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Seite 36
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Grünwald

Abbildung zum Eintrag

Was den beiderseits hohen, rauhen, aber wildschönen Ufern des ungezügelten Gebirgs=Stromes, der Isar, zur Vervollständigung einer Landschaft mangelt, findet sich hier, — eine Schloß=Ruine, — zwar baulich unterhalten, so weit es der Zweck eines Hauptpulvermagazins erfordert, welches durch Militär bewacht wird. Berg und Thal ist hier dicht mit stämmigen Tannen, Buchen und Eichen bewachsen; sanft dringt durch sie das Licht; die Luft weht erquickend; vier= und zweifüßige Waldbewohner weilen hier am liebsten und ungestört; munter lassen letztere ihr vielfältiges Natur=Gesang ertönen. Am Fuße der Schloß=Höhe weidet des einsamen Wanderers Aug auf einer sanftgrünenden Wiese, welche zur angenehmen Ruhe einladet. Hier befand sich noch im Jahre 1602 ein großer Hirsch=Park, so wie außer dem, oben liegenden, zur Pfarrei Oberhaching gehörigen Dorfe Grünwald, gegen die ehemalige landesfürstliche Schwaig Laufzorn hin, ein, mit Mauern umgebener, noch sogenannter Schwein=Garten. Daher pflegten die alten Herzoge von Bayern in diesen bedeutenden Forsten mit Vorliebe das edle Weidwerk, und benützten Grünwald zum Jagd=Schlosse, daher es auch mit hierauf bezüglichen Malereien auf Holz meublirt war. Ein besonderer Lieblings=Aufenthalt war es für Herzog Sigmund, in seinem 29sten Lebensjahre (1468) Erbauer der U. L. Frauen=Kirche in München, welcher da und in Blutenburg in glücklicher Abgeschiedenheit von dem Geräusche der Welt einige dreißig Jahre verlebte. Ihn charakterisiren die unter sein, von ihm selbst verfertigtes Porträt gesetzten Reime:

„sey fromb, gedultich und verschwigen,
was nit dein ist, das las liegen.“

Die ehemalige St. Georgen=Schloß=Kapelle ist 1405 durch die Herzoge Ernst und Wilhelm mit einer ewigen heiligen Messe fundirt, 1470 aber die Stiftung von Herzog Sigmund vermehrt worden. Gegenwärtig wird dieselbe durch einen eigenen Schul=Beneficiaten in der St. Peter und Pauls=Filial=Kirche des Dorfes gehalten.

Von den vier, ins Gevierte gebauten, äußern Schloß=Thürmen stehen jetzt zwei, von welchen der größere, um ein Stockwerk abgetragene, noch unter Churfürst Karl Theodor zum Gefängnisse für politische Verbrecher diente. Eine Zugbrücke führte über den, auf der innern Seite mit einer Wehrmauer und Schuß=Scharten versehenen Lauf Graben zum Schloß=Thore, ober welchem 11 bayerische Familien=Wappen angemalt sind. In Mitte des Hofraumes war ein, mit Quaderstücken ausgemauerter Brunnen ersichtlich, über 200 Werkschuhe haltend, so tief, als das Schloß von der Isar hoch liegt.