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Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 36

Bild-Details
Titel
Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 36
Datierung
Unbekannt
Bildart
Kupferstich
Quelle Buch
Regnet - München in guter alter Zeit
Verschlagwortung
Beschreibung

Erklärung der Kupferbeilage.

Die Kupferbeilage stellt das Kapuziner-Kloster vor, wie es gleich hinter dem Palais Max auf dem Graben gestanden ist, nach einer älteren Zeichnung des Hrn. Dillis von Ferdinand Schießl frey bearbeitet, und von dem nämlichen Schießl mit einer Zeichnung der vormals bey den Kapuzinern gehaltenen Suppen-Spende versehen.

A. Maximilian I. berief die Kapuziner 1600 nach München, wo sie bis auf den 27. März 1802 verblieben sind, als in welchem Jahre das hiesige Kloster aufgehoben, und das ganze hiesige Konvent 24 Köpfe an der Zahl nach Rosenheim verlegt wurde. — Man hat bey der Umreißung der Klostergebäude die goldene Medaille gefunden, welche Maximilian I. in den Grund gelegt, und in Louisdor-Gold 92 fl. 15 kr. gewogen hat. Auf dieser Medaille war das bayerische Wappen mit dem herzoglichen Hute, ohne Reichsapfel, mit der Umschrift:

„Aedificaverunt Domum Domini Israel Anno salutis Domini Milles. Sexcel. Primo.“

Defuncti Patres ac Fratres Capucini.
Qui in Crypta Capellae sepulti sunt.

Deren sind mit Ausschluß von 6, welche wegen ansteckenden Krankheiten in dem Garten begraben worden sind, 197 Leichen. Darunter befinden sich:

Adm. R. P. Ferdin. Bulsan. Provinc. 21. Jul. 1653.
Adm. R. P. Angel. Frising. Prov. 25. Apr. 1653.
Adm. R. P. Franc. Maria Kirchberg. Provinc. 31. July 1654.
A. R. P. Henricus Weilheim. G. D. Provinc. 4. May 1689.
A. R. P. Erhard Biber. Provinc. 6. July 1694.
A. R. P. Athanasius Monac. Prov. 9. Aug. 1694.
P. Zachaeus Dachau. G. S. Jub. 10. Dec. 1702.
A. R. P. Floridus Burgh. L. D. Provinc. 12. Oct. 1759.
Fr. Dismas Wasserburg. L. prof. jub. aet. ph. 83. R. 61. † 17. May 1762.
P. Silverius Monac. aet. ph. 73. R. 50. † 23. Jan. 1763.
Fr. Florian Schard. L. aet. ph. 79. Rel. 62. † 6. Aug. 1767.
Fr. Georg Vilsbiburg. L. aet. phys. 78. Rel. 55. † 26. Oct. 1768.
P. Deocharius Wasserburg. aet. phys. 80. Rel. 60. † 8. Nov. 1768.
Fr. Accursinus Deggendorf. L. prof. jub. aet. ph. 77. Rel. 57. † 8. Jan. 1778.
A. R. P. Columbanus Unterambach. ter Prov. aet. phys. 72. Rel. 52. † 15. Jun. 1780.
A. R. P. Engelhard Standenried. Provinc. Vic. aet. ph. 67. Rel. 40. † 4. Sept. 1791.
P. Ambrosius Wierenf. Prov. Paris. Sacerdos aet. ph. 30. Rel. 8. † 9. Nov. 1795.
R. P. Bonavent. Valogn. Prov. Normand. aet. ph. 53. Rel. 32. † 11. Jan. 1796.
P. Franc. de Paula Amberg. aet. ph. 68. Rel. 52. † 2. Aug. 1796.
Fr. Rupert Nymphenb. L. aet. phys. 79. Rel. 56. † 18. Febr. 1800.
P. Probus Monac. aet. ph. 75. Rel. 58. † 30. Oct. 1800.
Fr. Achatius Greisberg. L. aet. ph. 82. Rel. 54. † 28. Jan. 1801.

Qui in Crypta Ecclesiae requiescunt.

Hier liegen seit dem Jahre 1715, mit Ausschluß von 4, welche wegen ansteckenden Krankheiten in den Garten begraben worden sind, 180 Leichen.

Darunter befinden sich:

A. R. P. Victor Monac. Prov. 23. Apr. 1716.
A. R. P. Hieronymus Weilheim. Prov. 19. April 1719.
A. R. P. Raphael Ginting. Prov. † 16. May 1724.
A. R. P. Aegidius Monac. ter Prov. † 6. Apr. 1761.
P. Thomas aquinus Mindelh. aet. ph. 74. Rel. 57. † 19. May 1780.
A. R. P. Andreas Steinbac. Prov. aet. ph. 76. Rel. 57. † 19. Jan. 1781.
P. Engelmund Monac. aet. ph. 70. Rel. 52. † 14. Nov. 1781.
Fr. Volbert Dinklspil. aet. ph. 76. Rel. 54. † 24. April 1782.
P. Deciola Monac. aet. ph. 75. Rel. 58. † 17. März 1785.
P. Helych. Greeteshus. aet. ph. 77. Rel. 57. † 18. Febr. 1788.
P. Vincent. Reichenhall. aet. ph. 76. Rel. 51. † 8. März 1789.
P. Rogatian Erding. aet. ph. 77. Rel. 59. † 8. März 1790.
P. Regulus Ammerthal. aet. ph. 74. Rel. 54. † 1. Juny 1791.
Fr. Cypriacus Hambac. aet. ph. 83. Rel. 59. † 17. May 1792.
A. R. P. Anselm Euchendorf. bis Prov. aet. phys. 78. Rel. 53. † 1. Febr. 1794.
P. Alvarus Crayburg. Sac. jub. aet. ph. 80. R. 59. † 28. März 1795.
P. Marianus Monaceus. aet. ph. 70. Rel. 50. † 9. April 1797.
P. Eligius Cransberg. Prov. aet. ph. 83. Rel. 63. † 27. April 1798.
Rev. D. D. Julius Basilius Ferron de la Ferronays, Episc. Lexoviensis e Gallia Exul. † 15. May 1799.
Rev. D. D. Franciscus de Bonnat Eppus. claramont comes privat. aet. ph. 66. † 3. Sept. 1800.

R. Pater Bernardinus Lotham. ter Prov. Diff. gen. aet. ph. 73. Rel. 50. † 1. Oct. 1800.00

Weiters wurde auch seiner Zeit hier im Kapuziner-Kleidung begraben der Oberhofmeister der verwittweten Sr. Churfürstin Maria Anna: Hr. v. Gegerle.

Bey keinem der Mönche ist in der überschriebenen Tafel der Familien-Name verzeichnet.

Die größte Sterblichkeit in diesem Kloster war 1634 mit 9, (welche vermuthlich in der in diesem Jahre gewüteten Pest den Kranken ausgeharrt haben,) — 1694 mit 7, — 1719 mit 5, — 1728 mit 5, — 1732 mit 6, — 1745 mit 6 — und 1763 mit 5 Verstorbenen; — sonst starben in manchen Jahren keiner, oder 1, 2 oder 3.

6Das Nähere ist nachzulesen in Westenrieders Beschreibung von München S. 187. — Burgholzers Stadtgeschichte von München S. 185; — Hubners Beschreibung von München S. 364; — und Landesdirektionsraths von Leypold’s Geschichte und Geist des Kapuziner-Ordens in Baiern. München 1804 in der Stroblischen Buchhandlung.

B. Die untere Hälfte des Kupferstiches stellt die Pforte des Klosters in dem Augenblicke vor, wo täglich um 12 Uhr die Suppe an die armen Leute in dieser Pforte vertheilt wurde. — Die Väter des Ordens hatten wirklich die wohltätige Absicht, mit dem, was von ihrem Tische übrig geblieben war, bedürftigen Menschen zur Nahrung einen Beitrag zu machen; allein sie konnten nicht hindern, daß sich unter diese Bedürftigen nicht viel fremdes müßiges Gesindel mischte, welches in der Hoffnung, sich auf diese Art etwas für den Magen zu verschaffen, sich auf Nichtsthun legte, und nicht selten nicht so fast der Suppe wegen, sondern in der Absicht hinging, aus der Suppe ein paar andere Brocken herauszufangen. — Man sieht hier ein Kaufmannsweib mit ihren Kindern. Den Knaben plagt das Ungeziefer; und die Schwester sind in Kleider gehüllt, die viel—

 

Der Ein armer verhungerter Schreiber, dem es gewiß leid thut, daß er sein Handwerk nicht mehr warten kann, steht auf einen warmen Löffel voll Suppe. — Neben seiner zur Linken theilt sich eine Gruppe in Fischgräten und Knochen, die sie herausgeholt haben. — Auf der anderen Seite sitzt ein blinder Mann, den ein Knabe zu bestechen scheint. — Ein Handwerksbursch sieht seiner Kundschaft nach, und ein vagirender Jäger, dem ein Wildschütze ein Bein abgeschossen hat, sitzt hier, als Ersatz für diese Suppe haben etc. — Durch die Münchische Suppenanstalt auf der Polizei eingeführt, welche von Höchstdenen sowohl, als von der regierenden Durchlauchtigsten Sr. Churfürstinn auf das großmüthigste unterstützt wird, als worüber in den vorausgegangenen Polizei-Resultaten bereits das Nähere angezeigt worden ist. Es ist ausdrücklich verordnet, daß keine unbefugte Personen, und wenn sie von der ersten Tafel seyn sollten, in diese Suppe gemischt werden sollen, weil sonst die Menschen die Suppe, die sie eigentlich nähren soll, als eine Nebensache, die fremden Brocken darin aber als die Hauptsache ansehen.

 

C. Uebrigens war dieser Kapuziner-Graben zugleich eine öffentliche Promenade. Der Thurm außerhalb der Palais-Max-Brücke war sonst ein Verwahrungsort für Rechnungsgelder des Kriegsdepartements, und ist jetzt ebenfalls abgetragen. — Täglich sehen wir die Anstalten, welche von der hohen Regierung getroffen werden, um diese Gegend zu einer eben so schönen, als gesunden Vorstadt umzuformen. — Das Mar-Joseph-Thor, welches von der Prannerstraße heraufführt, nähert sich nebst der Thorwache und den beyden Eck-Pavillons seiner Vollendung. Die Häuser des sonst verödeten und verlassenen Roßhubergäßchens werden auf Abgaben in den vormaligen Palais-Max-Zwinger herausgesprengt, und es sind Plätze für 42 neue Häuser ausgesteckt, welche nach dem abgeworfenen Kapuziner-Walle auf die neue Ebene angelegt werden sollen, worüber man das Nähere nachsehen kann in dem bey dem Stadtbuchdrucker Zängl auf dem Färbergraben herausgekommenen Plane der neu anzulegenden Vorstadt vom Karlsthor bis zum Schwabingerthor in München 1803.

 

— Auf der Reversseite stand:

„Maximilianus I. comes palatinus Rheni utriusque Bavariae Dux et Elisabetha Serenissima Conjux Lotharingiae Ducissa in honorem et gloriam Dei et St. Francisci pie fundarunt, huncque primum Lapidem solenniter posuerunt Anno Regiminis V. post Christum natum A.D.C.I quarto nonis Octobris in die St. Francisci.“

In der sogenannten unteren Gruft befand sich ein sehr geschätztes Bild, die Familie Christi von Pet. Candid vorgestellet, welches Bild gegenwärtig in der churfürstl. Bildergalerie hängt. — Seit dem Jahre 1626 haben die Meister aus diesem Konvente die Kanzel bey St. Peter versehen. — Die Bildnisse der 4 Kapuziner, welche als Geiseln beim schwedischen Kriege mitgenommen worden sind, sieht man auf dem über das Marienbild zu Ramersdorf herausgekommenen Kupferstiche. — Der Garten dieses Klosters war seiner Zeit wegen den vorzüglich schönen Blumen, die darin gewachsen sind, allen Blumenliebhabern bekannt.

Die Kirche hatte 2 Grüfte zur Begräbniß der in diesem Kloster verstorbenen Mönche. Eine Gruft war mitten in der Kirche, und die zweyte an dem linken Seitenaltare. — Bey Abreißung des Klosters wurde in Gegenwart der Medizinalräthe Deggel und Hagemayer, dann des Polizei-Chirurgus Gleichauf von mir die Untersuchung gestellt, ob die Grüfte tief genug sind, um, im Falle selbe eingefüllt werden, die Todten ohne Nachtheil der Gesundheit für die oben Lebenden darin lassen zu können. Man fand die Grüfte tief genug. Die todten Kapuziner lagen unbegraben, und nicht in Särgen eingemauert, mit Kalk wohl bestreut schichtenweise übereinander, und ich glaube, daß der Kalk und die dichten Habichte Ursache gewesen seyn mögen, daß der Geruch nicht sehr vermehrt in diesen Grüften war. — Oben nächst der Sakristey am Oratorium war eine Tafel von Pergament befestigt, auf welche alle in diese Gruft Eingesenkten aufgezeichnet worden sind. — Die Ueberschrift dieser gegenwärtig im Archiv aufbewahrten Tafel heißt: