Zum Inhalt springen
Menü

Alte Bücher

Zum Buch

Seite 53
PDF Export

Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Bernried

„Die Alten haben finstere Kirchen und lichte Herzen gehabt,“ sagt ein bayerisches Sprichwort. Kirchen= und Klostergebäude sind hier äußerst einfach; es herrscht darin durchaus keine Pracht, Kunst oder Zierde. Der mächtigsten Grafen in Bayern einer, Otto von Valley, und Adelheid, seine Gemahlin, eine königl. Prinzessin aus Sizilien, hat im Jahre 1120 seine Burg nebst Zugehör in ein regulirtes Chorherrnstift umgewandelt, welchem später durch bayer. Herzoge noch verschiedene Freiheiten zu Theil geworden.

Berühmt wurde dasselbe durch zwei, damals am gelehrten Himmel außerordentlich glänzende Gestirne, und zwar schon unter den ersten Pröbsten Sigiboto und Otto. Herluka, von Epfach am Lech vertrieben, lebte hier in Gesellschaft vieler andern Jungfrauen nicht nur dem Gebete, sondern auch der Bücherkunde. Dabei erwarb sie sich den Ruf einer Seherin in die Zukunft über die Schicksale des deutschen Reiches. Die berühmte Heidelberger Bibliothek, welche Maximilian I. dem Papste Gregor XV. schenkte, soll die Sammlung derselben besessen haben.

Paulus, ein Chorherr zu Regensburg, in’s Elend verwiesen, weil er die Parthei des Papstes Gregor VII. wider die Kaiser Heinrich IV. u. V. öffentlich ergriffen, fand hier eine schützende Zelle. Er beschrieb das Leben des obigen Papstes und der seel. Herluka; die Originale nahm der Jesuit Gretscherus aus dem Kloster, und schickte dafür gedrukte Kopien. Der von Paulus geschriebenen bayerischen Chronik wegen pflegte ihn Churf编写 Max I. seinen bayerischen Livius zu nennen. Die Gebeine des Stifters und der sel. Herluka liegen in zwei Grüften zu beiden Seiten des Chors der jetzigen Pfarrkirche ohne alle Bezeichnung. Dagegen gewahrte man in der Mitte eine Steinplatte mit der Schrift: Anno Domini 1433 obrutus est Dominus Praepositus hic. Die Volkssage hat sich auch in Schrift erhalten, daß hier ein Probst, Udalrikus III., zu geizig, dem Klostergesinde den kleinen Geldverdienst für das Aufziehen der Christusfigur am Himmelfahrtstage zukommen zu lassen, dieß Geschäft selbst verrichten wollte, aber durch die Deckenöffnung herabgestürzt, und todt geblieben sey.

Bernried liegt eine Stunde von Tuznig, und etwas weiter von Seeshaupt entfernt, schließt die Südseite des Würmsees, und tritt dem Blicke, der ganzen Länge desselben aufwärts nach, freundlich schimmernd entgegen.