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Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 01

Bild-Details
Titel
Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 01
Datierung
Unbekannt
Bildart
Kupferstich
Quelle Buch
Regnet - München in guter alter Zeit
Verschlagwortung
Beschreibung

Erklärung der Kupferbeilage.

Die gegenwärtige Kupfer-Beilage stellt die Häuser Ziffer 270, 271 und 272 in der Schwabingergasse des Graggenauer-Viertels vor.

a. Das Haus Ziffer 270 hat einen Hof, laufendes Wasser und Retiraden. — Als Eigentümer desselben kommen vor: — 1552 Anton Friesel, — 1598 der Bürger und Gastgeber Peter Kern, — 1613 Onuphrius Abel und dessen Bruder Veit Abel, Weinwirthe, — 1617 Johann Peringer, churfürstl. geheimer Rath und Pfleger zu Weilheim, — 1632 Johann Pröbst, Weinzaller beim Weinstadel, — 1637 Johann Murat, churfürstl. Pfistermeister, darauf Georg Murat, Hofpastetenkoch, — 1660 das Kloster Tegernsee, — 1660 Christoph Pfetterl, churfürstl. Leibarzt, — 1669 Franz Strebl, Landschafts-Physicus, — 1702 Johann Joseph Getzler, Stadtphysikus, — 1733 Anton von Hagenau, Hofkriegsrath und Senior Collegi, — 1768 Maria Dominica von Lehlsmacher auf Sonderheim, churfürstl. Kammerfrau, — 1769 Joseph Ignaz Siegel, churfürstl. Hofkammer-Sekretär, und resignierter Kränzjoller von Lechhausen, — 1784 Ferdinand Sieber, Bürger und Wundarzt, — 1788 Xaveri Kaltner, Bürger und Hofkammerrentmeister, — 1789 Joseph Kistler, churfürstl. Hofrath, — darauf Leopold Kriegl, churfürstl. geheimer Rath und Hofapothekendirector, — seit 1804 Franz Joseph Sammet, geheimer Landesarchivar. — In diesem Hause wohnen obiger Hr. Fr. Joseph Sammet, welcher wegen seinen staatskritischen Kenntnissen von Baiern allgemein geehrt ist; — und das Gewölbe bewohnt der Handelsmann Paul Gandrill allhier in Mode, Seide, weißen und schwarzen Waaren.

b. Das Haus Ziffer 271 ist das Hufschmiedhaus. Auf dem Hause ist gemalt eine triumphierende Maria, welche die Schlange unter ihre Füße tritt, dann das Wappen, welches von Johann Baptista Carl, Doktor, des päpstlichen Stuhles zu Rom Protonotarius apostolicus, römisch-kaiserl. Rath, Pfalz- und Hofgrafen und Dechant zu Weichs an der Glonn, dem Besitzer dieses Hauses Thomas Fuchs, Bürger und Bierbrauer in München den 12ten April 1669 verliehen worden ist. — Das Haus hat einen Hof, Schöpf- und Seifenbrunnen, Retiraden und Stallung. — Als Eigenthümer dieses Hauses kommen vor: — 1516 Hanns Kastenmaier, Bürger und Bierbrauer, — 1556 Georg Balß dito, — 1572 Georg Weiß dito, — 1575 Peter Reutter dito, — 1600 Steph. Reutter dito, — 1648 Michael Reutter dito, — 1669 Thomas Fuchs dito, — 1686 Hanns Paul Fuchs dito, — 1727 M. Hypolita Fuchsin, — 1733 deren Mann Daniel Hohenstaller, Bierbrauer, — 1736 Jos. Neumair dito, — 1742 Jos. Sedelmaier dito, — 1765 Benno Wiser dito, — 1770 Franz Anton Häusler, ein durch sein Betragen, und durch seine ökonomischen Kenntnisse geehrter Mann, welcher jetzt von seinem Ersparten lebt, — und seit 1792 der dermalige Besitzer Johann Hierl. — Im Hause wohnt der Kammerdiener des Oberhofagenten Geeligmann, unten der Bräu mit seiner Bräustatt, und ein Lottolädchen Nro. 7.

— Die Polizei glaubt bemerken zu dürfen, daß die Reinlichkeit in einer Bräu- und Wirthsstube großen Einfluß auf die Gesundheit der Gäste habe, die diese Wirthsstube besuchen. Nun ist dieses Bräuhaus sehr reinlich. An der Wand sind geistliche Malereien, eine Schlaguhr, und Rebhütten, um die Hüte aufzuhängen. — Eine Tafel mit der Aufschrift: „Jedermann wird höflich ersucht, gleich zu bezahlen.“ — Über der Thüre ist ein auf Holz gemaltes Buch, welches nachfolgende Lebensregeln enthält:

Regula Vitae

Ruf an dein Gott,
Halt sein Geboth,
Leid Geduld in Noth,
Gieb den Armen Brod,
Schweig, trag, und leid,
Die Unzucht meid,
Frag nicht nach Kleid,
Hab Acht der Zeit,
Auf Freund nicht bau,
Dich allen trau,
Auf dich selbst schau,
Sey nicht zu genau,

In diesem Hause stehen folgende Bothen ein. Der Both von Pollach kommt alle Freytage, und geht Samstags ab; — der Both von Hohenwart eben so; — der Both von Frontenhausen kommt alle 14 Tage Donnerstags, und geht ab Sonntags; — der Both von Tannau eben so; — der Both von der Stadt Semnath kommt alle Monate den 24. oder 27., und geht ab 2 Tage darauf; — der von Deggendorf kommt allemal den 5. des Monats, und geht 2 Tage darauf ab. — In diesem Hause haben ihre Herbergen die Geschmeidmacher und Zirckelschmiede, dann die Hutmacher, von denen jedes Metier seinen besonderen Tisch hat. Die Geschmeidmacher und Zirckelschmiede haben als Schild einen großen Zirkel nebst einer Schraube über dem Tische hangen, und zwar in Glas eingefaßt, und mit Bändern geziert. Die Papiere sind in eine besondere Kiste, Lade, verwahrt. Gegenwärtig sind 15 Gesellen hier. Obergesell ist Melchior Heimstreiter, ein Münchner. Sie besitzen als Willkommen einen großen zinnernen Pokal, an welchem 17 Löwenköpfe mit Ringen befindlich sind. Die silbernen Schilde, welche sonst an den Löwenköpfen hingen, haben die Gesellen aus eigenem Antriebe den barmherzigen Brüdern schenkungsweise übergeben, weil die kranken Gesellen auch Gutes daselbst genießen. — In München befinden sich 5 Geschmeidmacher und 1 Geschmeidinhaber. Führer ist Bernhard Semmler am Färbergraben Nro. 91.

Der Schild der Huterer besteht aus einem Gehänge von Hüten von allen Farben und Moden, mit Mützen, Borten, Schnüren und Verzierung nach allen Arten, schwarze, weiße, graue, blaue, grüne Glockenhüte, runde, dreieckige Filzhüte, Pelzhüte und Filzhuben. Das Gehänge hängt unter dem Siege, woran der Fachbogen und das Schlagholz befestigt ist. — Huterergesellen sind gegenwärtig 15 hier. Ihre Gesellen-Oberführer sind: Xaver Löffler von Eggenfelden, und Fritz Rieder aus Mähren. — Sie besitzen auf der Herberge einen zinnernen Willkommen. Auf dem Deckel ist eine Löwe mit einem Hute auf dem Kopfe und der Jahreszahl 1751. — Umschrift: Lorenz Mittermaier von Straubing als ältester Führer. Martin Dröl von Gern als jüngster Führer. Als Verzierungen sind um den Hals des Bechers Löwen, welche Hüte halten. 19 silberne Schilde hängen an farbigen Bändern um den Becher herum. Auf jedem ist ein Hut mit verschiedenen Anfangsbuchstaben gestochen. — Hutmachermeister befinden sich in München 9. — Ihre Führer sind Georg Wendl in der Schäfflergasse Nro. 90, dann Michael Weichselbaum am Anger Nro. 282.

Die Zeichnung unten stellt vor, wie ein Bürgersmann, z. B. ein Bräuer, dessen Kleidung zwischen der alten und neueren Mode schwebt, an Sonn- und Feiertagen sich kleidet. Der Mann trägt eine rote Weste von Moir mit goldenen Borten und silbernen Knöpfen, einen stahlgrünen Überrock, ebenfalls mit silbernen Knöpfen, dann einen braunen Mantel mit goldenen Spangen. — Die Bräutin trägt eine Kleidung, welche sich etwas der Jungbauerschaft nähert, mit Gold gestickt, einen schwarzen Flor mit einer silbernen Schnalle um den Hals, ein weißes Halstuch, ein rosenfarbiges Korsett, einen blautotirenen Rock, und ein schwarzes seidernes Fürtuch.

c. Das Haus unter Ziffer 272 macht das Eck zwischen der Schwabinger- und Perusagasse, ist gelb in gelb mit Laubwerk und Festons übermalt, und oben im Giebel steht in der Nische ein Bildniß der unbefleckten Empfängniß. — Das Haus hat einen Hof, laufendes Wasser, Stallung und Retiraden. Es gehörte ursprünglich dem Kloster Scheyern. Abt Gregorius verkaufte es 1661 mit der damals darauf haftenden Bräugerechtigkeit an Georg Allmann, churfürstl. Bräuverwalter allhier. — Im Jahre 1676 kommt als Hauseigenthümer vor: Mathias Pimpfl, churfürstl. Hofuntermeister, und Albrecht Pumer, churfürstl. Hofzahlmeister. — 1684 der churfürstl. geheime Rath Pongratz v. Leißling. — 1697 Maria Wilhelmina Theresia Gräfin von Rivera, geb. Gräfin von Preysing. — 1711 deren Tochter M. A. Josepha Gräfin von Perusa. — 1758 Carl Felix von Bertrand Graf von Perusa, churfürstl. Hofrath. — 1770 Max Emanuel Graf von Gaising, churfürstl. General-Feldzeugmeister. — 1770 der gegenwärtige Besitzer Joseph Graf v. Salern, churfürstl. Kammerer, wirklicher geheimer Rath, Oberst-, Land- und General-Feldzeugmeister, Inhaber eines Infanterie-Regiments, und des hohen Michaeli-Ordens Großkreuz; ein 86jähriger Greis, der älteste lebende Cavalier am hiesigen Churhofe, welcher seit 1739 in churfürstl. Militärdiensten steht, über 42 Jahre General, und über 60 Jahre Großkreuz des Michaeli-Ordens ist, und in seinem hohen Alter den vollkommenen Gebrauch aller Sinne hat.

In diesem Hause wohnt der vormals herzogl. zweibrückische Hofmarschall Freyherr von Gailing, dann der churfürstl. Finanz-Referendär v. Schenk. — In den Häusern sind ein Cavallerie-Officier und Bauern vorgestellt, welche bey dem Hacken ihre Wägen einstellen und abladen.