Erklärung der Kupferbeilage
Gegenwärtiger Kupferstich stellt A. den Haferstall Nro. 17 im Graggenauer-Viertel vor der Stadt gelegen vor, wie solcher der Kögelwiese gegenüber anzusehen ist. — Der Flügel des Gebäudes geht mit 24 Fenstern und 3 Thoren in die Gasse von Kostthor hinein.
(a) Dieser Stall wurde vor 30 Jahren auf einen verödeten zwischen den Kögelmüller-Bade und Kostthor gelegenen Wiesenplatz für die Churfürstl. Reitschule-Haftiger gebaut, und nachdem die Pferde der Garde zur Cavallerie abgegeben worden sind, für die Churfürstl. Leib-Postillon-Pferde hergerichtet.
(b) Dieses Gebäude hat 2 laufende Wasser, 72 Pferdestände, einige kleine Keller und Retiraden, und von außen eine Laterne.
(c) Der obere mit einem langen, lichten und geräumigen Gange versehene Stock wird bewohnt von dem Churfürstl. Stallmeister Hrn. Stieber, Kurschmied Gugger, Sattler Hensel, Leibpostillon Loiblhorn, dem Stallmeister Dill von Sr. Durchlaucht dem Churprinzen, dem Hausmeister Keller, dann 15 ledigen Hofpostillons und Vorreitern.
(d) Neben dem Stalle befindet sich noch die alte Haferreithschmiede, worin der vormalige Hufschmied Johann Reiner arbeitete, welcher hart daran seinen Notstall und seine Kohlenhütte hat.
B. Neben diesem Poststalle befindet sich eine große, über den Kögelmüller-Bach gesprengte hölzerne Remise, welche dem Bürger, Hosenhändler Xaver Schneider eigentlich gehört, und von diesem mit höchster Bewilligung erbaut worden ist, um seine Wägen darinnen unterzubringen, wogegen er seine Schnittbäume in der vormaligen Remise hart an seiner Schneidmühle unterbringt, mithin die Passage von den fünf frey auf der Straße gelegenen Schnittbäumen freymacht.
C. Die untere Hälfte des Kupferstichs zeigt das Innere eines gewölbten Pferdstalles mit den abgetheilten aus Eichenholz verfertigten Pferdeständen, an jeder Säule ein paar 2½ Klafter Seile befestigt, um daran die Pferde anbinden zu können. Die Barren sind von Eisen, die Futterkrippen von Holz, und jeder Stand hat die zwey Ausbindketten, um die angebundenen Pferde, wenn man sie ausnehmen muß, bis sie zum Gebrauche vorgeführt werden, daran festmachen zu können. — Jedesmal zwischen 2 Ständen befindet sich ein Luftloch, um die scharfen Ausdünstungen dadurch abziehen zu können. — Über jedem Pferde hängt ein Schild mit seinem Namen. — In Mitte des Stalls hängen mehrere gegen alle Feuersgefahr wohl verwahrte blecherne Laternen. — Vorne am Ende rechts sieht man einen Heuboden und eine Haferruhe, links einen Brunnen mit den zum Tränken und Putzen erforderlichen hölzernen Schaffen und Geschirren; ein Schafband von Stroh hängt an der Wand. — Auf der Erde liegt der flechtene Striegel (ein Werk der Sporzer), womit man das Pferd zu putzen anfängt, darauf braucht man die vom Bürstenbinder verfertigte Karteische, den wollenen Hader, womit das Pferd abgerieben wird, den Machenbaum und den Schwamm. — In dem Winkel stehen 2 Besen, Hader und Schaufel zur Reinigung des Stalls. Der Pferdemist wird an die Plante des Kainzelmüller-Baches hinausgeschafft, wo er in die verschiedenen Hofgärten auf der Stelle wieder weggeführt wird. — In Mitte des Stalls steht ein Churfürstl. Postillon. — Die Dienstkleidung eines solchen Postillons besteht aus einem blaudünen Kollet und Gilet mit breiten silbernen Borten besetzt, gelbledernen Beinkleidern, hohen Stiefeln und Sporen, dann einem runden Hute mit Silberborten besetzt.