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Münchener Stadtbuch

XXXVI. Die Ordensschwester Clara Hortusana im Kloster am Anger.

1680.

Als Hortulana einstmals nach der Kollation aufden obern Chor gegangen, allda ihr Gebet zu verrichten, kam der Teufel und plagte sie mit heftiger Anfechtung, ist aber von ihr überwunden worden; doch versetzte er ihr einen Schlag an die Stirne, mit welchem er ihr ein Brandmal aufdrückte, das sie bis zu ihrem Tod behielt. Hierauf aber wurde sie ihrem heiligen Schutzengel übergeben, welcher, um sie nach ihrem Verlangen zur Märtyrin zu machen, Angesichts dreier andern Schwestern aus dem obern Chor in den untern Chor an ein Betpult warf, so daß sie am Schlafe eine große Wunde bekam, aus welcher Blut und nachher Wasser floß.

Häufig erschienen ihr arme Seelen, deren mehrere sie aus dem Fegefeuer erlösete, aber dafür auch von ihnen viele Gegendienste und kräftige Unterstützung gegen die teuflischen Anfalle erhielt. Für deren Erlösung betete sie Tag und Nacht, fastete vielfach streng, unterwarf sich harten Disciplinen, wachte ganze Nächte und erbettelte solche wohlthätige Handlungen auch von andern ihrer Mitschwestern.

Sehr wunderbar ist folgendes Ereigniß, das ihr zustieß, welches wir so viel als möglich aus dem klösterlichen Auszuge ihrer eigenen hinterlassenen Schriften hiemit geben.


Anno 168S den 27. August, ungefähr um 10 Uhr Nachts, ist die gottselige Schwester Clara Hortulana

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