Malerische Topografie des Königreichs Bayern
Die Pfarrkirche zum heiligen Peter am Rindermarkte
Münchens bekannter Erbauer, Herzog Heinrich der Löwe, gab um so unzweifelhafter auch der ersten Pfarrkirche für die zahlreichen Bewohner ihr Daseyn, als um das Jahr 1164 in einer Urkunde des Klosters Schäftlarn neben Hartwich, Dechant zu Pöhringen, schon Heribort, De=chant zu München, vorkommt. Der 29te freysingische Bischof Enicho, aus dem Hause Wit=telsbach, erneuerte im Jahre 1294 die Einweihung der, durch Beyträge frommer Christen erweiter=ten heil. Peterskirche mit 3 Altären, als Konrad Wildbrecht, ein Bürgerssohn aus München, der 7te Pfarrer daselbst war. Inzwischen (um das Jahr 1280) war noch die Kapelle auf den Widen (zu unserm Herrn auf der Wiese) entstanden, nachdem die St. Peters=Pfarrey einen Theil ihrer zahlreichen Gemeinde bereits 1271 an die neue Pfarrey zu unser lieben Frau abgegeben hatte.
Eine fürchterliche Feuersbrunst vernichtete im Jahre 1327 den dritten Theil der jungen Stadt, und verwandelte auch das Pfarr=Gotteshaus St. Peter in Asche. Größer und schöner aufgebaut, mit 2 Thürmen verherrlicht, ward es wieder durch gesammelte Gaben, selbst in dem benachbarten Tyrol, mit landesherrlicher Bewilligung. Pabst Niklas V. verlieh denjenigen einen Ablaß ihrer Sünden, welche zur Wiederherstellung dieser Kirche Opfer und Beyträge spendeten. Die Einseg=nung derselben, nebst noch zwey neuen Altären, geschah 1365 durch den 36ten Oberhirten des Bisthumes Freysing, Paulus, ein Edler von Harrach, (derjenige, welcher die Loszählung Kai=sers Ludwig, des Bayers, von dem Kirchenbanne nach seinem Tode bewirkte) unter Beystands=Leistung der Aebte Heinrich von Tegernsee, Albert von Benediktbeuern, Stephan von Ebers=berg, und Ulrich von Weihenstephan. Auf dem umgebenden Leichenacker stand die schon erwähnte Wiekapelle, unfern davon die St. Niklaskapelle.
Im Jahre 1607 zündete ein Blitzstrahl beyde Thürme, und legte sie in Schutt. Bayerns Herzog Maximilian I. ließ im nämlichen Jahre zwischen deren Grundpfeilern nur mehr einen, in’s länglichte Viereck gestellten Kirchthurm aufführen, denselben ringsherum mit einem vergitterten Gange für die da wohnenden Feuerwächter und Thürmer, mit einer großen, auf vier Seiten, und zwar unten und oben mit acht Zifferblättern, zeigenden Schlaguhr, dann sieben Glocken versehen, mit einer durchsichtigen Kuppel, dann einer schön geformten, viereckigen, hohen Spitzsäule, alles mit Kupfer eingedeckt, krönen, worauf ein messingener Knopf nebst Wetterkreuz prangt. Zwischen der untern Uhr und der Gallerie sind auf den langen Seiten sechs, auf den schmalen vier hohe, gothische Fensteröffnungen angebracht. Man kann die Spuren der alten Thürme noch deutlich wahr=nehmen bey Betrachtung jener beyden Flügelgebäude, welche bis an das Kirchendach reichen, und dort abschüssig eingedeckt, dem neuen Thurme als tüchtige Strebepfeiler dienen. Zu gleicher Zeit wurde die Kirche in den innern Theilen bedeutend verschönert, und mit den, auf acht Bögen ru=henden Seitenchören geziert. Sie hat unter dem Thurme ein Hauptportal und vier Nebeneingänge, dann einen solchen in die Sakristey, welche um das Schiff zugebaut ist. Dieses erscheint selbst, über quer laufend, erst angehängt worden zu seyn. Das Ganze gewährt daher von Außen keine architektonische Vereinigung, bildet jedoch im Innern einen herrlich harmonirenden Tempel, den in Allem über 80 lange, runde und ovale Fenster beleuchten. Zu den bereits erwähnten fünf Altären kamen indessen noch eilf. Von vorzüglich schöner Bauart findet man aber den Choraltar. Ganz aus Tegernseer Marmor zeigt er eine mehrfache Säulenreihe nach korinthischer Ordnung, und eine Gruppe von vergoldeten Statuen, die vier Kirchenlehrer vorstellend, welche den, auf dem Stuhle sitzenden heil. Petrus umgeben, von Egid Asam. Diese Verschönerungen, so wie die Deckenge=mälde, von Zimmermann, dann die, an den Seitenpfeilern angebrachten vergoldeten Statuen der 12 Apostel, von Faistenberger, fallen in die Jahre von 1770 bis 1780. In gegenwärti=gem Jahrhunderte wurde die neue große Orgel hergestellt. Familien=Grabmäler besitzen endlich in der Kirche: Barth, (von 1362), Rechberg, Wachlenstein, Daun, Kolb; außen: Ligsalz, Schwei=ger, Seehofer, Kirmayer, Schowinger, Montgelas, Ruffin.