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Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 11

Bild-Details
Titel
Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 11
Datierung
Unbekannt
Bildart
Kupferstich
Quelle Buch
Regnet - München in guter alter Zeit
Verschlagwortung
Beschreibung

Erklärung der Kupferbeilage.

Gegenwärtiger Kupferstich Nro. XVII stellt die Häuser 216 — 217 — und 218 vor, welche auf dem Anger der Angerklirche gegenüber, ehe man in die Mühlgasse kommt, an dem schmalen hölzernen Canale liegen, der zur großen Bequemlichkeit der Angerbewohner aus dem Angerbache unferne des Schleifers einläuft, und sich dann unweit des Karmeliterklosters in den Kanal ergießt.

A. Das Haus Nro. 216 ist ein Schank, und liegt an dem kleinen Gäßchen, durch welches man zum Bäcker durch’s Haus kommt.

(a) Es gehörte ursprünglich dem Kloster Anger, und wurde von da 1608 an den Steineisenkatholicon Baader verkauft; darauf kam es an den Tuchhändler Pongsak Radlhuber — 1619 an den Weinschänken Andree Haas — 1636 an Catharina Marina seligen Standes — darauf an Maria Kirmarinn — 1666 wurde es wieder vom Kloster Anger angekauft — 1804 kaufte es in der Zertheilung der Klostergebäude der Hofkammerrathliche Anton Dietler — 1805 kaufte es der dermalige Besitzer Gottlieb Ficher, bürgerl. Knopfmacher, dessen Arbeitsstube sich durch musterhafte Ordnung und Nettigkeit auszeichnet. Er hat seinen Verkaufsstand am Platze Nro. 86.

(b) Das Haus hat ein kleines Gärtchen, 2 laufende Wasser, wovon eines für das Publikum im Gäßl beim Bäcker durchs Haus ist, Keller und seine Retiraden.

(c) Im Hause wohnt obiger Knopfmacher, der Kanzlist Dietler, die lizentiat. Wittwe Frählin, die Wittwe eines bürgerlichen Kochs, 1 Stadtzimmerer, 2 Zimmerleute, und eine alte Klosteraufseherin.

B. Das gegenwärtige Brandweinerhaus Nro. 217 besteht aus 2 Häusern, wovon eines auf die andere Angerseite (der Rosenmarkt genannt) hinausgeht. Das Haus, von welchem hier die Rede ist,

(a) gehörte 1553 dem Pflastermeister Hanns Riethhauser — von diesem kam es 1577 an den Handschuhmacher Thomas Speiser — 1584 an den Lederer Christoph Aufrichter — darauf an den Ringer Jacob Harsch — 1587 an den Schaffer Ruprecht Hanns — 1604 an den Brandweiner Simon Hohberger — 1633 an Baltasar Khain — 1644 an Hanns Khain — 1673 an Georg Widmann — 1699 an Peter Gsengerider — 1745 an Georg Furt — 1768 an Mathias Schubauer — und 1785 an Walla Schubauer. Gegenwärtiger Besitzer ist der bürgerl. Brandweiner Xaveri Zinnmeister.

(b) Das Haus hat einen Hof, welcher ganz zur Führung der Brandweinerei hergerichtet ist, 1 Pumpbrunnen, Keller, Stallung und Retiraden.

(c) Das Haus wird von dem Brandweiner, und seinem ledigen Bruder bewohnt.

C. Das vormalige Nadlerhaus Nro. 218 hatte gleichfalls noch ein Haus gegen den Rosenmarkt hinaus. Dasjenige, wovon hier die Rede ist,

(a) gehörte 1550 dem Susachins Riedmaier vermutlich einem Metzger — und kam von da 1563 an Hanns Riedmaier deto — 1569 an Wolf Riedel, Metzger — 1587 an Conrad Reitsch, Metzger (dieser ist im Kriegsfalle nach Ungarn gezogen) — 1595 an Hanns Karl, Metzger — 1646 an Hanns Kraft deto — 1672 an Wolf Krautmüller, Bürger und Ziegelmeister — 1679 an Sebastian Höß, Bürger und Metzger — 1694 an Bartlmä Hilt, churfürstl. Rechnungscommissarius und Gerichtsschreiber des Wirthschaftsamtes — 1703 an Georg Engelbert Hormann, churfürstl. Rechnungscommissarius — 1718 an Xaveri Hormann, Bürgermeister in Aichach — 1718 an Paul Sonnenleuthner, Bürger und Stadtzimmermeister — 1733 an Balthasar Joseph Wichelmlehner, Bürger und Eisenhändler — 1751 an Martin Salzer, Bürger und Nadler — 1777 an Valentin Schmidt — 1802 an die städtische Benefiz-Stiftung, deren edler Zweck in Unterstützung der Schulen, Lehrjungen und Armen besteht. (Sieh Westenrieders Beschreibung von München, Seite 152.) Verwalter dieser Stiftung ist gegenwärtig der Herr Magistratsrath und Kaufmann Scheidenpfla.

(b) Das Haus hat einen Hof, 1 Schöpfbrunnen, Keller und Retiraden. Ehedem war das Haus mit Öfen und Ziegeln, so wie man sie in den Menagerien in vergitterten Behältnissen sperrt, vermauert.

(c) Zu ebener Erde wohnen die Künstlermeister Hofmann, und der Maurer Höck — in der ersten Etage aber der Schulhalter Jakob Pfaidler, welcher seinem mühsamen Geschäfte schon 28 Jahre obliegt, und in der Schule des Beschäftigungshauses auf dem Anger 32 Knaben der 3ten Classe unterrichtet, und zwar im Christenthum, Moral, Rechtschreibung, schriftlichem Auffassen, Kopf- und Tafelrechnung, Geographie, vaterländischer Geschichte, Naturgeschichte und Technologie.

Das letzthin mitgetheilte Blatt Nro. XVI stellte A. die Werkstatt eines Schäfflermeisters vor, wie eben ein Märzenfaß von 36 Eimern zusammengeheftet wird. Die aus Eichenholz (selten aus Fichten, Tannen- und Föhrenholz) verfertigten Dauben werden hier um den Spannreif herumgesetzt, und oben und unten mit dem Aufschläger befestigt. Die Schäfflergesellen schlagen mit einem eisernen Schlegel auf den Treibel (wovon ein Muster seitwärts auf der Bank steht) und zwängen durch den Treibel die Dauben fest.

An der Seite steht der Geselle mit dem Reifholz, um die Dauben zu halten, daß sie aus dem Deckel nicht heraus springen, während ein anderer auf die Handstange steigt, und mit einem großen eisernen Schlegel die Dauben herunter treibt. Nach dieser Zubereitung nimmt das Faß die Gestalt an, und man schüttet nach herausgenommenem Spannreif darin ein Feuer an (welches bey einem so großen Fasse 1 1/2 bis 2 Stunden dauern kann), und befeuchtet auch die Dauben von Zeit zu Zeit mit Wasser um dieselben weich und geschmeidig zu machen, damit sie sich leicht biegen und weniger abbrechen, wenn der Strafgang, nämlich eine mit einer Seilstimmung versehene besondere Winde, angebracht wird, um das Fass senkrecht zu befestigen und durch die Reibung anzureiben, wodurch man das Fass niederlegt, und mit einem Gefäß voll Wasser und 2 Öfen vorbereitet, um die Laugen zur hervorragenden Arbeit zu erhalten. — Jetzt wird das Fass von 2 Gesellen oben herum mit dem Grab- und Krummmeißel, auch mit einem Steinhobel gleichgemacht, oder gestemmt, darauf inwendig mit dem Dechsel ausgehöhlt, und endlich mit dem krummen Gerbehobel ausgearbeitet. — Nun wird der Krummhobel angewendet, um unten in den Dauben rund herum das Faß zu machen, in welchen der Boden hineinkommt. Der Boden wird in den dazu vorbereiteten Seitenbrettern vermittelst eines eigenen Zirkels in 6 Seiten abgetheilt, und dann eingetrieben, fest in den oben beschriebenen Falz eingetrieben. (Dies ist eine wichtige Arbeit, welche dem Fasse im Grunde seine ganze Haltbarkeit gibt.) Jetzt wird das Fass von außen sauber abgeschliffen, und entweder mit eisernen oder hölzernen Reifen gebunden. Darauf hobelt man mit dem Spundbohrer das Spundloch und die Zapfenlöcher für die Wippen mit dem Weinheber oder Abzapfer ein. Die Nierlöcher auf dem Boden werden mit dem Kranzhobel gemacht. — Um die Dauben hervorzubringen, werden die Eichen in Walde gefällt, nach gewissen Proportionen abgetheilt, und ungefähr 6–8 Zoll breit in lange Stücke entzwei gespalten, dann abgehauen, und zum Dörren aufgerichtet.

Nach über 2 Jahren kommen sie in die Werkstätte des Schäffers, wo sie nach ihrer wahren Länge zugeschnitten, dann mit einer Klinge und einem Reißmesser abgehobelt, mit einer Lade zugerichtet, und in die zwischen dem Pfand und Boden festgemachte Streiflade eingespannt, mit einem Gradmesser eben, und mit einem Streifhobel sauber gemacht, dann mit einem Krummmeißel auf der inneren Seite ausgehoben, und endlich auf der Stoßbank dem Stoßhobel nach Lehre oder Model vollkommen zurecht gerichtet werden. Der Schäffler arbeitet mit dem großen Hobel oder der Stoßbank gegen den Zügel und Zimmermann umgekehrt. Beim Küfer und Zimmermann liegt das Holz, und er führt den Hobel; beim Schäffler liegt der Hobel, oder die Stoßbank, und er führt das Holz.

Die Reifen werden aus jungen Birken- oder Haselnußstauden gemacht, indem man den jungen Stamm vorne ein wenig spaltet, mit dem Schäfter hineinführt, die Äußerung gespaltenen Theile in die Kliefsäule hineinlegt, in der rechten Hand den Schieber, und mit der linken den Stamm führt, und so denselben bis ans Ende in 2 Theile trennt. Alsdann wird er mit einem Gradmesser auf der Hainzelbank ausgeschnitten, an der Schießlade aufgeschoben, oder zum Reife rund gemacht, und mit einer Kette geschärft.

Beim wirklichen Ansetzen oder Abbinden wird der Reif mit Hämmern gebunden, welche man aus Rehgeweihen macht, und mit dem Bandstahl gleich in 3 Theile schneidet, sofort mit dem Bandhobel aufstreicht. Man sieht in der Kupferbeilage alle diese Instrumente, sowie die Eisenrahmen, wo die Grad- und Krummmeißel hangen. Ich danke diese deutliche Erklärung dem bürgerl. Schafflermeister Hrn. Bartlmä Wechser, und Niklas Koch.

B. Auf diesem Blatte Nro. XVI sieht man ferner am Hause Nro. 103 Schäffergesellen und Bäckerburschen, Mägde, die auf dem Markt gehen, einen Bierträger und Holzträger. — Wie notwendig es war, alle Inschriften an den Häusern von einer Hand, kompetenten prüfen zu lassen, beweist das Haus 103, wo der Maler unter das Maria Hülfsbild schreiben wollte:

Unter deinen Schutz fliehen wir.
Er schrieb aber:
Under deinen Schutz flüchen wir.

Am Hause sieht man ferner Blumenstöcke und Kanarienvögel; jene wohltätige Lebensvermehrung für Menschen, welche gerne ihre Freuden im Innern ihres Hauses, und nicht von außen suchen.

Auf dem Kupferstiche Nro. XVII ist die Werkstätte eines Küfers vorgestellt. — In der Mitte stehen zwei Küfergesellen an der Hobelbank. Jede Hobelbank hat zwei Zangen. Die vordere hat die Reibspindel von vorne, die hintere rechter Hand an der Seite. Hier ist an der vorderen Zange starkes Holz eingespannt, welches zwei Gesellen in Fourier oder in dünne Blätter schneiden, um damit Fässer einzulegen. — Man sieht auf dem Kupferstiche verschiedene Werkzeuge dieses Handwerks, als die verschiedenen Hobel, den Scharf-, grob- und feinen Schliff, den englischen Schliff, den Auszieher, die Zugbank, den Drehbohrer, die Laufsäge, die Leimpfanne, den Streifwinkel, den verschiedenen Stemmzeug, den Zirkel, die Bohrle, das Geißfußeisen, das Schrägwinkelmaß, die Schliefhobel, die Drehbank, den Knöpfel oder Schlegel, den Winkelhaken, den eisernen Reifschneider für feine Arbeit, die verschiedenen Lochbohrer, nebst Schraubzwingen zum Aneinanderleimen der verschiedenen Hölzer bestimmt, den Stichel, um die Hölzer einzuspannen, darauf zu leimen, endlich das Schneidmesser.

Man sieht zugleich verschiedene Vorrichtungen zur Arbeit, z. B. Setzeisen, um die Fässer darin abzuschneiden, dann einen fertigen Mannwerksstock, worin oben ein Gehäuse, (welches man rechts und links verlängern kann, wenn man den Deckel öffnet) ein Spiegel, alle Sachen zum Frisieren, Wasch- und Rasieren, 4 Schubladen, und noch ein verborgener Schub befindlich sind.