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Alte Ansichten aus München

Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 17

Titel
Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 17
Jahr
2026
Bildart
Kupferstich
Quelle Buch
Regnet - München in guter alter Zeit
Tags
Beschreibung

Erklärung der Kupferbeilage.

Die nach einer Zeichnung von Duaglio dem Jüngeren von Ferdinand Schießl frei bearbeitete Kupferbeilage stellt das Franziskaner-Kloster-Gebäude vor, wie solches vor seiner Aufhebung und Abbrechung von außen sich dargestellt hat. — Bereits im Jahre 1222 wurden die minderen Brüder des Ordens des hl. Franziskus oder die Minoriten vom Herzog Ludwig dem Strengen nach München berufen, und auf den Platz auf dem Anger gesetzt, wo nachmals das Angerkloster erbaut worden ist. — Im Jahre 1282 wurde selbe neben dem alten Hof zu der uralten Kapelle der heil. Agnes seiner Zeit der Hofkapelle vom Kaiser Ludwig dem Baier versetzt. — Im Jahre 1294 wurde die Kirche von Ericho, Bischof zu Freysing, eingeweiht. — Im Jahre 1311 brannte die Kirche ab, wurde aber unter dem Guardian Choburg aus Almosen wieder erbaut. — Den 14. Februar 1327 brannte bei der großen Feuersbrunst auch das Kloster mit ab, wurde aber im Jahre 1380 von den Stadtpatriziern Gabriel und Vinzent Riedler wieder erbaut, wozu selbe 600 fl. hergeschossen haben, und die Kirche wurde 1385 wieder eingeweiht. — 1480 führte Herzog Albrecht die Patres regularis observantiae, Herzog Wilhelm V. und Maximilian I. aber 1620 die Franziskaner in München ein. Die Minoriten waren nach Augsburg gezogen. — So blieb es bis auf den 4. März 1802, wo dieses Kloster gänzlich aufgehoben, und das hiesige Konvent, 65 Köpfe an der Zahl, in das Konvent nach Ingolstadt versetzt worden ist. Die Gebäude wurden hierauf öffentlich versteigert, durch die Käufer abgebrochen, der Schutt in der Folge durch Mitwirkung der Polizei weggeräumt, der Platz auf hohen Landes-Directions-Befehl hergestellt, und nach erhaltener churfürstl. gnädigster Erlaubniß der Mar-Josephs-Platz genannt.

Diejenigen drei Franziskaner, welche im Jahre 1632 als schwedische Geiseln auswander­ten, sieht man auf dem Bilde zu Rammersdorf abgemalt. Ursprünglich befand sich vor dem Klostergebäude ein Kirchhof, welcher den ganzen Platz einnahm, und dessen Ecke dem Ende des Gräfl. Törringischen Gebäudes gegenüber stand. Im Jahre 1517 wurde der Kirchhof durch nächtliche Schlägerey entweiht, und von Bischof Philipp von Freysing wieder eingeweiht, im Jahre 1776 aber gänzlich aufgehoben, und dem Erdboden gleich gemacht.

Das Innere dieses Klosters hatte einige Hofräume zu häuslichen Bedürfnissen, eine Bräustätte, große Küche, ein sehr schönes Fischbehältnis, eine Apotheke, eine Tuchmacherei, dann einen Blumen- und Gemüsegarten.

Man sehe Westenrieders Beschreibung von München Seite 180, Burgholzers Stadtgeschichte von München Seite 173, und Lorenz Hübners Beschreibung von München S. 137.

In der gegenwärtigen Kupferbeilage zeigt (a) die kurfürstliche Kapelle an. (b) war der Eingang in die Pforte. Wenn man zu diesem Thörchen hineinkam, befand sich links ein Gang, der im Viereck um ein kleines Gärtchen herumlief, worin sich die Begräbnisse vieler adelichen Familien von hier befanden. Die Laien hatten in diesen Gang Zutritt. Erst wenn man das Gärtchen links vorüber war, kam man zur eigentlichen Kloster-Pforte, und der Theil des Ganges, welcher sich an die Klausur anschloß, hatte mehrere Beichtstühle, bey welchen die Priester in der Klausur sich in den Beichtstuhl setzten, die Frauenzimmer aber in dem weltlichen Kreuzgange den Platz des Beichtenden einnahmen. (c) war eine Nische, worauf oben Christus am Kreuze vorgestellt, unten aber ein Depot für die auf dem Gottesacker ausgegrabenen Totenköpfe befindlich war. (d) war das große Thor zur Hauptkirche. (e) war ein kleines Lädchen neben der Kirchenthüre, worin Brod und Wachsherzen verkauft wurden. (f) war die Gräfl. Hegnenbergische Begräbniskapelle. (g) war die Kapelle des heil. Antonius von Padua. (h) war die Schwarzenbergische Begräbniskapelle. (i) sind mehrere um die Kirche herum angebrachte Nischen, in welchen die Monumente von verstorbenen Personen von hohem Stande befindlich waren.

Bekanntlich wurde Kaiser Ludwig der Baier vom Papst Johann XXII. mit dem Kirchenbanne belegt, weil er nach dem gegen Friedrich den Schönen erfochtenen Siege bei Mühldorf, wo der Papst die ganze Kaiserwahl als ungültig erklärt hatte, sich keineswegs dazu verstand, die Krone niederzulegen, sondern die deutsche Wahlfreiheit besonders durch den Reichstag zu Rense 1338 nach seinen besten Kräften zu vertheidigen suchte. — Kaiser Ludwig, von der Gültigkeit der gegen ihn verhängten Excommunication nicht weniger als überzeugt, wollte doch dem heil. Messopfer beywohnen. Er wollte dieses nicht öffentlich thun, um die Meinungen des Volkes zu schonen. Er ließ sich also neben dem Hochaltar in der Franziskaner-Kirche ein Bethkämmerlein zurecht richten, und damit es in der Kirche nicht das Ansehen eines Fensters haben sollte, wurde ein Heiliger mit einem großen Scheine vorgemahlt, welcher Schein von innen das Fenster bildete, wie in der Zeichnung Lit. k. ersichtlich ist. Hier pflegte der Kaiser heimlich die Messe zu hören.

 

In den Irrungen mit dem päpstlichen Hofe hatte der Kaiser keinen getreueren und wärmeren Vertheidiger, als den Minoriten Wilhelm Occam von Ockham, und die Franziskaner nennen diesen Minoriten in ihrer Chronik:

Nominalium Scholae Principem, Principique Bojariae Ludovico, invictissimo declamato Imperatori, et in prosperis aeque ac adversis addictissimum Achaetem.

Dieser berühmte Mann starb den IV. Idus Aprilis 1347, und lag gleich vor dem Hochaltar begraben, wo selbst auch ein viereckichter Stein dessen Grabstelle bezeichnete. — Bey der Niederreißung der Kirche ließ ich an der Stelle nachgraben, und fand noch einige wenige Reste von Gebeinen, welche in einer Schachtel mit einer Ueberschrift versehen der Akademie der Wissenschaften allhier eingeliefert wurden. — Das Bildniß dieses Kämpfers war in dem Zimmer, wo der Kaiser die Messe hörte, in einem eysernen Behälter tief eingemauert, wie die beygelegte Zeichnung unter Buchstaben (l) ausweist. — Man sehe des Buchdruckers und Stadtoberichts Michaels von Bergmann deutschkundete Geschichte der churfürstl. Haupt- und Residenzstadt München 1783, und zu haben bey dem Prof. und Buchhändler Strobel S. 46. — Da der Verfasser von Bergmann noch vor der Herausgabe dieser wichtigen Schrift verstorben ist, so wurde die Sammlung der nötigen Beylagen und die Herausgabe selbst von dem Stiftsdechant Herrn von Effner besorgt, die dem Werke vorgesetzte gedruckte Vorrede aber von dem geistl. Rathe von Dufresne geschrieben, wie solches in Vitolai Reisen VII. Band S. XXXV. das Nähere nachzulesen ist.

Der Hochaltar dieser Kirche nebst dem Chor bildete ein eigenes Gebäude, welches von dem Schiffe der Kirche gleichsam getrennt, und mit Chorschlüssen nach dem ältesten Style versehen war. — Der Hochaltar stellte die Kreuzigung Christi mit vielen Figuren vor. Oben herum hingen die Gemälde von den 7 Hauptkirchen in Rom. — Begraben waren nächst dem Hochaltare und im Chore der obenbenannte Doctor Occamus, — der eben so rühmlich bekannte P. Bonagratus de Bergamo † 13. cal. Jun. 1347. — P. Albertus Episcopus Saloniensis † VIII. cal. Jan. 1349. — R. P. Petrus Christini de Wratislau, war der erste Guardian bey der Minoriten-Reformation 1480. † 1483. — R. P. Michael de Zifena Theolog. D. et Mag. Generalis ordinis † 3. cal. Dec. 1342. — Casparus Cholerus (totius provinciae Lumen, nach der Chronik) ecclesiae et dormitorii Institutor † 18. cal. Jan. 1615. — R. P. Casparus Schatzger Provinciae custos et Guardianus monacensis haereticorum expugnator † 14. cal. Oct. 1527. — R. P. Joh. Franc. Kemblinger Guardianus, Seminarii Institutor † 9. März 1606. — R. P. Wolfgangus Schmidlkhofer, Prov. et per 30 Annos hujus Conventus Guardianus † 1585. — Nob. et magnificus Dom. Petrus Lambarus J. V. ac Medicinae Doctor † 3. cal. Oct. 1549. — Magn. Dom. Andreas de Lauden cancellarius Imperatoris et chad. eccl. Frising. Canonicus † 3. cal. Jan. 1355. — V. Capellanus S. Margarethae in castro Indiae S. Erasmi † 1387. — Fr. Henricus Weych † 1510. — R. P. Paulus Exthofer Jubiläus † 10. May 1609. — Ein Riedler in Mönchskleidung † 1492. — Gabriel Riedler † 1420 cum duabus suis uxoribus, prima † 1380, secunda † 1413. — Joh. Winzler Guardianus et Praedicator † 1555. — R. P. Joh. Alphard Provinc. † 1492. — R. P. Sebaldus Eslinger Lector † 17. Oct. 1582. — R. P. Nicolaus Seyz Guardianus et Prov. † 1547.

Die Kapelle der heil. Agnes befand sich gleich neben dem Chore, und aus dieser Kapelle ist, wie bereits bemerkt worden ist, erst Kirche und Kloster entstanden. Diese Kapelle war vor innen mit vielen alten Figuren übermalt, wurde aber im Jahre 1719, um sie heller zu machen, überweißt. — In dieser Kapelle hatten die von Haslang ihr Begräbniß-Recht schon seit dem Jahre 1227 erlangt. — Es befand sich darin das Monument des Wilhelms von Haslang vom Jahre 1504 † 1512, dessen Hausfrau Sabina geborene von Abens, und allen ihren Kindern. Seine erste Frau ist allem Vermuthen nach eine marschallin von Pappenheim gewesen. — Um das Bild der heil. Agnes befanden sich die Wappen Georgs von Haslang, und Barbara von Rechberg; Heinrichs von Haslang, und Mechthildis von Zillenhardt; Rudolfs von Haslang, und Susanna von Gumppenberg; dann Agnes von Wildenstein; endlich Emeranus von Haslang, und Scholastica v. Zillenhardt. — Weiters ruhten in dieser Kapelle: R. R. Vinzenz Riedler † den 7. Jan. 1408. — Vilsprende Haslanger der Ritter, und Anna Pienzenauerin seine Hausfrau. — Georg Haslanger und Anna Leitenspöckhinn seine Hausfrau. — Stefan Haslanger, Pfleger in Dachau, und Anna Harschkircherinn seine Hausfrau. — Emeranus Haslanger, und Cleypert, und Scheynheim von Sein seine Hausfrau. — Freyfräule Maria Catharina von Hohen-Rechberg † 15. May 1648. — Elisabetha Haslangerinn † 3. Mai 1433, und ihr Sohn Rudolph. — Heinrich von Haslang, fürstl. Kämmerer, Rath und Pfleger in Vilshofen † den 7. Jan. 1606, dann dessen Ehefrau Barbara von Haslang geborene v. Closen. — Um den Grabstein herum befanden sich Wappen der Haslang und Rechberg, Abens und Arch, Wildenstein und Welden, Froinberg und Altingen.

NB. Künftigen Samstag werden mehrere Stücke als Ergänzungsblätter ausgegeben.

Rechte Spalte:

… Closen und Rothhaft, Haag und Notzenmannsdorf, Perling und Sattelbogen, dann Rothhaft und Seyberstorf. — Ein anderer Grabstein Benigna v. Haslang † 11. März 1607. — Filia Rudolphi ad annum 1582 consiliarii intimi et uxoris suae secundae natae de Wildenstain hatte die Wappen Haslang und Rechberg, Abens und Arch, Wildenstein und Welden, Froinberg und Altingen, Auering und Schwarzenberg, Weiß und Garenegg, Seeblndorf und Ellenpach, dann Rechberg und Grain. — Ein anderer Grabstein gehörte Albrecht Freyherrn von Rechberg und Hohen-Rechberg, welcher den 9. Jan. 1603 verstorben ist. Darauf waren die Wappen der Rechberg und Haslang, Stain und Zülhart. — Grabstein der Anna Catharina 5jährigen Töchterlein Adam Peters von der Edeligen zu Obern-Zöllenbach und Nethingen † den 19. März im 84. Jahre. — Grabstein Heinrich Rudolphs des 25jährigen Sohnes Rudolphs von Haslang zu Haslangkreuth, F. B. geheimen Raths, † den 8. May 1584. — Grabstein Heinrich Rudolphs des 15 Wochen alten Sohnes Hanns Casimirs von Tennenbach zu Glatt. — Grabstein Hanns Haslingers † 1438, und Margarethe Haslingerin † 1430. — Grabstein Heinrich Haslingers † 1400, und Ursula Haslingerin † 1400. — Monumentum Rudolphi de Haslang 1327, Mariti Adelheidis vermutlich de Kullenthal † 1337. — Grabstein der Catharina Johanna Fräulein von Gumppenberg Tochter Herrn Georgs von Gumppenberg, und Jacobina geborene Freyin von Rechberg † 24. Febr. 1616. — Grabstein Hammersmanns Sohnes des Georg Christophs Freyherrn v. Haslang † 19. April 1600. — Der Beschreibung dieser Kapelle ist, da mehrere Grabsteine bereits zertreten und verwischt waren, am Ende vom Chronikschreiber beygefügt:

Jam perit memoria eorum, de quibus monumenta hic posita fuere; — horum tamen pie in Domino hic quiescentium animae sint in manu Domini, et non tangat illos tormentum mortis, uti omnes pie precamur, ac exoptamus.