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Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 06

Bild-Details
Titel
Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 06
Datierung
Unbekannt
Bildart
Kupferstich
Quelle Buch
Regnet - München in guter alter Zeit
Verschlagwortung
Schöner Turm
Beschreibung

Erklärung der Kupferbeilage.

  1. Gegenwärtiges Blatt stellt die Ansicht des neuen Thurmes vor, welcher die Kaufingergasse von der Neuhausergasse trennt. Als Herzog Heinrich der Löwe von Baiern München erbaut hatte, wurden Gräben um die Stadt gezogen, und zwar vom Rathausthurm bis zum Blau-Enten-, gegenwärtig Ruffinithurm, von diesem bis zum schönen Thurm, von diesem bis zum Wildbrettthurm, welcher seiner Zeit zwischen den englischen Fräulein und dem Zachen außerhalb gestanden hatte, und endlich von da wieder bis zum Rathausthurm. — Dieser schöne Thurm war also ein Stadttor, bis nach und nach die Stadt bis zum gegenwärtigen Karlsthor erweitert worden ist. Ursprünglich hatte er mehrere kleinere spitzige Thürmchen um einen Hauptspitz, welche mit vielfärbigen glasierten Platten gedeckt waren, und für die damalige Zeit ein gefälliges Aeußeres gewährten. Man glaubte, daß diese Thürmchen wirklich baufällig seien, und sie wurden nach und nach abgetragen, wo man erst sah, wie fest sie gestanden sind, und im Jahre 1777 erhielt der Kopf dieses Thurmes die gegenwärtige mit Brettern verschlagene Form. Die Jahrzahl 1727 neben der Uhr beweist, daß schon damals eine Renovation an demselben vorgenommen worden sein muß. An der Seite dieses Thurmes, welche gegen die Kaufingergasse sieht, bemerkt man noch, mit welcher imponierenden Schönheit nach damaliger Sitte derselbe übermalt gewesen ist. Die zweite Etage von unten hinauf stellt den Kaiser auf dem Throne sitzend vor. Die Churfürsten und die Großen des Reiches ihre Wappen zu den Füßen stehen dem Kaiser rechts und links zur Seite. Vor diesem majestätischen Versammlungsplatz pflügt ein Bauer das Feld. Über dem Kaiser sind die Banner des Reiches, und unter dem Kaiser die Banner des bayerischen Hauses. In der 4ten Etage verkündigen Trompeten und Cymbeln, wie der Bauernstand durch diesen öffentlichen Beweis des seinem Fleiße zugesicherten Schutzes geehrt sei. An den Knäufen des Thurmes sind verschiedene Verzierungen, und ganz unten neben dem gothischen Tore Menschen aus verschiedenen Ständen vorgestellt, welche über diese Szene ihren Beifall zu geben scheinen. Es ist dabei eine Umschrift enthalten, wo man das Wort Jahr Christi noch deutlich lesen kann, keineswegs aber die Jahrzahl. Das Münchner Stadtwappen befindet sich in der Füllung des Thores. — Als im Jahre 1706 ein Theil des Reichsheeres, und der französischen Armee bey München zusammen stießen, flog während dem Feuern eine Hausbombe von dem durch kaiserliche, königliche und französische Truppen besetzten Gasteigberge bis an die zweite Fensteröffnung dieses Thurmes, wo der pflügende Bauer angebracht ist. Diese Hausbombe prallte vom Thurme ab, und fiel zu den Füßen des Leinwirths Carl Hölbert nieder, welcher sie noch aufbewahrt. — Über der Uhr stehen zwei Männchen, welche die Stunden auf der Glocke anzeigen. — Die Kugel unter der Uhr zeigt, wenn die Maschine ordentlich eingerichtet ist, die Mondwechsel; und die im Thurme befindliche Glocke wird geläutet, wenn ein Miethschüler zum Tode geführt wird, um die übrigen Menschen zum Gebete für ihn einzuladen. Die Tradition (worüber man aber bis jetzt noch kein Attentat hat finden können) sagt, daß diese Glocke von einem Goldarbeiter gestiftet worden sei. Der nämliche Mann kam in Verdacht, Juwelen aus einem vornehmen Hause entwendet zu haben, und die Tortur preßte ihm das Geständniß ab. Er wurde hingerichtet, und zum ersten für ihn die Glocke geläutet. Erst nach seinem Tode entdeckte sich, daß ein Dieb der Dieb war. — Dem vaterländischen Geschichtsfleiße des durch seine Talente, und schnell umfassende Geschäftstätigkeit unvergesslichen Stadtoberrichters Bergmann hat man es zu verdanken, daß von diesem Thurme durch Nepomuk Maag eine illuminierte Zeichnung aufgenommen wurde, welche gegenwärtig der Oberjustizrath von Effner besitzt.

b) Neben dem schönen Thurme steht ein kleines Haus Nro. 84, zum Hackenviertel gehörig, worauf das Stadtwappen, und ein Altöttingerbild gemalt ist, welches Haus eigenthümlich der Stadt München selbst angehörig ist. Seit unvordenklichen Jahren wird dieses Haus von dem Stadtbrunnknecht bewohnt. Der gegenwärtige Inwohner heißt Georg Zeiß. Unter seine Obliegenheiten gehören die Hof-, Herzog-Max-, Altenhof-, Theatiner-, Landes-Directions-, Hofstall- und weiße Bräuhaushöfe, dann die Rathaus-, Peters-, Frauen- und Schönturmuhr. Eben so ist ihm von der Ruffinischen Familie die Ruffinithurmuhr übertragen. Dieses Haus hat weder Hof, Stallung, Garten, noch Brunnen, wohl aber eine ordentliche Retirade.

c) Daneben an Ecke der Fürstenfeldergasse steht das Haus Nro. 83, zum Hackenviertel gehörig, welches ursprünglich die Residenz Kaiser Ludwigs des Bayern war, dessen Gebeine gegenwärtig in der Unser Lieben Frauen Kirche ruhen. — Als sich dieser um Bayern, und besonders um die Stadt München eben so verdiente als unglückliche Kaiser in Rom in großer Geldnoth befand, näherte sich ihm in einer Kapelle, wo er betete, ein unbekannter Benediktiner Mönch, und sagte ihm, daß er von einem vornehmen Italiener das erforderliche Geld erhalten würde, wenn er ihm die Freyheit sowohl seines Landes als seiner Person bewilligen würde. Dagegen sollte der Kaiser zu Ehren eines alabasternen Mutter Gottes Bildes, welches er ihm schenkte, in dem bayerischen Gebirgorte Ammergau ein Kloster bauen. — Der vornehme Herr erschien wirklich bey dem Kaiser, bezahlte ihm für seine und seines Landes Freyheit 150,000 fl., und der Kaiser baute das Kloster Ettal, welchem er auch dieses sein Residenzhaus in der Stadt schenkte, und darauf den alten Hof bezog. Dieser Geschichte soll die Mahlerey auf dem Hause ein Andenken seyn. — Siehe Prof. Westenrieder’s Beschreibung von München Seite 27. — Dieses Haus gehörte also dem Kloster Ettal bis zur Aufhebung der ständigen Klöster in Bayern nach dem Lüneviller Friedensschlusse. — Seit vielen Jahren wurde das Gewölbe unten in diesem Hause von Buchhändlern bewohnt, nämlich von Johann Gafl, und Urban Gafl, welcher letztere im Jahre 1753 das Haus vom Kloster kaufte; da er aber einige Jahre nachher die Buchhandlung seines Vaters, Johann Gafl, in Stadtamhof bezog, ließ ihm das Kloster das Haus wieder ab. Nach ihm bezog dieses Gewölbe Nepomuk Fritz, und ihm folgte Joseph Lentner, welcher gegenwärtig dieses Haus zu seinem Eigenthum erkauft hat, und eine der vorzüglichsten Buchhandlungen sowohl in Hinsicht auf Verlag, als Speditionsgeschäfte in ganz Bayern besitzt. — Das Haus hat einen Hof, Garten, der an den Kanal stößt, Schöpf- und Seifenbrunnen, und Retiraden.

d) Das gegenüberstehende Haus Nro. 17 im Kreuzviertel hat ursprünglich mit dem außerhalb dem schönen Thurm stehenden Eisenhändlerhause ein Haus ausgemacht. Als Eigenthümer dieses Hauses kommen vor vom Jahre 1529 bis 1600 die Familie des Meisters Mathias Zweng und Jakob Zweng zu Bodenendorf, — 1600 Michel Friedinger von Dettenhofen, — 1606 Paul Schmied, Eisenhändler, — 1640 Ferdinand Hoff, des Raths, — 1656 Bernhard Schlaucher, Bürger und Eisenhändler, — 1679 Ruprecht Nettenwandler, Bürger und Eisenhändler, — 1684 Johann Braun, gewesener churfürstl. Pfleger zu Gräfelfing, — 1725 Johann Benno Hohenadel, churfürstl. Hofraths-Secretär, — 1757 Lorenz Prehauser, Bürger und Silberarbeiter, — 1767 M. Catharina Wiedmannin, bürgerl. Goldarbeiters Tochter, — 1768 Lorenz Schonger, Bürger und Silberarbeiter, dann 1796 der jetzige Besitzer Joseph Hurner, Bürger und Silberarbeiter. — Das Haus hat einen Hof, ein Gärtchen, Stallung, Pumpbrunnen und Seifenwasser, dann Retiraden, geht hinten an den Canal, und hat Communication mit der Einfahrt des Bürgerl. Gasthofs Carl Albert. — Das Gebäude im Hofe ist vermuthlich im Jahre 1738 zur Hälfte abgebrannt. Ein Theil blieb stehen, worauf das Bild des heil. Franziscus Xaverius mit der Unterschrift gemalt ist:

Sta flamma! satis est!
Non amplius ure!

Auf dem andern Gebäude ist das Bildniß des heil. Johann von Nepomuc mit der Unterschrift:
Jesu crucifixi Secretarius 1738.

Es wohnt darinnen der Dott. Med. Holzer, der Silberarbeiter Hurner, bey welchem vorzüglich schönes Silbergeschmeide für die Bürger gearbeitet wird, dann der Buchbinder Rieger, Zuckerbäcker Reutter und Materialhändler Gaube, wovon sich der Buchbinder Rieger durch seine nette Arbeit, der Zuckerbäcker Reutter durch seinen vorzüglichen Geschmack in Tafelverzierungen, mit viel Belesenheit und Kunstgeschmack verbunden, und Gaube durch gute Waare, auszeichnen. — Weiters befindet sich darinnen ein Schneider, Schuster und Lehensrößler.

Auf der Straße unter diesem Thurme sieht man auf dem Kupferstiche Bauern, die von der Mauthalle unter Hülfe eines Trunkenboldes ab- und zugeführt werden, eine militärische Ordonnanz, ein paar Tyroler, Mädchen, die auf den Markt gehen, und einen Friseur, welcher sich sehr zu seinen Kunden eilt.