Alte Bücher

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Münchener Stadtbuch

L. Alte Gebräuche und Sitten

4. Der Metzgersprung.

Während dieses Spruches schlägt der Altgeselle mit flacher Hand die Lehrlinge wiederholt und derb auf die Schulter. Mit einem Male springen nun plötzlich alle Jungen jubelnd in den Brunnen, werfen unter die umstehende Zuschauermenge Nüsse u. dergl. aus, und begießen und bespritzen die Kinder, die sich herandrängen um eiligst die Nüsse aufzuheben, aus den vorhandenen Schapfen mit reichlichen Wassergüssen, worüber natürlich großes Gelächter und Jubelgeschrei entsteht. Hat dieser nasse und kalte Spaß einige Zeit lang gedauert, so steigen die Freigesagten aus ihrem Bade; jedem wird nun ein weißes Tuch um den Hals gebunden, und jeder mit einem blauen Bande geschmückt, an welchem silberne und vergoldete Schaumünzen, nämlich die Pathengeschenke ihrer kleinen Gevattern oder Thaler als Andenken von ihren sonstigen Verwandten und Freunden hängen. Von diesem Augenblicke an sind jene Lehrlinge freie und ehrsame Metzgersknechte; sie gehören nun zur Metzgerzunft, und dürfen bei allen Gelagen mit einem ehrbaren Mädchen tanzen.

Sobald die Freigesprochenen wieder umgekleidet sind, geht der Zug in die Herberge zurück. Die Abende des Fasching-Montages und Dienstages schwinden bei Schmaus, Gesang und fröhlichem Tanze in Freuden dahin, und somit endet die alljährliche Lustbarkeit dieses altherkömmlichen Zunftgebrauches.

Das Jahr der Entstehung dieses Gebrauches ist eben so unbekannt, wie beim Schäfflertanze; die Volkssage aber knüpft ihn gleichfalls an eine große Pest in alten Zeiten.
 

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