Unser Lieben Frauen Kirche, und gehörte:

(a) im Jahre 1519 an Martin Drechsel,
— 1537 an den Scheerschleifer Mathias Müller,
— darauf an Hanns Dünzl,
— 1548 an Andrä Koch, Schneider,
— 1559 an Hanns Sebastian Schneider,
— 1608 an den Schuster Andrä Winterl,
— von diesem an den Schuster Andrä Gummerschuh,
— 1663 kam es an den Lebzelter Georg Aicher,
— darauf an Caspar Aicher,
— 1686 an Balthasar Köttler, Lebzelter,
— 1727 an Ferdinand Herlperger,
— 1741 an Ign. Herlperger,
— 1776 an den Bürger und Melber Joseph Kristmüller,
— 1788 an Peter Härtel,
— 1796 an Sebastian Gmelch,
— und endlich 1805 an den Weingast Carl Albert,
der zum Danke des Publikums dieses baufällige Haus abtragen ließ, um sein ursprüngliches Gastwirthshaus dadurch zu arrondiren.

(b) Dieses Haus war 3 Stock hoch; doch war auch der Erker als der 4te Stock benannt. — Unbegreiflich ist es, wie es noch halten konnte, da die Haupttrümmer bereits überall gewichen waren, und alle Treppen und Thürstöcke schief standen. — Nebst der Hauptstiege befand sich bey der ersten Etage ein kleines Stiegerl in die zweifach untereinander gesetzte Keller hinab, in welche man nur durch gänzliche Verrenkungen des Körpers kommen konnte. — Von der zweyten Etage ging hinten ein Stiegerl zur dritten, und von da ein enges elendes Stiegerl zur vierten Etage in eine über den Hof gesprengte elende hölzerne Kammer, in welcher die Lehrersknechte schlafen mußten, ohne sich aufrichten zu können. Weiters ein Stiegerl zur 4ten, und noch eines zur 5ten Etage. Ganz oben befand sich zwischen den Feuermauern eine verfaulte hölzerne Altane, woselbst die Geschichte Magdalenen im Garten angemalt war. An die Thüre war ein Grenadier gemalt. — Auf dem Speicher fand man durch ein ungeschickt angebrachtes Kaminrohr einen Balken bereits halb verbrannt, und das Intervall zwischen den Bretterwänden mit Heu ausgestopft. Man fand die Fehlböden mit Ziegel- und Kieselsteinen, statt mit geworfenem Urbarn gefüllt, einen Ofen, der 2 Zimmer hätte heizen sollen, aber keine Einzieher hatte, und nie geheizt werden konnte, und an diesem einen Kamin, der unter dem Fehlboden mit Holz eingedeckt und verschlossen war — mehrere hölzerne Plafonds auf den Boden gestützt, ohne zu untersuchen, ob unten eine Widerhalt war. — Und doch war dieses baufällige Gebäude von 13 Parteien bewohnt, die bey dem nächsten Feuer nothwendig durch den Rauch hätten ersticken müssen.

(c) Unten am Kupfer sieht man, wie die Balken, welche aus alten Gebäuden gewonnen werden, zum weiteren Gebrauche zusammengetragen werden, und wie von den alten Steinen das verhärtete Mörtelband durch Maurer Jungen abgepickt wird. — Diese Steine sind zu neuen Mauern nicht zu brauchen, weil sie den Mörtel nicht mehr einsaugen, und beständig feucht bleiben; wohl aber in den Grund, und in die Mittelmauern. — Ein Tagwerker, der sich zum Abbrechen eines solchen Hauses gebrauchen läßt, hat täglich 30 kr., ein Maurer-Junge aber 17–18 kr. Lohn.