Erklärung der Kupferbeilage.
In einem besonderen Werke über die jedermann von außen sichtlichen Merkwürdigkeiten von München werde ich darzustellen suchen, wie wichtig es für unsere Nachkommen sey, die Art, wie wir von außen unsere Häuser verzieren, fleißig aufzuzeichnen, damit verschiedene nicht unwichtige Data für die Geschichte, dann das Bild des Zeitgeistes durch die Änderungen der Häuser dem Andenken nicht verloren gehe. Die Gegenstände, die man zum beständigen Anschauen aufstellt, sind ein Theil der Volkserziehung. Fast alles, was seiner Zeit der Römer und Grieche aufstellte, hatte etwas Bildliches aus der Staats-, Kultur- und Sittengeschichte der Zeit, und wirkte mehr oder weniger auf die Begriffe und Sitten des Volkes. — Die weißen Fassaden sagen bekanntlich gar nichts, als daß sie den Augen der Gegenüberwohnenden weh thun. Der große Styl thut bekanntlich nur von großen Gebäuden dem Auge wohl; allein auch der, der ein kleines Haus, auch der, der eine niedrige Hütte hat, fühlt den von der Natur dem Menschen, wie den meisten Thieren eingehauchten Instinkt, sich zu putzen; — er will, daß das, was er an seinem Hause zeigt, ihm und andern eine Freude mache, oder irgend einen beruhigenden Gedanken gewähre. — Ohne mich hier in die Frage einzulassen, wie es seyn könnte, will ich nur darstellen, wie es wirklich ist. Wir wollen auf die vorausgegangenen von Ferd. Schiebl gezeichneten, und mit kleinen Szenen aus dem menschlichen Leben versehenen Kupferstiche zurückgehen.
Nro. 1. Stellt das Isarthor vor. — Unter dem Bogen des Thurmes Nro. 1 befinden sich zwey Malereyen, auf der einen Seite Christus am Kreuze, und auf der andern Seite Christus, der das Kreuz zieht. — Am Hause des Stadtzöllners 112 ist das Münchner Stadtwappen; ein Mönch mit dem Buche in der Hand, sonst das Münchner Kindel genannt, mit der Jahrzahl 1782.
Nro. 2. stellt das Sendlingerthor vor. — Am Hause des Stadtbrunnmeisters Nro. 329 steht in einer Nische ein Altarbild zwischen Weinreben; an das Haus ist ein schöner Springbrunnen gemauert, an dessen Piedestal das Stadtwappen mit der Jahrzahl 1632 sich befindet. Unter dem Bogen in der Mitte des Thores befindet sich das Bild einer schwarzen Mutter Gottes mit dem Kinde, der Weltkugel, und der Unterschrift:
„O Jungfrau Maria! laß nicht herein,
was dieser Stadt kann schädlich seyn!“ — 1741.
Rechts und links unter dem Bogen sind 2 Malereyen: Christus am Kreuze, und Christus in der Versuchung vorstellend. — Nro. 221. an der Wohnung des Stadtzolleinnehmers befindet sich eine Tafel mit dem churfürstl. und Stadtwappen mit der Unterschrift: Churfürstl. und gemeiner Stadt München Oberumgeld-, und Stadtszoll.
Nro. 3. stellt das Karlsthor vor. — Nro. 293 hat über den Fenstern Löwenköpfe mit Ringen. Der Thurm 312 ist gelb angestrichen. An der Stadtzollner-Wohnung 294 ist die Umgeld- und Zolltafel wie am Sendlinger-, Karl- und Schwabingerthor. — Am Salzarbeiterhause Nro. 3 ist ein kreuzziehender Christus von Stein in Basrelief.
Nro. 4. stellt das Schwabingerthor vor. — Nro. 239 im Kreuzviertel ist die Requisitenwache. — Nro. 287 1/2 ist der Schwabingerthorbrunn, welcher seiner Zeit sehr schön und zierlich gewesen seyn soll. Man sieht noch daran das Stadtwappen, eine Sonnenuhr mit Genien und Bronzezapfen, dann die alte Thorbenennung: „Unser Herr Tor“. — Unter dem Bogen ist auf der einen Seite ein Kruzifix mit Johannes und Maria, auf der andern Christus, wie er auf dem Wege zu seiner nahen großen Bestimmung Abschied von seiner Mutter nimmt. — Am Hause Nro. 287, welches vom Stadtzollner bewohnt wird, ist das Stadtwappen mit der Jahrzahl 1761, dann ein Franziskus Xaverius, wobei im Grunde der Krebs, der das Kruzifix aus dem Wasser bringt, und die Lauge eines Mohren angebracht ist; mit der Unterschrift:
„Heiliger Franziscus Xaverius! wir bitten dich, entzünde uns in der wahren Liebe Gottes.“
Nro. 1. ist das Haus der Wagner, welches zu Rehagen gehört. Selbes hat in den Fensterbögen Basreliefs, die Attributen des Kriegsstandes, und der Wissenschaften, als der beyden hohen Zwecke vorstellend, zu welchen diese adelichen Jünglinge hier erzogen werden.
Unten ist der nach der Münchner Schranne fahrende Getreidewagen eines Unterländers; Bauern mit kräftigen Pferden vorgestellt. Das Mädchen, welches sich unter Weg auf den Wagen gesetzt hat, bringt Lebensmittel und Geflügel mit auf den Markt. Der Fuhrknecht ist mit einer grobwollenen Kutte gegen Schnee und Regen geschützt. Die Kleidung der Bauern, so wie die Construktion des Wagens zeugen von Wohlhabenheit.