Infotafel - Ehrenhain II
| Name | Infotafel - Ehrenhain II |
|---|---|
| Stadtbezirk | 17. Obergiesing-Fasangarten |
| Stadtbezirksteil | Südgiesing |
| Standort | Friedhof am Perlacher Forst |
| Übergabe | 2025 |
| Suchbegriffe | Ehrenhain |
| Kategorie | Nationalsozialismus |
EHRENHAIN II
MEMORIAL GROVE II
Der Ehrenhain II wurde 1954 auf Beschluss des Münchner Stadtrats errichtet. 95 der bis dahin anonym auf dem Friedhof bestatteten NS-Opfer wurden bis 1958 dort beigesetzt. Andere wurden in ihre Heimat überführt oder nicht umgebettet. Die Entscheidungen hierzu wurden mehrheitlich ohne Einbeziehung der Angehörigen vorgenommen. 1957 sowie 1962 wurden zwei Opfer nachträglich aus dem Ehrenhain exhumiert. Ein Grabstein aus Flossenbürger Granit trägt seit 1996 die Namen der Ermordeten.
Die heute im Ehrenhain II bestatteten 93 Männer stammten aus der Tschechoslowakei, Polen, Österreich und dem Deutschen Reich. Sie sind Opfer der NS-Justiz, die sie aus unterschiedlichsten politischen und rassistischen Gründen zum Tode verurteilte und im Gefängnis München-Stadelheim zwischen 1942 und 1945 hinrichten ließ.
Unter den Opfern der Justizmorde sind zahlreiche politische Widerstandskämpfer, die aus innerer Überzeugung und unter Einsatz ihres Lebens gegen den Nationalsozialismus Widerstand leisteten. Sie gehörten nationalen, bürgerlichen und kommunistischen Widerstandsgruppen wie der tschechischen „ÚVOD“ und „Obrana národa“, der österreichischen KPÖ-Widerstandsgruppe „Steyr-Werk“ sowie der deutschen Widerstandsgruppe um Franz Zielasko, der „Hartwimmer-Olschewski-Gruppe“ und der „Weiße Rose“ an.
Andere gerieten durch regimekritische Äußerungen, das Hören sogenannter Feindsender oder den Versuch, aus den besetzten Ländern oder dem Deutschen Reich zu fliehen, in das Verfolgungssystem der Nationalsozialisten. Die NS-Justiz unterstellte ihnen dabei „Wehrkraftzersetzung“, „Feindbegünstigung“ oder eine andere Form einer landesverräterischen Straftat. In zahlreichen Fällen können politische Beweggründe für das Handeln sowie der versuchte Anschluss an tschechoslowakische und polnische Legionen der alliierten Armeen heute nachgewiesen werden.
Einige der im Ehrenhain II bestatteten NS-Opfer galten zudem aufgrund ihrer Lebensführung oder Herkunft aus Sicht der Nationalsozialisten als „Asoziale“. Die rassistische und fremdenfeindliche Weltanschauung der Nationalsozialisten sprach ihnen grundsätzlich den Wert des Lebens ab. Unter den Bestatteten befinden sich daneben Opfer der NS-Justiz, deren Rolle im Nationalsozialismus und Verfolgungshintergrund nicht geklärt sind.
ENGLISH
The Ehrenhain II (Memorial Grove II) was established in 1954 following a decision by Munich City Council. 95 of the Nazi victims who had been buried anonymously in the cemetery until then were reinterred there by 1958. Others were transferred to their home countries for burial or were left in their original graves. Most of these decisions were however made without consulting the relatives of the victims. In 1957 and 1962, two victims were subsequently exhumed from the Memorial Grove. Since 1996, a gravestone made of Flossenbürg granite bears the names of those murdered.
The 93 men who are now buried in the Ehrenhain II came from Czechoslovakia, Poland, Austria and the German Reich. They are victims of the Nazi judiciary, which sentenced them to death for a variety of political and racist reasons and had them executed in Munich-Stadelheim Prison between 1942 and 1945.
Among the victims of these judicial murders are numerous political resistance fighters who resisted National Socialism out of inner conviction and at the risk of their lives. They belonged to national, bourgeois and communist resistance groups such as the Czech ‘ÚVOD’ and ‘Obrana národa’, the Austrian Communist Party resistance group ‘Steyr-Werk’ and the German resistance group around Franz Zielasko, the ‘Hartwimmer-Olschewski Group’ and the ‘White Rose’.
Others fell foul of the Nazi judicial system for making statements critical of the regime, listening to so-called enemy radio stations, or attempting to flee from the occupied countries or the German Reich. The Nazi judiciary accused them of ‘undermining military morale’, ‘aiding the enemy’, or some other form of treason. In numerous cases, political motives for their actions and attempts to join the Czechoslovak and Polish legions of the Allied armies can be proven today.
Some of the Nazi victims buried in Ehrenhain II were also considered ‘anti-social’ by the Nazis because of their lifestyle or origin. The racist and xenophobic worldview of the Nazis fundamentally denied them the value of life. Among those buried here are victims of the Nazi judiciary whose role in National Socialism and background of persecution remain unclear.