Malerische Topografie des Königreichs Bayern
Odeons-Platz
Dieser Platz hat seine Benennung von dem Odeon, welches auf dem vorliegenden Blatte, aus Mangel des Raumes, nicht sichtbar ist.
Das Odeon, in der neuesten Zeit erbaut, ist zu Feierlichkeiten, welche für das Innere der königlichen Residenz nicht geeignet sind, zu Bällen und Concerten bestimmt. Auch hält die zahlreiche Gesellschaft des Liederkranzes hierin ihre glänzende Versammlungen. Dasselbe enthält einen prächtigen Saal von großem Umfange mit einigen Kleinern, und vielen Zimmern. Bey feierlichen Gelegenheiten auf italienische Weise beleuchtet, nimmt dieses Gebäude sich herrlich aus.
Ihr gegenüber, im nämlichen Style erbaut, aber von weit größerer Ausdehnung, steht der herzoglich) von Leuchtenbergische Pallast, die erlauchte Wiege von Kaiserinnen und Königinnen. Solcher ist durch eben so geschmackvolle als kostbare Meublirung, vorzüglich durch die aus Meisterhänden bestehende Bildergalerie, ausgezeichnet, in welcher auch Canova’s berühmte Grazien aufgestellt sind. Wenige werden diese Hallen betreten, ohne der großen Thaten und menschenfreundlichen Handlungen ihres erhabenen Erbauers mit Ehrfurcht sich zu erinnern, und seinen so frühen Verlust wehmüthig zu betrauern.
Der Odeons=Platz liegt mit dem Ludwigs= und der Brienner= dann den beyden Schwabinger (Residenz= und Theatiner=) Straßen im nächsten Zusammenhange. In der zuletzt genannten verdienen das ehemalige Kloster der Theatiner und die Hofkirche des heil. Kajetans besonders beachtet zu werden.*) Die Klostergebäude sind nunmehr der Sitz des königlichen Ministeriums der Finanzen und der verschiedenen denselben untergeordneten Bureaus. Die Kirche, eine der schönsten Deutschlandes, welche durch ihre großartige Pracht an die St. Peterskirche zu Rom erinnert, wurde in den Jahren 1663 bis 1675 von Augustin Borella Architekt des Magistrats zu Bologna erbaut, die Vorderseite, Facciata, aber erst im Jahre 1767 unter dem Kurfürsten Maximilian Joseph III. durch die Hofbaumeister Couvillier Vater und Sohn im neu=französischen Style vollendet. Die Kirche enthält kostbare Gemälde von Sandi, Cignani, Cambrat, Tintoretto, Liberi, Vanni, Karl Loth und Desmare. Die schöne und große Sakristey ist, neben vielen andern sehenswürdigen Gemälden, mit den jeden Besucher freundlich ansprechenden Bildnissen der durchlauchtigsten Stifter des Kurfürsten Ferdinand Maria und seiner hochherzigen Gemahlin der favoischen Henriette Adelais, welche beyde im blühendsten Alter der Nation durch den Tod entrissen wurden, geziert. Unter dem Chor befindet sich die dritte und neueste Gruft der bayrischen Regenten, deren Aschen von dem Stifter an bis auf König Maximilian I. unvergeßlichen Andenkens bey denen ihrer Familien ruhen. Durch das schöne von Professor Eberhard im Karrarischen Marmor ausgeführte Denkmal, welches der verwittibten Königin Majestät ihrer am 4. Hornung 1821 verstorbenen Prinzessin Maximiliane Josephe Karoline setzen ließen, hat die Kirche eine neue Zierde erhalten.
Das Übrige, was auf diesem Blatte Aufmerksamkeit verdient, die königliche Residenz mit dem neuen Königsbau, die Arkaden und der Bazar, findet anderwo Erläuterung.
Eine baldige höchstinteressante Verschönerung steht dem Odeonsplatze bevor, weil des Königs Majestät beschlossen haben, zum Andenken der unverbrüchlichen Treue, der Großthaten und der Aufopferungen des bayerischen Heeres aus eroberten Kanonen gegossenen Obelisken in dessen Mitte aufstellen zu lassen.