Erklärung der Kupferbeilage.
b) Neben dem schönen Thurme steht ein kleines Haus Nro. 84, zum Hackenviertel gehörig, worauf das Stadtwappen, und ein Altöttingerbild gemalt ist, welches Haus eigenthümlich der Stadt München selbst angehörig ist. Seit unvordenklichen Jahren wird dieses Haus von dem Stadtbrunnknecht bewohnt. Der gegenwärtige Inwohner heißt Georg Zeiß. Unter seine Obliegenheiten gehören die Hof-, Herzog-Max-, Altenhof-, Theatiner-, Landes-Directions-, Hofstall- und weiße Bräuhaushöfe, dann die Rathaus-, Peters-, Frauen- und Schönturmuhr. Eben so ist ihm von der Ruffinischen Familie die Ruffinithurmuhr übertragen. Dieses Haus hat weder Hof, Stallung, Garten, noch Brunnen, wohl aber eine ordentliche Retirade.
c) Daneben an Ecke der Fürstenfeldergasse steht das Haus Nro. 83, zum Hackenviertel gehörig, welches ursprünglich die Residenz Kaiser Ludwigs des Bayern war, dessen Gebeine gegenwärtig in der Unser Lieben Frauen Kirche ruhen. — Als sich dieser um Bayern, und besonders um die Stadt München eben so verdiente als unglückliche Kaiser in Rom in großer Geldnoth befand, näherte sich ihm in einer Kapelle, wo er betete, ein unbekannter Benediktiner Mönch, und sagte ihm, daß er von einem vornehmen Italiener das erforderliche Geld erhalten würde, wenn er ihm die Freyheit sowohl seines Landes als seiner Person bewilligen würde. Dagegen sollte der Kaiser zu Ehren eines alabasternen Mutter Gottes Bildes, welches er ihm schenkte, in dem bayerischen Gebirgorte Ammergau ein Kloster bauen. — Der vornehme Herr erschien wirklich bey dem Kaiser, bezahlte ihm für seine und seines Landes Freyheit 150,000 fl., und der Kaiser baute das Kloster Ettal, welchem er auch dieses sein Residenzhaus in der Stadt schenkte, und darauf den alten Hof bezog. Dieser Geschichte soll die Mahlerey auf dem Hause ein Andenken seyn. — Siehe Prof. Westenrieder’s Beschreibung von München Seite 27. — Dieses Haus gehörte also dem Kloster Ettal bis zur Aufhebung der ständigen Klöster in Bayern nach dem Lüneviller Friedensschlusse. — Seit vielen Jahren wurde das Gewölbe unten in diesem Hause von Buchhändlern bewohnt, nämlich von Johann Gafl, und Urban Gafl, welcher letztere im Jahre 1753 das Haus vom Kloster kaufte; da er aber einige Jahre nachher die Buchhandlung seines Vaters, Johann Gafl, in Stadtamhof bezog, ließ ihm das Kloster das Haus wieder ab. Nach ihm bezog dieses Gewölbe Nepomuk Fritz, und ihm folgte Joseph Lentner, welcher gegenwärtig dieses Haus zu seinem Eigenthum erkauft hat, und eine der vorzüglichsten Buchhandlungen sowohl in Hinsicht auf Verlag, als Speditionsgeschäfte in ganz Bayern besitzt. — Das Haus hat einen Hof, Garten, der an den Kanal stößt, Schöpf- und Seifenbrunnen, und Retiraden.
d) Das gegenüberstehende Haus Nro. 17 im Kreuzviertel hat ursprünglich mit dem außerhalb dem schönen Thurm stehenden Eisenhändlerhause ein Haus ausgemacht. Als Eigenthümer dieses Hauses kommen vor vom Jahre 1529 bis 1600 die Familie des Meisters Mathias Zweng und Jakob Zweng zu Bodenendorf, — 1600 Michel Friedinger von Dettenhofen, — 1606 Paul Schmied, Eisenhändler, — 1640 Ferdinand Hoff, des Raths, — 1656 Bernhard Schlaucher, Bürger und Eisenhändler, — 1679 Ruprecht Nettenwandler, Bürger und Eisenhändler, — 1684 Johann Braun, gewesener churfürstl. Pfleger zu Gräfelfing, — 1725 Johann Benno Hohenadel, churfürstl. Hofraths-Secretär, — 1757 Lorenz Prehauser, Bürger und Silberarbeiter, — 1767 M. Catharina Wiedmannin, bürgerl. Goldarbeiters Tochter, — 1768 Lorenz Schonger, Bürger und Silberarbeiter, dann 1796 der jetzige Besitzer Joseph Hurner, Bürger und Silberarbeiter. — Das Haus hat einen Hof, ein Gärtchen, Stallung, Pumpbrunnen und Seifenwasser, dann Retiraden, geht hinten an den Canal, und hat Communication mit der Einfahrt des Bürgerl. Gasthofs Carl Albert. — Das Gebäude im Hofe ist vermuthlich im Jahre 1738 zur Hälfte abgebrannt. Ein Theil blieb stehen, worauf das Bild des heil. Franziscus Xaverius mit der Unterschrift gemalt ist:
Sta flamma! satis est!
Non amplius ure!
Auf dem andern Gebäude ist das Bildniß des heil. Johann von Nepomuc mit der Unterschrift:
Jesu crucifixi Secretarius 1738.
Es wohnt darinnen der Dott. Med. Holzer, der Silberarbeiter Hurner, bey welchem vorzüglich schönes Silbergeschmeide für die Bürger gearbeitet wird, dann der Buchbinder Rieger, Zuckerbäcker Reutter und Materialhändler Gaube, wovon sich der Buchbinder Rieger durch seine nette Arbeit, der Zuckerbäcker Reutter durch seinen vorzüglichen Geschmack in Tafelverzierungen, mit viel Belesenheit und Kunstgeschmack verbunden, und Gaube durch gute Waare, auszeichnen. — Weiters befindet sich darinnen ein Schneider, Schuster und Lehensrößler.
Auf der Straße unter diesem Thurme sieht man auf dem Kupferstiche Bauern, die von der Mauthalle unter Hülfe eines Trunkenboldes ab- und zugeführt werden, eine militärische Ordonnanz, ein paar Tyroler, Mädchen, die auf den Markt gehen, und einen Friseur, welcher sich sehr zu seinen Kunden eilt.