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Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 34

Bild-Details
Titel
Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 34
Datierung
Unbekannt
Bildart
Kupferstich
Quelle Buch
Regnet - München in guter alter Zeit
Verschlagwortung
Beschreibung

Erklärung der Kupferbeilage.

Der anliegende Kupferstich enthält die Häuser Nro. 74, 75, 76 in der Lederergasse.

A. Das Chirurgenhaus Nro. 74. in der Lederergasse ist ursprünglich im Grundbuche auf Seb. Helmberger, Doktor und fürstlichen Rath zu Straubing, eingetragen. — Im Jahre 1578 kommt als Hauseigenthümer vor: Gabriel Ridler der jüngere, Bürger Wundarzt allhier. — 1610 Hannß Rauch, Hofsattler. — 1646 Ambrosius Wagner, churfürstl. Bräuwesenter allhier. — 1693 Georg Benedict Wagner, Churfl. Hofrath. — 1704 Georg Schmied, Churfl. Hofsattlermeister. — 1722 Andre Schmied, Churfl. geh. Raths-Registrator. — 1753 Wilhelm Alois von Furberg, Churfl. Truchseß, dann dessen Fräulein Tochter Therese. — 1763 Jakob Heitmayer, bürgerl. Bader und Wundarzt, und 1788 der bürgerliche Wundarzt Anton Pitzl von hier. — Dieses Haus hat einen Hof, ein kleines Gärtchen, 2 laufende Brunnen und Retiraden. Man kann vorne hinein, und bey dem Münzgraben am Bräuhausbache wieder hinausgehen. Vorne an der Mitte des Hauses ist das Bild einer schmerzhaften Mutter Gottes mit der Unterschrift: Heil der Kranken. — Im Hause steht der Vers:

„Lieber zu diesem Thürl hab
Gebt Grund, Durchgang und das Grab.“

Gleichwie denn auch der Eigenthümer dieses Hauses das Dach und die Hälfte des Wasserbettes, so weit das Haus geht, unterhalten muß.

a. Der gegenwärtige Eigenthümer dieses Hauses Wundarzt Pitzl wohnt zu ebener Erde. Das Täfelchen am Fensterladen mit der Aufschrift: „Kästchen zur Belebung todtscheinender Ertrunkener“ kündigt an, daß hier das von Grafen von Seinsheim zu diesem Behufe gestiftete Kästchen vorhanden sey. In diesem Kästchen befindet sich der sogenannte Schlafrock, worin die aus dem Wasser gezogenen Personen angekleidet gelegt werden, die Tabaksblätter, Gerätschaften, Reibebürsten, Federn, dann verschiedene Pulver und Geister. — Seit den 32 Jahren, während dem dieser Wundarzt auf dem Bade ist, sind 27 ertrunkene Personen hierher gebracht, und darunter die Hälfte beim Leben erhalten worden.

b. In der dritten Etage dieses Hauses wohnt der Churfürstl. Hoftheater-Architekt Joseph Quaglio, welchem die Erfindung, die Mahlung und der Gang der hiesigen Theater-Dekorationen anvertraut ist. — Unter ihm malen an diesen Dekorationen: Kircher, bürgerl. Glaser, und gegenwärtiger Hausbesitzer. — Dieses Haus liegt an einem kleinen, mit Brettern verwahrten Kanale, hat einen Hof, ein laufendes Wasser, Retiraden, und geht durchaus bis in das Münzgäßl. — Im Hause wohnt ein Kartenmacher und Glasschneider.

a. Der Besitzer dieses Hauses, der Glaser Sebastian Kircher, besitzt als Privatmann eine sehr schöne Kunstsammlung von Mahlereyen, Wachs-, Alabaster- und Elfenbeinfiguren, Portraits in Bisquit (von dem Salzburgischen Künstler Albani), Kupferstichen und Zeichnungen, Porzellan- u. Antiken-Geschirren, dann sehr schönen Thierstücken in Thon von dem verstorbenen geschickten Hafner Furtner von Kelheim.

b. Im Verlage hat Kircher alle Sorten von Wand- u. Hänge- und Anziehspiegeln mit und ohne Rahmen, Wandleuchter, Lusters mit böhmischen Steinen, Girandolen stehende und an die Wand zu hängen, mit und ohne Bronze, Lampen und Vasen von Alabaster und Milchglas, blaue und andere mit passenden schönen Figuren von Schiefer gemalt, ganze Tafel-Services aller Art, deutsche und französische Bouteillen, eine Menge ordinärer Gläser, Elektrisiergläser und Stangen, Cylinder, Apothekergläser, Laborierzeug, Sackt- und Stockbuttengläser, Sturz-Gläser und Lichtkugeln, englische Lampenröhren, Fenstertafeln von aller Größe in schwarz, Tobaksflaschen, Weinflaschen, Röhren von Milchglas über die Lichter, daß sie die Augen nicht blenden, Potpourri-Gefäße, Griffe für die Glocken in den Zimmern und Kabinetten, Glasteller, Brillantgläser, Gläser für Goldverzierungen, Salzfässer, Zuckerdosen, Blumen-, Senft-, Kompott-, Essig- und Oel-, Obst-, Dessert-, Thee-, Butter-, Sahne-, Salz- und Salatgefäße, Gläser nach der Tafel dem Mund aufzuschärfen, Liqueurgläser, Wasser- und Bier-Weingläser, Gläser für Estrameine, Champagner, Malaga und Liqueur.

c. Merkwürdig ist die von dem Glaser Kircher für seinen Verlag eingeführte Glasschleiferei, nach dem eben so reichhaltigen als geschmackvollen Ideen des Kupferstechers Ferdinand Schiebl durch den Glasschleifer Joseph Schmidberger in Ausführung gebracht. Dieser Schmidberger richtet wirklich eingefaßt, und mit Bändern geziert. Die Papiere sind in eine besondere Kiste, Lade, verwahrt. Gegenwärtig sind 15 Gesellen hier. Obergesell ist Melchior Heimstreiter, ein Münchner. Sie besitzen als Willkommen einen großen zinnernen Pokal, an welchem 17 Löwenköpfe mit Ringen befindlich sind. Die silbernen Schilde, welche sonst an den Löwenköpfen hingen, haben die Gesellen aus eigenem Antriebe den barmherzigen Brüdern schenkungsweise übergeben, weil die kranken Gesellen auch Gutes daselbst genießen. — In München befinden sich 5 Geschmeidmacher und 1 Geschmeidinhaber. Führer ist Bernhard Semmler am Färbergraben Nro. 91.

Der Schild der Huterer besteht aus einem Gehänge von Hüten von allen Farben und Moden, mit Mützen, Borten, Schnüren und Verzierung nach allen Arten, schwarze, weiße, graue, blaue, grüne Glockenhüte, runde, dreieckige Filzhüte, Pelzhüte und Filzhuben. Das Gehänge hängt unter dem Siege, woran der Fachbogen und das Schlagholz befestigt ist. — Huterergesellen sind gegenwärtig 15 hier. Ihre Gesellen-Oberführer sind: Xaver Löffler von Eggenfelden, und Fritz Rieder aus Mähren. — Sie besitzen auf der Herberge einen zinnernen Willkommen. Auf dem Deckel ist eine Löwe mit einem Hute auf dem Kopfe und der Jahreszahl 1751. — Umschrift: Lorenz Mittermaier von Straubing als ältester Führer. Martin Dröl von Gern als jüngster Führer. Als Verzierungen sind um den Hals des Bechers Löwen, welche Hüte halten. 19 silberne Schilde hängen an farbigen Bändern um den Becher herum. Auf jedem ist ein Hut mit verschiedenen Anfangsbuchstaben gestochen. — Hutmachermeister befinden sich in München 9. — Ihre Führer sind Georg Wendl in der Schäfflergasse Nro. 90, dann Michael Weichselbaum am Anger Nro. 282.

Die Zeichnung unten stellt vor, wie ein Bürgersmann, z. B. ein Bräuer, dessen Kleidung zwischen der alten und neueren Mode schwebt, an Sonn- und Feiertagen sich kleidet. Der Mann trägt eine rote Weste von Moir mit goldenen Borten und silbernen Knöpfen, einen stahlgrünen Überrock, ebenfalls mit silbernen Knöpfen, dann einen braunen Mantel mit goldenen Spangen. — Die Bräutin trägt eine Kleidung, welche sich etwas der Jungbauerschaft nähert, mit Gold gestickt, einen schwarzen Flor mit einer silbernen Schnalle um den Hals, ein weißes Halstuch, ein rosenfarbiges Korsett, einen blautotirenen Rock, und ein schwarzes seidernes Fürtuch.

c. Das Haus unter Ziffer 272 macht das Eck zwischen der Schwabinger- und Perusagasse, ist gelb in gelb mit Laubwerk und Festons übermalt, und oben im Giebel steht in der Nische ein Bildniß der unbefleckten Empfängniß. — Das Haus hat einen Hof, laufendes Wasser, Stallung und Retiraden. Es gehörte ursprünglich dem Kloster Scheyern. Abt Gregorius verkaufte es 1661 mit der damals darauf haftenden Bräugerechtigkeit an Georg Allmann, churfürstl. Bräuverwalter allhier. — Im Jahre 1676 kommt als Hauseigenthümer vor: Mathias Pimpfl, churfürstl. Hofuntermeister, und Albrecht Pumer, churfürstl. Hofzahlmeister. — 1684 der churfürstl. geheime Rath Pongratz v. Leißling. — 1697 Maria Wilhelmina Theresia Gräfin von Rivera, geb. Gräfin von Preysing. — 1711 deren Tochter M. A. Josepha Gräfin von Perusa. — 1758 Carl Felix von Bertrand Graf von Perusa, churfürstl. Hofrath. — 1770 Max Emanuel Graf von Gaising, churfürstl. General-Feldzeugmeister. — 1770 der gegenwärtige Besitzer Joseph Graf v. Salern, churfürstl. Kammerer, wirklicher geheimer Rath, Oberst-, Land- und General-Feldzeugmeister, Inhaber eines Infanterie-Regiments, und des hohen Michaeli-Ordens Großkreuz; ein 86jähriger Greis, der älteste lebende Cavalier am hiesigen Churhofe, welcher seit 1739 in churfürstl. Militärdiensten steht, über 42 Jahre General, und über 60 Jahre Großkreuz des Michaeli-Ordens ist, und in seinem hohen Alter den vollkommenen Gebrauch aller Sinne hat.

In diesem Hause wohnt der vormals herzogl. zweibrückische Hofmarschall Freyherr von Gailing, dann der churfürstl. Finanz-Referendär v. Schenk. — In den Häusern sind ein Cavallerie-Officier und Bauern vorgestellt, welche bey dem Hacken ihre Wägen einstellen und abladen.