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Seite 16
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Die Dompfarrkirche zu unser lieben Frau

Abbildung zum Eintrag

Bedeutend war die Bevölkerung Münchens zu Anfang des 13ten Jahrhunderts angewachsen. Die St. Peters=Pfarrkirche wurde zu engfängig, der Pfarrsprengel zu weitschichtig. Daher ent=stund ein, Gottes Mutter Maria geweihtes Kirchlein, welches der 27te Bischof Konrad II. von Freysing im Jahre 1271 für die zweyte Pfarrey bestimmte, daher man es mit einer Sakristey, einem Taufstein und Leichenacker versah. Herzogliche und bürgerliche Wohlthäter trugen nicht nur zum Unterhalte des Pfarrers, seiner Gehülfen, des Schulmeisters und der Sänger, sondern zur innern Ausstattung des Bethauses bey. Auch die erste Fürstengruft wurde daselbst durch die Kai=serin Beatrix, und nachher durch ihren Gemahl, Ludwig den Bayer, eröffnet im Jahre 1347.

Schon bey Abtretung der gemeinschaftlichen Regierung Bayerns von Seite des gottesfürchtigen Herzogs Sigmund an seinen Bruder Albert den Weisen faßte jener den großartigen Gedanken, nach dem Beyspiele Roms und anderer fürstlicher und bischöflicher Städte der Christenheit, das so schön aufgeblühte München mit einem würdigen Prachttempel des Herrn in erhabenem gothischem Style zu schmücken, und denselben als schönes Denkmal der Baukunst damaliger Zeit der dankba=ren Nachwelt zu hinterlassen. Wirklich, am Sonntage nach Lichtmeß (9. Hornung) 1468 legte der 29jährige Prinz unter großer Feyerlichkeit den Grundstein zur neuen unser lieben Frauen=Pfarr=kirche außerhalb dem alten, nachhin bis auf die Gruft abgebrochenen Kirchlein, welchen der 44te Bischof Johann IV. von Freysing in Gegenwart des diesseitigen 9ten Pfarrers, Pr. Ernest Pütrich, des Dechants und Pfarrers zum heil. Peter, Pr. Rudolph Volkart v. Häring, der Reihe nach der 17te, der Kirchenpröbste Martin Kazmayr, aus dem innern, des Bürgers Sanfftl, aus dem äußern Stadtrathe, dann des Baumeisters Georg von Haslbach geweiht. In 20 Jahren stund der majestätische Kirchenbau mit den beyden Glockenthürmen fertig da, und am 14. April 1494 geschah die kirchliche Einsegnung. Derselbe ist über dem Sokel durchaus von Backsteinen aufgeführt. Zum Steine verhärtet erscheint selbst das schmale Mauerband; ein Zeitraum von Jahrhunderten konnte beyde nicht zur Verwitterung bringen, während sie des äußern gewöhn=lichen Anwurfes entbehren. Die Ueberlieferung sagt aber, daß die fleißigst bearbeiteten Steine dop=pelt gebrannt, genau untersucht, und ausgewählt worden seyen. Der Grundplan befindet sich in Wenings Topographie aufgezeichnet. Die Hauptmauern der Kirche haben 5, die der Thürme 11 Schuh Dicke. Der erstern Länge beträgt 336, die Breite 128, die Höhe bis an die Deckenwölbung, diese einen flachen Stein dick, von 24 achteckigen, 7 Schuh dicken Säulen unterstützt, welche das Ganze in 3 Schiffe theilt, 115 Schuhe. Um den Chor im Osten ist sie abgerundet; an der nörd=lichen Seite hat man die Sakristey angebaut. An der Südseite erblickt man eine künstliche Son=nenuhr vom Jahre 1514, 1758 und 1829 erneuert, welche die Veränderung des Winters und des Sommers, die Monate, den Thierkreis, die Planeten, 12 Tagesstunden u. s. w. anzeigt. Unter dieser, am Portale, sind die zwey Denksteine der Erbauung. Westlich erheben sich die zwey gleichen, viereckigen Thürme eben so hoch in die Lüfte, als die Kirche lang ist. Diese haben bis zum First des Gotteshauses 7, etwas eingezogene Absätze, und verwechseln dann das Viereck mit der achteckigen Form. Die mit Kupfer gedeckten runden Kuppeln haben große, einfache Knöpfe von Messing, deren jeder $2 frac{1}{2}$ Schäffel Getreid faßt; 450 Stufen führen dahin. Beyde sind mit einer Schlaguhr, 8 Zifferblättern, mit $3 frac{1}{2}$ Schuhe langen Ziffern, versehen, und in einem Thurme ist die Wohnung des Thürmers oder Feuerwächters, wo vor Zeiten bey Freudenfesten 9 Feldschlangen, 10 Spannen lang, von Eisen und rückwärts zu laden, gleich wie auf den Stadtthürmen und Festungs=wällen, abgefeuert worden sind. Ferner befinden sich in diesen Thürmen 10 Glocken, wovon die große Salveglocke 125 Zentner, die kleine 60 Zentner 60 Pfund, die heil. Bennoglocke 45 Zent=ner wiegt. Im Erdgeschoße besitzt jeder 2, ober den Uhren 4, unter der Kuppel 16 gothische Fen=steröffnungen. Die innere Lichte beträgt 11 Schuhe. Die Höhe des Kirchendaches hält 125 Schuhe; hiezu sind 1400 Flöße, jeder von $15-16$ Bäumen, verwendet worden, nebst Hinterlassung eines zugerichteten, an einen sichern Ort gehörigen Balkens, da doch keiner abgeht, als Zimmermeister=Kniff biederer alter Zeit. Vier gothische Seitenthüren, und zwischen den Thürmen ein Hauptportal, eröffnen den Eingang. Durch das letztere tretend, gewahret man in der Mitte unter den Kelhei=mer Pflastersteinen einen, mit einer Fußsohle bezeichnet, von wo aus man keines der 30, größten=theils 70 Schuhe hohen, mit künstlich geschmolzenen, farbigen Gläsern von Egid Trautenwolf versehenen Fenstern sieht. Auch die Seitenkapellen, in welchen gestiftete Altäre sind, haben gleiche Höhe bis an das Gewölbe. Der Pütrich Altar ist aber um 100 Jahre älter als die Kirche, da=her, gleich dem, an der hintern Kirchenthüre gegen die Löwengrube befindlichen Weihbrunnenkessel mit der Pütricher Wappen und der Jahreszahl 1447, aus dem alten Pfarrkirchlein herrührend. Außer diesem befinden sich, nebst dem herrlichen, von Max I. 1620 erbauten, 90 Schuh erreichenden Hochaltar mit Candids Gemälde, noch 24 Altäre hier, worunter der Kaiser= und St. Benno=Altar merkwürdig, auf welch ersterm schon in dem alten Frauenkirchlein 1443 heilige Messen fundirt ge=wesen, auf letzterm König Sigmund von Pohlen 1627, obiger Maximilian 1640, und Chur=fürst Ferdinand Maria 1676 eine ewige Messe stiftete. Um dem Tempel (zugleich Hofkirche) mehr Ansehen zu verschaffen, ließ Herzog Albert IV. die Kollegiatstifte Ilmmünster und Schliersee 1494 hieher versetzen und einverleiben. Der nämliche Max I. ließ im Jahre 1603 zu Entfernung der Einförmigkeit, und Verleihung eines zierlichen, zugleich ehrwürdigen Ansehens in diesen heiligen Hallen, beym Eintritte in das Presbiterium und über einen Theil des Chores eine zierliche Arkade aus Gypsguß errichten, welche 4 Seiten= und einen Mittelaltar bedeckt, und mit Frescogemälden von Peter Candid geschmückt ist. Am Ende derselben, über der zweyten Erhöhung, steht das präch=tige Grabmal Kaisers Ludwig, ihm von oft erwähntem Max geweiht, nach Candids Erfindung im Jahre 1622 durch Hans Grumper von Weilheim ausgeführt. Vor dem Gitter des Hochal=tars liegt der Denkstein der ersten, bereits erwähnten Fürstengruft. Hoch von der Decke des Chores herab hängt zum ewigen Andenken der Kardinalshut des Münchner Bürgersohnes Melchior Cle=felius, welcher durch persönliche Vorzüge sich zu der Würde eines Kardinals und Bischofes zu Wien emporgeschwungen. Ein anderes Denkmal ist an einem Pfeiler, der Kanzel gegenüber, eine türkische Fahne, welche Max Emanuel im Jahre 1688 bey Belgrad erobert hat. Jedermann bewundert übrigens das Meisterwerk der, 1633, mit dem geringen Kosten von 5005 fl. hergestellten großen Orgel; (eine kleinere befindet sich auf dem Chor) sie hat 12 Blasbälge und 17 Register. Die größte viereckige Pfeife bey dem Subpaß ist 34, die hervorstehende runde aus Buchsbaumholz 24 Schuhe lang.

Und ehe man diesen Prachttempel verläßt, sey ein Augenblick stiller Erinnerung dem anspruch=losen Meister geweiht, welcher mit dem rühmlichen Werke sein Leben beschlossen hat, und dessen Gebeine in einem Winkel des südlichen Glockenhauses ein einfacher Stein mit Schrift bedeckt. Eben so einfach ist auch unfern davon seine, und des Zimmermeisters gemalte Abbildung nach dem Leben; leider hat aber des letztern Namen die Schrift nicht einmal aufbewahrt. Selbst der frühere Pfarrer dahier, und nachmalige Bischof von Freysing, Johann Tulbek, (Johann IV.) nachdem er seine Kirche der Obhut des Nachfolgers empfohlen, legte in diesen Mauern das müde Haupt zur ewigen Ruhe im Jahre 1476, wie der Grabstein bey dem von ihm gestifteten Altar am nördlichen Kirch=thurme beweiset. Ferner haben Familien=Begräbnisse die Preysing, Füll, Wampt, Pütrich, Kaz=mayr, Mandl, Liegsalz, Mayr, Riedler, Barth, Schwegerle, Sendlinger, Neuhauser, u. a. m. Außen, an der vordern südlichen Kirchenthüre gewahrt man noch den merkwürdigen Grabstein des blindgebornen Meisters der Musik, Konrad Paulmann, Ritter aus Nürnberg, $dagger$ 1488, u. s. w.